Wie Smartphones das Gehirn verändern

Redaktion PraxisVITA
Ein Pärchen blickt gemeinsam auf ein Smartphone
Wie wirkt sich die tägliche Smartphone-Nutzung auf unser Gehirn aus? Das haben schweizerische Forscher jetzt untersucht © Fotolia

Schweizer Forscher haben untersucht, welche Auswirkungen Smartphones mit Touchscreen auf unser Gehirn haben – mit erstaunlichen Erkenntnissen...

Im Zentrum der Studie steht ein bestimmter Teil unserer Großhirnrinde: der sogenannte somatosensorische Cortex. Seine Aufgabe ist es, Wahrnehmungen des Tastsinns zu verarbeiten. Er ist in verschiedene Areale eingeteilt, die für unterschiedliche Körperteile zuständig sind. Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass diese Areale wachsen, wenn das betreffende Körperteil stark beansprucht wird: Bei Geigenspielern beispielsweise ist der Bereich, der den instrumentführenden Finger steuert, besonders stark ausgeprägt.

Ist das auch so bei Smartphone-Nutzern, die täglich auf dem Touchscreen tippen und wischen? Dieser Frage sind die Wissenschaftler der Universität Zürich und der ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) jetzt auf den Grund gegangen.

 

Fingerübungen und Gehirnscan

Dazu ließen sie Probanden Bewegungen mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger machen. Einige der Studienteilnehmer besaßen ein Smartphone mit Touchscreen, andere ein herkömmliches Mobiltelefon. Während der Übungen wurde ihre Hirnaktivität mittels EEG (Elektroenzephalografie) gemessen.

Das Ergebnis: Bei den Touchscreen-Nutzern war das Areal des somatosensorischen Cortex, das für den Daumen zuständig ist, größer als bei den Nutzern von Handys ohne Touchscreen. Dieser Effekt verstärkte sich mit zunehmender Häufigkeit der Smartphone-Nutzung in den vorangegangenen zehn Tagen.

Was bedeutet das? Laut Forschern ist der Effekt zwar erwartet worden, zeigte sich jedoch ausgeprägter als prognostiziert. Unser Gehirn passt sich demnach schneller und stärker den digitalen Medien an, die wir benutzen, als bisher angenommen. Das betrifft sowohl die positiven als auch die negativen Wirkungen. Welche Konsequenzen können wir also aus diesen neuen Erkenntnissen ziehen?

 

Warnung vor übermäßiger Nutzung

Auch, wenn einzelne Bereiche des Gehirns durch die Smartphone-Nutzung trainiert werden – Experten warnen besonders bei Kindern und schwangeren Frauen vor dem übermäßigen Gebrauch von Mobiltelefonen. Denn Kinder sind wegen ihrer sich im Wachstum befindenden Gehirne, ihrer dünneren Schädelknochen und weicheren Hirnmasse anfälliger für die Mikrowellenstrahlung, die die Geräte abgeben. So ergab eine Studie der Yale School of Medicine, dass das Ausgesetztsein starker Handystrahlung im Mutterleib die Entwicklung des kindlichen Gehirns schädigen und zu Störungen wie ADHS und verringerte Gedächtnisleistung im Erwachsenenalter führen kann. Die Wissenschaftler erklärten diesen Effekt mit Auswirkungen der Strahlung auf die Entwicklung von Neuronen in einer bestimmten Hirnregion, dem sogenannten präfrontalen Cortex. ADHS ist eine Entwicklungsstörung genau dieser Gehirnregion.

Experten raten außerdem von der gleichzeitigen Nutzung verschiedener medialer Geräte ab. Denn frühere Studien haben gezeigt, dass die graue Masse in bestimmten Bereichen des Gehirns dadurch schrumpft. Die britischen und US-amerikanischen Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass mediale Multitasker sich schlechter konzentrieren können als andere und Schwierigkeiten dabei haben, wichtige von unwichtigen Inhalten zu unterscheiden.

Auf der anderen Seite fördert der mäßige Gebrauch von Smartphones die Verarbeitung optischer Eindrücke. Studien haben außerdem ergeben, dass Gesundheitsapps wie beispielsweise Lifesum Nutzer dabei unterstützen können, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Der Effekt beruht dabei auf der Möglichkeit der Selbstkontrolle, die solche Programme bieten: So sind Diäten auch erfolgreicher, wenn man sich regelmäßig wiegt.

Hamburg, 30. Dezember 2014

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.