Wie unser Körper Fastfood bekämpft

Verena Elson Medizinredakteurin
Immunzelle
Das Immunsystem ist auf die Abwehr feindlicher Eindringlinge wie Bakterien und Viren spezialisiert – doch ähnlich wie auf Krankheitserreger reagiert es auch auf ungesunde Ernährung, zeigt eine Studie © iStock/Ugreen

Big Mac oder gefährliche bakterielle Infektion? Für das Immunsystem ist das kein großer Unterschied, zeigt eine aktuelle Studie Bonner Forscher. So aggressiv reagiert unser Körper auf Burger und Co.

Um herauszufinden, wie unsere Ernährung das Immunsystem beeinflusst, ließen die Wissenschaftler der Universität Bonn eine Gruppe von Mäusen sich „typisch westlich“ ernähren – das heißt viel Fett, Salz und Zucker und wenig Ballaststoffe.

 

Körper erkennt Fast Food als „Feind“

Die Tiere reagierten darauf mit einer massiven Entzündungsreaktion im gesamten Körper – ähnlich, wie sie auch bei schweren bakteriellen Infektionen auftritt. Das Ziel solcher Entzündungsreaktionen ist es, „feindliche Eindringlinge“ wie Krankheitserreger aus dem Körper zu befördern.

„Die ungesunde Diät hat zu einem unerwarteten Anstieg einiger Immunzellen im Blut geführt“, so Anette Christ, Postdoktorandin am Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn. „Das war ein Hinweis auf eine Beteiligung von Vorläuferzellen im Knochenmark in dem Entzündungsgeschehen.“

Unsere Immunzellen werden wie alle unsere Blutzellen im Knochenmark gebildet. Vorläuferzellen sind „unfertige“ Zellen, die sich noch in der Entwicklung befinden. Die Bonner Forscher isolierten solche Vorläuferzellen späterer Immunzellen von Mäusen mit einer ungesunden westlichen Ernährung und von Tieren mit normalem Getreidefutter und untersuchten sie im Labor.

 

Immunsystem gerät in dauerhaften Alarmzustand

Dabei beobachteten sie: In den Vorläuferzellen von Mäusen mit einer Fastfood-Diät war eine große Zahl an Genen aktiviert, die bei den gesund ernährten Mäusen nicht aktiv waren. Unter anderem betraf das Gene, die für Wachstum und Vermehrung der Zelle verantwortlich sind. Das heißt, die Immunzellen waren auf „schnelles Wachstum“ umprogrammiert worden – eine Schutzreaktion des Körpers, um den vermeintlichen Feind, das Fastfood, abzuwehren.

Bekamen die Mäuse im Anschluss wieder ihr normales Futter, entwickelte sich die Entzündung zurück. Doch die „Umprogrammierung“ der Immunzellen blieb – auch nach vier Wochen mit gesunder Getreidekost ließ sie sich noch nachweisen.

 

Fastfood als Krankheitserreger im Immun-Gedächtnis abgespeichert

„Wir wissen erst seit kurzem, dass das angeborene Immunsystem über ein Gedächtnis verfügt, erklärt Prof. Dr. Eicke Latz, Leiter des Instituts für angeborene Immunität der Universität Bonn und Wissenschaftler am DZNE. „Nach einer Infektion bleibt die Körperabwehr in einer Art Alarmzustand, um dann schneller auf einen neuen Angriff reagieren zu können.“

Diesen Alarmzustand, der normalerweise durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird, hatte bei den Mäusen die ungesunde Ernährung hervorgerufen. Er führt dazu, dass die Körperabwehr schon auf kleine Reize mit einer Entzündung reagiert.

Solche Entzündungen können gefährliche Folgen haben – so fördern sie die Entstehung von Diabetes und Gefäßerkrankungen. „Diese Erkenntnisse haben daher eine enorme gesellschaftliche Relevanz“, erklärt Latz. „Die Grundlagen einer gesunden Ernährung müssen noch viel stärker als heute zum Schulstoff werden. Nur so können wir Kinder frühzeitig gegen die Verlockungen der Lebensmittel-Industrie immunisieren – bevor diese langfristige Konsequenzen entfalten. Kinder haben jeden Tag die Wahl, was sie essen. Wir sollten ihnen ermöglichen, bei ihrer Ernährung eine bewusste Entscheidung zu treffen.“

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