Wie tief darf ich mit einer Zahnkrone tauchen?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Taucher
Wie stark schadet Tauchen den Zähnen? © iStock

Wenn sich der Umgebungsdruck stark ändert, merken wir das nicht nur am Knacken in den Ohren. Auch unsere Zähne können erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wenn einem in Deutschland eiskalte Sturmböen um die Nase pfeifen, zieht es viele Urlauber in den Süden. Dann nur am Strand zu liegen wird allerdings immer unpopulärer. Unter den Urlaubstrends für Aktivreisende setzt sich Tauchen seit einigen Jahren immer mehr durch.

Viele machen im Zielland einen Einsteigerkurs und leihen sich bei kommenden Urlauben selbstständig das Equipment aus. Dabei wissen aber die meisten nicht, dass es beim Tauchen noch mehr Gefahren gibt, als falschen Druckausgleich und Tiefenrausch. So verrät kaum ein Tauchlehrer seinen Schülern, dass Tauchen gefährlich für die Zähne sein kann. Viele Lehrer wissen es nämlich selbst nicht.

 

Schmerzen durch Hohlräume in den Zähnen

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass über 40 Prozent aller Freizeittaucher während des Tauchens unter Zahnproblemen leiden. Zufall? Offenbar nein, denn durch Strömungen und den starken Druck unter Wasser bilden sich Lufttaschen an den Zahnwurzeln. Diese schaden vor allem den Molaren (Backenzähnen). Auch von einer sogenannten Barodontalgie (Höhenzahnschmerzen) berichtete etwa die Hälfte der 100 untersuchten Hobby-Taucher. Diese Art Zahnschmerz tritt auch häufig bei Flugbegleitern und Vielfliegern auf. Durch Karies oder nicht richtig angepasste Füllungen entstehen mitunter luft- oder gasgefüllte Hohlräume im Zahn. Verändert sich in großer Höhe oder Tiefe der Umgebungsdruck kann es zu einem Unter- oder Überdruck in der Hohlkammer im Zahn kommen. Die Folge: Starke Schmerzen, auch Barotraumata genannt. Die Symptome verschärfen sich gerade bei unerfahrenen Tauchern, die noch nicht mit ihrem Mundstück vertraut sind. Bei ihnen kommt es häufig vor, dass sie die Zähne gegen das Mundstück pressen oder darauf herumkauen. Das passiert häufig unbewusst, etwa als Reaktion auf das kalte Wasser oder leichten Stress durch die noch unbekannte Situation.

 

Zahnprobleme als Sicherheitsrisiko beim Tauchen

„Trockene Luft in Kombination mit einer ungewöhnlichen Position des Kiefers während man am Mundstück herumbeißt, ist eine interessante Mischung“, so Vinisha Ranna, Zahnmedizinerin und Studienleiterin an der Buffalo Universität im Bundesstaat New York. Zwar sind Zahnschmerzen an sich selten lebensgefährlich – unter Wasser kann jedoch schon die kleinste Verletzung ein Sicherheitsrisiko bedeuten. „Ein ungesunder Zahn fällt unter Wasser viel mehr auf als an der Oberfläche. Viele Meter unter Wasser – das ist der letzte Ort, an dem man mit einem beschädigten Zahn zu tun haben will“. Schließlich können davon auch andere Bereiche betroffen sein: „Wenn man bedenkt, dass sich der Luftdruckregler auch im Mund befindet, kann jede Störung in der Mundhöhle das allgemeine Verletzungsrisiko des Tauchers erhöhen.

 

Ab zehn Metern wird es kritisch

Da die Schmerzen einer Barodontalgie teilweise erheblich sind, können diese auch die Konzentration des Tauchers und die Aufmerksamkeit für mögliche Gefahren verringern. Die befragten Taucher der Studie berichteten von solchen Schmerzen ab einer Tiefe von etwa zehn Metern im oberen Kieferbereich. Es ist bekannt, dass ab einer Tiefe von 20 Metern Keramik-Zahnfüllungen theoretisch zerbrechen können. Tatsächlich betraf dies auch einen Studienteilnehmer, dessen Zahnfüllung während eines Tauchgangs zerschmetterte. Bei fünf weiteren Befragten hatten sich beim Tauchen Kronen gelockert. 22 Befragte berichteten außerdem von Kieferschmerzen, die durch ein zu starkes Festbeißen am Mundstück zustande gekommen waren.

 

Wie lassen sich die Schmerzen verhindern?

Normalerweise lassen die Zahnschmerzen, die durch einen Hohlraum im Zahn entstanden sind, bei gewohntem Luftdruck schnell wieder nach. Allerdings sollte die Ursache für eine Barodontalgie, also Karies oder eine schlechte Füllung, vor dem nächsten Tauchgang von einem Zahnarzt begutachtet werden. Denn nur gesunde und ordentlich gefüllte Zähne sind druckdicht. Außerdem sollte vor einem Tauchurlaub immer ein Zahnarzt abklären, ob alle Kronen und Füllungen sicher sitzen und keine neuen Karies entstanden sind. 

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