Wie sich unsere Zähne selbst heilen

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Wie sich unsere Zähne selbst heilen
  2. 2. Tipps für gesunde Zähne
  3. 3. So verhindern Sie Zahnschäden durch Medikamente

Sie sind normalerweise hart im Nehmen, leisten tagtäglich Schwerstarbeit für uns – doch angesichts von Karies und Parodontitis werden unsere Zähne butterweich – oder? Aktuelle Forschungen zeigen, was wir alles tun können, um Zähne und Zahnfleisch zur Selbsterneuerung anzuregen.

Frau mit gesunden Zähnen
Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher fieberhaft daran, die in jedem von uns schlummernde Selbstheilungskraft der Zähne gezielt zu aktivieren © iStock
 

Zähne sind ein lebendiges Organ

Unsere Zähne können sich nicht selbst heilen – so lautet zumindest die landläufige Meinung. Aber stimmt das wirklich? Unsere Zähne sind nämlich keineswegs nur tote Materie, sondern ein sehr lebendiges Organ. Das ganze Leben lang finden vor allem auf der Zahnoberfläche ganz natürliche Selbstheilungsprozesse statt. Tagtäglich nimmt sich der Zahn aus dem Speichel und unserer Nahrung die benötigten Mineralstoffe, um kleine Schäden zu reparieren.

 

Können die Selbstheilungskräfte der Zähne aktiviert werden?

Doch zu viel Zucker, säurehaltige Kost, Bakterien oder mangelnde Mundhygiene bringen diesen Mechanismus aus der Balance. Die Zähne geraten an den Punkt, an dem Selbstheilung nicht mehr ausreichend funktioniert. Das Drama nimmt seinen Lauf: die Defekte werden gravierender, Löcher fressen sich immer tiefer in den Zahn… Damit es nicht so weit kommt, arbeiten Forscher schon seit Jahrzehnten fieberhaft daran, die in jedem von uns schlummernde Selbstheilungskraft der Zähne gezielt zu aktivieren. Wir haben einmal bei Dr. Diana Svoboda, Fachärztin für Zahnheilkunde und ärztliche Leiterin der diPura Fachklinik für natürliche Zahnästhetik und Implantologie in Essen nachgefragt, was es damit auf sich hat.

 

Dr. Svoboda, können unsere Zähne sich tatsächlich selbst heilen?

Dr. Svoboda: „Ja, unsere Zähne können sich in gewisser Weise tatsächlich selbst heilen – allerdings ist das nur bei ganz minimalen Läsionen im Zahnschmelz möglich. Es darf noch kein Loch im Zahn vorhanden sein. Die Läsionen sind vergleichbar mit einem kleinen Kratzer in der Haut. Mithilfe von Fluoridzahnpasta und über unseren Speichel ist der betroffene Zahn in der Lage, sich selbstständig zu regenerieren. Der Zahnmediziner spricht in diesem Fall von einer Remineralisierung des Zahnschmelzes.“

 

Wie können wir die Selbstheilung unserer Zähne über unsere Ernährung fördern?

Dr. Svoboda: „Lebensmittel, die geschädigten Zähnen zur Selbstheilung verhelfen, gibt es leider nicht. Aber es gibt Lebensmittel, die unsere Zähne stärken und sogar vor kariesauslösenden Säureangriffen schützen können. Käse und andere Milchprodukte enthalten beispielsweise viel Kalzium, das vor Demineralisierung, also dem Verlust von Zahnsubstanz, schützt. Das in diesen Produkten enthaltene Fett legt sich außerdem wie ein Film auf die Zahnoberfläche und wirkt wie ein Schutzmantel gegen Säureangriffe. Auch härtere Vollkornprodukte tun den Zähnen gut. Sie regen zum Kauen an, wodurch der Speichelfluss aktiviert und Säuren neutralisiert werden. Gleiches gilt für kalzium- und fluoridhaltige Hülsenfrüchte sowie Mineralwasser.“

Professionelle Zahnreinigung
Mit einer regelmäßigen professionellen Zahnreinigung beim Profi, also mindestens einmal im Jahr, können Sie einer Parodontitis effektiv vorbeugen© iStock
 

Welche Rolle spielt der Vitaminhaushalt?

Dr. Svoboda: „Zahlreiche, schon ältere Studien belegen, dass besonders Vitamin D schon im Kindesalter für einen starken Zahnaufbau sorgen kann, sodass im besten Fall erst gar keine Karies entsteht. Wenn wir über unsere Nahrung viele Vitamin D-haltige Lebensmittel aufnehmen, zum Beispiel über fetten Fisch, Eier oder Pilze, tun wir unseren Zähnen durchaus etwas Gutes. Noch wirksamer als über die Nahrung funktioniert die Vitamin D-Aufnahme aber über das Sonnenlicht. UVB-Strahlung aktiviert die körpereigene Produktion des Vitamins. Dieses regt wiederum unsere Immunabwehr an, was zur Folge hat, dass unser Körper Kariesbakterien besser bekämpfen kann. Derzeit werden Studien durchgeführt, wie sehr sich ein beispielsweise 30-minütiges Sonnenbad am Tag – auch vor einer UVB-Lampe – auf unsere Zahngesundheit auswirken kann. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass dies in Sachen Kariesprophylaxe wirkungsvoller ist als beispielsweise stark fluoridhaltiges Trinkwasser zu sich zu nehmen.“

 

Gibt es Hausmittel, die die Zahnheilung unterstützen können?

Dr. Svoboda: „Man stößt im Internet auf die verschiedensten Hausmittel. Ganz vorne mit dabei sind Pasten aus Knoblauch, Süßholz oder Muskatnuss, die mit Wasser angerührt werden und, auf die Zähne aufgetragen, Karies heilen sollen. Generell gilt aber: Ist der Zahn erst einmal geschädigt, kann nur noch der Zahnmediziner helfen. Selbstbehandlungen müssten über Wochen hinweg durchgeführt werden, sind unangenehm und können dennoch keine Heilung versprechen. Der Zahnarzt hingegen kann meist schnell helfen und bewahrt daher vor langfristigen Zahnschmerzen und Krankheiten. Hat man akute Entzündungen im Mund, kann man kurzfristig Abhilfe mit Spülungen aus ungesüßtem Kamillen- oder Salbeitee schaffen, denn dieser wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend. Das ist allerdings nur eine Übergangslösung bis zum nächsten Zahnarzttermin.“

 

Wie kann ich Zahnfleisch zum Wachstum anregen, wenn ich freiliegende Zahnhälse habe?

Dr. Svoboda: „Ist das Zahnfleisch einmal zurückgegangen, haben sich also sogenannte Rezessionen gebildet, kann dies leider nicht wieder rückgängig gemacht werden. In der Regel sind die dadurch freiliegenden Zahnhälse sehr sensibel und schmerzempfindlich. Durch eine falsche Zahnputztechnik droht die Gefahr, Zahnsubstanz an den Zahnhälsen abzutragen, wodurch sich diese Beschwerden noch weiter verstärken können. Betroffene sollten in jedem Fall ihren Zahnarzt aufsuchen, um die Sensibilitäten einzudämmen und entsprechende Zahnputztechniken kennenzulernen. Übrigens: Zahnfleischrückgang muss nicht zwingend mit einer Erkrankung an Parodontitis zusammenhängen. Die genauen Ursachen wird der Zahnarzt in seiner Untersuchung abklären.“

 

Was bewirkt das Fluorid in Zahncremes?

Dr. Svoboda: „Fluoride sind die Bausteine unseres Zahnschmelzes und fördern seinen Aufbau. Sie führen Mineralien zu, die ihm zuvor durch bestimmte Einflüsse entzogen worden sind. Der Zahnschmelz wird geschützt und gehärtet. Längere Zeit hat sich der Mythos gehalten, dass das Fluorid in Zahncremes giftig sei. Das ist allerdings nicht für die Mengen zutreffend, die wir beim Zähneputzen aufnehmen. Stattdessen ist es sogar förderlich für die Zahngesundheit. Für die optimale Schutzwirkung des Fluorids sollte nach dem Putzen die Zahnpasta nur ausgespuckt, nicht ausgespült werden. So bleibt das Fluorid länger am Zahn und kann besser einwirken, der Zahnschmelz wird besser geschützt.“

Rohkost
Der Verzehr von Rohkost ist für die Zähne besonders gut, da ordentlich gekaut werden muss. Das stärkt den Kiefer und zusätzlich wird das Zahnfleisch massiert© iStock
 

Was kann ich tun, wenn ich anfällig für Parodontitis bin?

Dr. Svoboda: „Parodontitis, also die entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen vor allem eine unzureichende häusliche Zahnpflege, bestimmte Bakterienarten im Mundraum, genetische Veranlagung oder auch allgemeine Erkrankungen. Die regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Profi ist das A und O, um sich effektiv vor einer Parodontitis zu schützen. Man sollte diese Behandlung alle drei Monate durchführen lassen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt, der auch einen Parodontitis-Schnelltest durchführen kann, sowie eine sorgsame häusliche Zahnpflege runden die Parodontitis-Vorbeugung ab. Zudem gibt es Forschungsansätze, die belegen, dass auch die Ernährung eine wichtige Rolle spielt. Die Aufnahme von Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen kann Zähne, Zahnfleisch und Kieferknochen gezielt stärken und somit einer Parodontitis vorbeugen. Besonders frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte enthalten wertvolle Vitamine und Mineralstoffe wie beispielsweise zahnstärkendes Kalzium.“

 

Macht es Sinn, oft Hartes wie Rohkost zu essen, wenn man zu Karies neigt?

Dr. Svoboda: „Rohkost muss ordentlich gekaut werden. Das tut den Zähnen gut, denn es stärkt den Kiefer und zusätzlich wird das Zahnfleisch massiert. Zudem wird der Speichelfluss angeregt, was gut für die Remineralisierung des wichtigen Zahnschmelzes ist. Generell ist eine gesunde Ernährung auch für unsere Zähne förderlich. Rohkost in den täglichen Speiseplan einzubauen ist also sinnvoll, um Karies und anderen Zahnerkrankungen vorzubeugen. Aber auch sie kann leider keine Erkrankungen heilen.“

Tipps für gesunde Zähne
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