Wie unterschiedlich sind Männer- und Frauenhirne tatsächlich?

Carolin Banser
Frauen- und Männergehirn
Ärzte haben verblüffende Erkenntnisse über den kleinen Unterschied in den Gehirnen von Frauen und Männern gewonnen © istock

Unterscheiden sich die Gehirne von Frauen und Männern wirklich so klar voneinander? Mediziner liefern jetzt überraschende Ergebnisse.

Frauengehirne merken sich alles, was wichtig ist. Männergehirne halten sich oft mit Nebensächlichkeiten auf wie Fußballergebnissen, Motorumdrehungen und Nummernschildern. Wahrscheinlich unterscheiden sich Männer- und Frauenhirne also ganz wesentlich voneinander. Doch ist das wirklich so? Denken Männer und Frauen so unterschiedlich, weil ihre Gehirne anders sind? Auch wenn sich der Mythos hartnäckig hält: Wissenschaftliche Beweise für diese Behauptung bleiben aus.

Kann ein Mediziner das Geschlecht am Gehirn erkennen?

Richtig ist, dass das Gehirn einer Frau im Schnitt rund 100 Gramm weniger wiegt als das eines gleich großen Mannes, und dass Frauen über etwa elf Prozent mehr Nervenzellen in Bereichen verfügen, die für Sprachverarbeitung und räumliches Gedächtnis zuständig sind. Äußerlich sind diese Hinweise jedoch nicht zu erkennen. Hirnforscher sind jetzt allerdings auf eine weitere verblüffende Abweichung im Gehirn gestoßen, die einen Unterschied beider Gehirne sichtbar macht .

Demnach existiert ein Bereich im Gehirn, genauer gesagt ein Nervenzellkern, der tatsächlich das Verhalten von Frauen und Männern maßgeblich beeinflusst. Er sitzt im Zwischenhirn – dem Hypothalamus –, ist nur wenige Millimeter groß und unter anderem für unser sexuelles Verhalten verantwortlich: der Nucleus praeopticus medialis.

Dieser Kern – eine Ansammlung von Nervenzellen – ist auch für das Aggressionspotenzial und die Dominanz zuständig. Alle drei Komponenten sind eng miteinander verbunden. Das bedeutet, im männlichen Gehirn gibt es einen Knotenpunkt, der das „typisch männliche“ Verhalten steuert und verschaltet: Dominanz, Aggression und den Sexualtrieb.

Auffällig ist, dass der Nucleus praeopticus medialis bei Männern stärker ausgebildet ist als bei Frauen. Außerdem fehlt im weiblichen Gehirn eine gemeinsame Schaltzentrale, das heißt, Aggression und Sexualtrieb werden aufgespalten und von verschiedenen Nervenkernen im Zwischenhirn gesteuert. Bei Frauen ist der Nucleus ventromedialis für die sexuelle Lust verantwortlich.

Dieser mächtige Nervenzellkern im Hypothalamus ist für Wissenschaftler damit das einzig klare Indiz dafür, ob es sich um ein Frauen- oder Männergehirn handelt.

Um zu beweisen, dass der Nucleus praeopticus medialis das männliche Verhalten tatsächlich steuert, wurde in einem Experiment der Zellkern eines männlichen Artgenossen einer weiblichen Ratte eingesetzt. Diese beteiligte sich an Revierkämpfen und zeigte sich insgesamt aggressiver als zuvor. Außerdem wurde die Ratte mit einem stärkeren Sexualtrieb ausgestattet: Sie fing an, ihre weiblichen Artgenossen zu besteigen.

Warum Männer anders denken als Frauen

Männer

Warum in Männerhaushalten der Kühlschrank oft leer bleibt

Aufgrund der besser vernetzten weiblichen Hirnhälften sehen Frauen von ihrer Umgebung mehr als Männer. Ihre Gehirn-Software besitzt ein Blickfeld von bis zu 180 Grad und kann den Inhalt eines Kühlschranks ohne eine Kopfbewegung erkennen. Wenn Männer denken, ist dagegen immer nur eine Hirnhälfte aktiv. Folge: der so genannte Tunnelblick. Steht im mittleren Kühlfach noch Käse, ist der Kühlschrank also voll…

Mann steht vor leerem Kühlschrank
Wenn Männer denken, ist immer nur eine Hirnhälfte aktiv. Die Folge: der so genannte Tunnelblick. Steht im mittleren Kühlfach noch Käse, ist der Kühlschrank also voll© istock

Warum Männer im Traum mit wilden Tieren kämpfen

PET-Bilder von männlichen und weiblichen Gehirnen in Phasen absoluter Ruhe ergaben: Bei Männern sind Areale aktiv, die Aggressionen steuern, bei Frauen Regionen für komplexe Denkvorgänge – Erklärung für die höhere Gewaltbereitschaft von Männern. Ruben Gur: "Weil Männer ihre Aggressionen am Tag kontrollieren, kommt es im Traum zum Kampf."

Frauen

Warum Frauen in Gesichtern lesen können

Wenn Frauen denken, ist immer das obere limbische System aktiv. Es verleiht ihnen die Fähigkeit, die Stimmung anderer wahrzunehmen. Der Neurologe Ruben Gur: "Frauen mussten früher erkennen, wie die Laune der stärkeren, aggressiveren Männer war. Männer dagegen hatten von Frauen nichts zu befürchten."

Warum Frauen bei Computerspielen gegen Männer eher verlieren

Mehrdimensionale Computerspiele sind Männer-Domänen. Grund: Das Männerhormon Testosteron kurbelt die Aktivität der rechten Hirnhälfte an, den Ort des dreidimensionalen Denkens. Allerdings: Wird das Spiel wiederholt, ist die Frau ein ernsthafter Gegner. In Sachen Gedächtnisleistung ist sie dem Mann überlegen.

Warum Frauen immer zu viel reden

Frauen reden viel
Bei der Sprachverarbeitung nutzen Frauen Areale in beiden Hirnhälften. Zudem ist das Sprachzentrum im Frauenhirn größer. Das könnte erklären, warum Frauen immer zu viel reden© istock

Der Forscher David Geary sieht die Gründe hierfür in der Urgesellschaft: "Für die Kindererziehung und den Gruppenzusammenhalt war die bessere Sprachfähigkeit von Frauen ein evolutionärer Vorteil."

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.