Wie unterscheiden sich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – das sind kräftezehrende Krankheiten, über die viele Betroffene nicht gerne sprechen. Prof. Dr. med. Ulrich Böcker, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Neukölln, erklärt exklusiv auf Praxisvita.de, was eine chronisch entzündliche Darmerkrankung für die Patienten bedeutet und welche Behandlung am besten hilft.

 

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – das sind beides chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED). Wo liegt der Unterschied?

Der wichtigste Unterschied zeigt sich bei der Ausdehnung der Erkrankung. Während die Colitis ulcerosa nur den Dickdarm betrifft, kann sich der Morbus Crohn an allen Stellen von Mund bis After im Magen-Darm-Trakt finden, wenn auch bevorzugt an bestimmten Stellen im unteren Dünndarm und im Dickdarm. Darüber hinaus werden beim Morbus Crohn auch tiefere Darmwandschichten in den Entzündungsprozess einbezogen als bei der Colitis ulcerosa. Das bedeutet aber nicht, dass ein Mensch mit einer Colitis ulcerosa prinzipiell weniger schwer erkrankt ist, beide Erkrankungen können milde bis schwere Verläufe zeigen.

Prof. Dr. med. Ulrich Böcker
Experte Prof. Dr. med. Ulrich Böcker: „Wie andere chronische Erkrankungen auch, können chronisch entzündliche Darmerkrankungen den Alltag von Betroffenen sehr belasten, teils auch mit großen Auswirkungen auf die private und berufliche Entwicklung.“© privat
 

Weniger bekannt ist die CED „Mikroskopische Colitis“ – was ist darunter zu verstehen?

Das ist eine Erkrankung, die auch belastende Krankheitssymptome wie wässrigen Durchfall erzeugen kann, aber nur durch eine Gewebeuntersuchung der Dickdarmschleimhaut sichtbar wird, also unter dem Mikroskop. Dafür ist dann immer eine Darmspiegelung notwendig. Dabei finden sich eine Vermehrung von Entzündungszellen und möglicherweise auch eine verstärkte Kollagenablagerung.

 

Welche Warnzeichen deuten auf eine CED hin?

Typische Symptome sind anhaltender Durchfall, gerade bei der Colitis ulcerosa auch blutige Stuhlgänge, und Bauchschmerzen. Hinzu können Krankheitsgefühl, Fieber und Gewichtsabnahme kommen sowie weitere Beschwerden.

 

Manchmal dauert es viele Jahre, bis eine CED diagnostiziert wird. Wie kommt das?

Die Ausprägung der Symptome kann unterschiedlich sein, Phasen von Beschwerden können mit Ruhephasen wechseln. Nicht selten ist es so, dass, insbesondere bei einem jungen Menschen mit entsprechenden Symptomen, nicht an die Möglichkeit einer ernsten Erkrankung gedacht wird. Vielleicht werden auch Untersuchungen, zum Beispiel im Bereich des Dünndarms, nicht gemacht, die nötig wären, um die Diagnose stellen zu können. Außerdem handelt es sich um vergleichsweise seltene Erkrankungen, auch wenn 300.000 Menschen in Deutschland betroffen sind. Nicht immer wird daher an den Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa gedacht. Durch entsprechende Aufklärungsmaßnahmen verbessert sich diese Situation aber.

 

Was bedeutet es für die Betroffenen, so lange ohne Diagnose zu leben?

Zum einen leiden die Betroffenen an den Krankheitssymptomen, die wegen fehlender Diagnose nicht behandelt werden. Zum anderen kann die Ungewissheit, woher die Beschwerden kommen, eine schwere psychische Belastung darstellen, insbesondere wenn die Betroffenen mit ihren Symptomen nicht ernst genommen werden.

 

Welche Behandlungsmethoden empfehlen Sie für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Wichtig ist es, die Betroffenen gut über ihre Erkrankung aufzuklären. Bei der Behandlung kommen in erster Linie Medikamente zum Einsatz, die den Entzündungsprozess hemmen. Auch Operationen können notwendig werden. Darüber hinaus muss auf weitere Aspekte wie die Ernährung eingegangen werden.

 

Müssen Patienten demnach bei der Diagnose „chronisch entzündliche Darmerkrankung“ ihre Ernährung umstellen?

Die Diagnosestellung verpflichtet nicht generell zu einer Ernährungsumstellung. Es muss bei jedem einzelnen Betroffenen entschieden werden, ob Veränderungen erforderlich sind, zum Beispiel wegen einer Engstelle im Darm oder einer Milchzuckerunverträglichkeit.

 

Verschlimmert Rauchen den Zustand bei CED und falls ja: Sind E-Zigaretten erlaubt?

Rauchen verschlimmert den Morbus Crohn. Patienten mit Morbus Crohn können viel für sich tun, wenn sie das Rauchen aufgeben. Dazu sollte auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden können. Auch wenn davon ausgegangen wird, dass die E-Zigarette weniger schädlich ist als die herkömmliche Zigarette, hängen die gesundheitlichen Folgen von der Art der verdampften Stoffe ab. Das ist für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bisher nicht gut untersucht worden. Daher rate ich tendenziell auch von E-Zigaretten ab.

 

Wie ist es mit Alkohol? Ist der streng verboten oder ist ab und zu ein Glas Wein erlaubt?

Alkohol ist nicht streng verboten, prinzipiell sollten alkoholische Getränke aber nur in moderatem Umfang konsumiert werden. Gerade in Zeiten von Schüben chronisch entzündlicher Darmerkrankungen kann Alkohol den Gesundheitszustand negativ beeinflussen und sollte dann gemieden werden.

 

Können Trinkkuren die Beschwerden bei CED lindern?

Ausreichendes Trinken ist wichtig, gerade auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die mit erheblichen Flüssigkeitsverlusten einhergehen können. Besondere Trinkkuren sind aber nicht nötig. Inwiefern sie sogar eine Belastung in bestimmten Krankheitssituationen darstellen können, sollte der Betroffene mit seinen behandelnden Ärzten besprechen.

 

Haben Sie Praxistipps für Betroffene oder deren Angehörige, die den Alltag mit der Krankheit erleichtern können?

Entscheidend sind ausführliche Informationen über die Erkrankungen, gerade auch für die Menschen im nahen Umfeld, damit sie den Betroffenen unterstützen können. Neben einer guten medizinischen Betreuung durch Spezialisten kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen sehr hilfreich sein, zum Beispiel in einer Gruppe zur Selbsthilfe.

 

Viele Patienten mit einer CED leiden auch unter Gelenkschmerzen oder Hauterkrankungen. Welcher Zusammenhang besteht da? Lassen diese Begleitbeschwerden durch eine medikamentöse Behandlung der CED auch nach?

Bei einem Teil der Betroffenen kommt es zu diesen extraintestinalen, also außerhalb des Magen-Darmtrakts gelegenen Beschwerden, ausgelöst durch eine Entzündung. Medikamente können wirksam sein, nicht alle extraintestinalen Manifestationen sprechen aber gleichermaßen auf die medikamentöse Therapie an. Betroffene sollten auch das immer mit dem behandelnden Arzt besprechen beziehungsweise ihren Hautarzt auf die CED hinweisen.

 

Können psychische Probleme und Stress eine CED auslösen?

Psychische Probleme und Stress sind keine Ursachen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, sie können aber offensichtlich den Zeitpunkt und das Ausmaß beeinflussen, mit dem die Erkrankung aktiv wird und Beschwerden verursacht.

Im Interview: Prof. Dr. med. Ulrich Böcker
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie am Vivantes Klinikum Neukölln.

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