Wie überlebe ich einen Blitzschlag?

Gewitter über einer Stadt
Ein Gewitter ist ein beeindruckendes Naturschauspiel – von weitem. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass jeder Vierte vom Blitz Getroffene nicht überlebt © Fotolia

Rund zwei Millionen Blitze gehen jährlich in Deutschland nieder. Viele fragen sich: Was passiert, wenn einer davon mich trifft? Praxisvita klärt auf.

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes kamen zwischen 1998 und 2013 jährlich bis zu acht Menschen bei schweren Gewittern in Deutschland ums Leben. Die Chance, von einem Blitz getroffen zu werden, liegt bei etwa eins zu 6 000 000. Doch wie ist die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Blitzschlag zu überleben? Das wollte der Rechtsmediziner und Privatdozent Dr. Fred Zack von der Universität Rostock herausfinden. Bei seiner Auswertung kam er zu dem Ergebnis, dass rund 25 Prozent der Betroffenen weltweit einen Blitzschlag nicht überleben.

 

Was passiert bei einem Blitzschlag?

Wird ein Mensch vom Blitz getroffen, durchschießen etwa 10.000 Ampere seinen Körper. Besonders stark trifft der Schlag Nerven und Muskeln, weil sie einen hohen Flüssigkeitsanteil haben und somit nur einen geringen elektrischen Widerstand aufweisen. Dabei können im Blitzkanal Temperaturen von bis zu 30.000 °C erreicht werden. Dass der Körper bei diesen Temperaturen nicht umgehend verbrennt, liegt an der kurzen Einwirkzeit des Blitzes (0,1 Millisekunden). Meist fließt der Strom an der Oberfläche der Haut ab.

 

Wovon hängt es ab, ob man einen Blitzschlag überlebt?

Ob ein Mensch einen Blitzeinschlag überlebt, hängt vor allem davon ab, wo er getroffen wird: Keine Chancen haben Opfer, bei denen der Blitz im Kopf einschlägt. In diesem Fall kommt es unmittelbar zu Hirngewebsnekrosen (Absterben des Hirngewebes), und das Atemzentrum wird blockiert. Auch ein Blitzschlag mit anschließendem Stromfluss durch das Herz ist tödlich. Bessere Prognosen dagegen haben Menschen, die der Blitz indirekt trifft, über Telefonleitungen oder Bäume. Die zur Person geleitete Energie ist viel geringer.

 

Welche gesundheitlichen Schäden bleiben bei Überlebenden?

Unmittelbar nach einem Blitzeinschlag leiden die Betroffenen meist an Bewusstseinsstörungen und Gedächtnisverlust, dazu können Lähmungen, optische und akustische Ausfälle kommen. Kennzeichnend ist außerdem eine typische, blitzförmige Hautveränderung, die sogenannte Lichtenbergsche Blitzfigur.

Diese Symptome dauern meist nur einige Stunden an. Doch hat der Blitz das Zentrale Nervensystem geschädigt, kann es zu Schlaganfällen und lebenslangen Behinderungen kommen.

Viele Menschen, die einen Blitzschlag gut überstanden haben, leiden noch lange danach psychisch unter dem Erlebnis. Das kann sich unter anderem in Angststörungen, Depressionen, und posttraumatische Belastungsstörungen äußern.

 

Wie schütze ich mich vor einem Blitzschlag?

„Längst überholt ist der Ratschlag, sich bei einem Gewitter im Freien flach auf den Boden zu legen, denn das vergrößert nur die Angriffsfläche, die man dem Strom bietet, der dann über das Herz fließen und tödliche Rhythmusstörungen auslösen kann“, sagt Dr. Zack. „Besser: in die Hocke gehen, die Füße dicht aneinanderstellen und die Ohren mit den Händen zuhalten. In Häusern sollte man Fenster und Türen zur Gewitterzeit geschlossen halten und elektrische Geräte nicht benutzen.“ Auch in einem Auto ist man nicht einhundertprozentig sicher. Als Insasse sollte man bei Gewitter nie die Blechanteile im Auto berühren. Außerdem sollte man nicht mehr fahren – denn wenn der Blitz einschlägt, kann das Licht so grell sein, dass eine Orientierung danach kaum möglich ist.

Hamburg, 19. Mai 2015

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