Wie uns die Natur glücklich und gesund macht

Stephanie Pingel

Ein Wanderurlaub in den Bergen oder einfach ein Nachmittag Gartenarbeit – zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, zieht es uns hinaus ins Freie. Praxisvita erklärt, warum die Natur uns glücklich und gesund macht.

Wir lieben es, mit nackten Füßen über grüne Wiesen zu laufen, auf die Steine in einem plätschernden Gebirgsbach zu klettern oder durch das Gehölz eines Nadelwaldes zu streifen, seinen Duft ganz tief in uns aufzunehmen. Die Natur hat uns einiges zu bieten: Ihr sattes Grün belebt uns, die wunderbaren Düfte von Blumen und Gräsern beflügeln, und im Schatten einer jahrhundertealten Eiche fühlen wir uns so geborgen wie selten in unserer hektischen Welt. Die Natur tut uns gut, rührt unser Herz und schenkt uns neue Energie. Doch wie kommt es, dass die Natur uns so glücklich und gesund macht?

Niederländische Forscher haben entdeckt, dass wir uns instinktiv an die Orte in der Natur begeben, die unsere Seele am nötigsten braucht – und die unsere Sehnsucht am besten widerspiegeln. Zieht es uns beispielsweise an den Strand und das Meer mit seiner unendlichen Weite, sehnen wir uns vor allem nach Freiheit und neuen Horizonten. Möchten wir dagegen am liebsten die höchsten Gipfel der Berge erklimmen, suchen wir die Herausforderung. Lassen wir uns stattdessen bevorzugt im geschützten Tal nieder, erfüllt das unser Bedürfnis nach Geborgenheit.

Warum uns grüne Landschaften glücklich und gesund machen

Was wir jedoch alle gemeinsam haben: In grünen Landschaften fühlen wir uns besonders wohl. Erst recht, wenn wir sie gleichzeitig gut überblicken können und sie uns trotzdem einen gewissen Schutz bieten – wie in einem Park mit Bäumen. Evolutions-Psychologen vermuten, dass uns dieses Territorium an die Savanne erinnert, aus der wir ursprünglich stammen - und uns das saftige Grün signalisiert, dass wir hier mit unseren Nachkommen gut überleben können.

Doch wo auch immer es uns hinzieht – die Zeit in der Natur wirkt sich positiv auf uns aus und macht uns glücklich und gesund. Die Zeit im Freien macht uns außerdem fitter und glättet unsere Haut. Sie kann sogar Krankheiten heilen. Die frische Luft und das Grün aktivieren unzählige unserer Körperfunktionen: Sie verbessern unseren Zell-, Zucker- und Fettstoffwechsel, lassen unseren Blutdruck sinken und beruhigen unseren Puls. Besonders wertvoll: Auch die Produktion des Schlafhormons Melatonin reguliert sich. So können wir wieder besser schlafen und sind insgesamt erholter. Gleichzeitig produzieren wir im Freien jede Menge Glückshormone: Bereits wenige Minuten körperlicher Aktivität in der Natur heben laut einer englischen Studie unsere Laune und verbessern unser Selbstwertgefühl.

Frau läuft durch den Wald
Ein Waldspaziergang tut nicht nur der Seele gut, er macht uns auch glücklich und gesund© Alamy

Wie die Natur unsere Ängste mindert

Effektiv ist das beispielsweise in der Burn-out-Prävention. Nicht nur, dass wir allein beim Anblick von Wäldern Stresshormone wie Cortisol abbauen, auch unser Angst- und Aggressionslevel sinkt. Gleichzeitig profitiert unser Gehirn von der Zeit im Freien. Umgeben von Wald, Wiese und Naturgeräuschen, kann sich unsere sogenannte gerichtete Aufmerksamkeit erholen, die wir zum Beispiel im Straßenverkehr brauchen. Wir nutzen sie immer dann, wenn wir uns auf eine bestimmte Tätigkeit fokussieren. Da wir in der Natur aber umgeben sind von vielfältigen Eindrücken, kann sie sich regenerieren und langfristig sogar verbessern, genau wie unser Gedächtnis. Neue Studien haben sogar ergeben, dass oft auch schon der Blick auf Naturbilder oder eine grüne Aussicht aus dem Fenster reichen, um uns die positiven Effekte der Natur zu bescheren. Schauen wir beispielsweise nur fünf Minuten auf einen Baum, senkt das bereits unsere Muskelspannung und erhöhten Blutdruck.

Immer mehr Altenheime, Kindergärten und Krankenhäuser die Heilkraft der Natur, zum Beispiel mithilfe von Landschaftsgemälden auf den Fluren von Krankenstationen oder in Form von therapeutischen Gärten. In Letzteren können Patienten nach Operationen ihre motorischen Fähigkeiten wiedererlangen, und Kinder mit ADHS lernen, sich beim gemeinsamen Jäten und Harken zu konzentrieren. Gartenarbeit tut also Körper und Seele gut – sie macht uns glücklich und gesund. Darum möchten auch Städter sie immer mehr in ihren Alltag integrieren. Das zeigt der Trend zum Gemeinschaftsgarten. Beim Urban Gardening bepflanzen Stadtbewohner mit ihren Nachbarn die Dächer unserer Stadt. Besitzen wir keinen eigenen Garten, können wir hier mit der ganzen Familie unsere selbst angebauten Tomaten und Zucchinis ernten. So rücken wir nicht nur näher zusammen, sondern machen die Natur auch hautnah erlebbar.

Die kleine Atempause zum Glück

Es lohnt sich also, auf unsere Sehnsucht zu hören und in unseren stressigen Alltag öfter mal eine kleine Auszeit im Grünen einzuplanen. Dafür müssen wir gar nicht weit reisen, das Gute liegt schließlich so nah. Denn egal ob im eigenen Garten oder bei einer tagelangen Wanderung durch die Berge – der Effekt, den die Natur auf uns hat und mit dem sie uns glücklich und gesund macht, ist der gleiche.

Wie uns die Natur noch dabei unterstützen kann, glücklich und gesund zu werden, erfahren Sie in unserer Bildergalerie „Wie uns die Natur glücklich und gesund macht.“

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