Wie sich Stress auf das Herz auswirkt

Stress schwächt das Herz
Stress schadet dem Herzen: Die Ausschüttung von Stresshormonen und der Anstieg des Blutdrucks begünstigen Erkrankungen wie eine Arteriosklerose © Fotolia

Voll im Stress: Wie wirkt sich das auf mein Herz aus? Wann wird es gefährlich? Und wie kann ich etwa eine Herzinsuffizienz verhindern? Neue Erkenntnisse zu einem Thema, das fast jeden Erwachsenen betrifft. Und manchmal sogar schon Kinder.

Es ist 7.30 Uhr morgens und Tim Haffner (40) ist mit den Nerven am Anschlag: Seine 13-jährige Tochter weigert sich zum zweiten Mal in dieser Woche, aufzustehen und zur Schule zu gehen. Stattdessen schreit sie die jüngere Schwester an, die zu weinen beginnt. Seine Frau tobt. Er selber muss in 30 Minuten im Büro sein und hat einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag vor sich. Voll im Stress – was passiert jetzt eigentlich in Tim Haffners Körper?

Sein Herzschlag steigt auf etwa 140 Schläge pro Minute an, der Blutdruck auf 160/120. Die Atmung wird schneller und flacher, die Bronchien erweitern sich. Die Muskulatur spannt sich an. Die Hautspannung nimmt zu. Die auf den Nieren aufsitzenden Drüsen schütten die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus. Über das sympathische Nervensystem wird das Hormon Noradrenalin freigesetzt. Und ganz tief in den Körperzellen wird ein Protein aktiviert, das Entzündungen und Abbauprozesse auslöst.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die gefäßverändernde Arteriosklerose von Beginn an auf entzündliche Prozesse zurückzuführen ist. Erst wenn Entzündungszellen die sensible Innenhaut der Herzkranzgefäße beschädigen, können Blutfette andocken. Nach und nach verkleben sie in der Gefäßwand zu einer Plaque, die im schlimmsten Fall irgendwann aufreißt, sich verklumpt und ein Gefäß verstopft: Infarkt!

Ein Pärchen hat sich nach einem Streit voneinander abgewendet
Stressfaktoren wie ein Ehekrach verdreifachen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden© Fotolia
 

Stress: Eine der größten Gefahren für das Wohlergehen

Ab und zu Stress – und schon leiden die Gefäße? Ganz so ist es nicht. Aber wenn Belastungen zu lange, zu oft, zu heftig wirken, gerät die hormonelle Regulation aus dem Takt. Ärzte stellten fest, dass bei Dauergestressten der Cortisolspiegel ständig erhöht ist – so wird Stress zum Herzfeind Nummer eins.

Stress: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft ihn als eine der größten Gefahren für das menschliche Wohlergehen ein. Weltweit. Der Kardiologe Salim Yusuf untersuchte 15.000 Herzpatienten in 52 Nationen. Er konnte mindestens 40 gravierende Stressfaktoren ausmachen, die das Herzinfarktrisiko verdreifachen, allen voran Termindruck, Geldsorgen, Angst vor Arbeitslosigkeit, Ehekrach und Erziehungsprobleme.

 

Ginkgo gegen Arteriosklerose

Erstmals glauben Forscher, nun die Arteriosklerose frühzeitig behandeln zu können, nicht nur Spätfolgen wie Herzschwäche oder Infarkt. Eine Studie an der Berliner Charité belegte eindrucksvoll: Bereits gebildete arteriosklerotische Plaques können sich zurückbilden. Im Rahmen der Studie bekamen Risikopatienten einen Extrakt aus der Ginkgopflanze verabreicht. Nach zweimonatiger Therapie waren die Plaques in den Gefäßen um ein Viertel kleiner. Und: Das Risiko, neue Ablagerungen zu bilden, hatte sich um zwölf Prozent reduziert.

Darüber hinaus stand ein weiterer Gefäßrisikofaktor im Fokus der Berliner Forscher: das Lipoprotein(a). Bislang gibt es kaum Wirkstoffe, die die Konzentration des gefährlichen Lp(a) herabsetzen können, auch eine Diät bringt nichts. Aber der Wirkstoff der Ginkgopflanze konnte den Lipoproteinspiegel im Blut senken – in acht Wochen um über 23 Prozent. Neben der vorbeugenden Wirkung bei Arteriosklerose erweitert der Extrakt die Gefäße und ist damit durchblutungsfördernd.

Ein übergewichtiges Mädchen trinkt aus einem Strohhalm
Bei übergewichtigen Kindern kann sich schon vor der Pubertät eine Arteriosklerose entwickeln© Fotolia
 

Übergewichtige Kinder: Große Schäden am Herz

An zweiter Stelle der Risikofaktoren fürs Herz steht die Ernährung. Hier tragen Erwachsene nicht nur für sich selbst Verantwortung, sondern auch für ihre Kinder. Übergewichtige Jungen und Mädchen zeigen bereits vor der Pubertät erste Anzeichen einer Arteriosklerose, so das Ergebnis einer englischen Untersuchung. Ihre Gefäße sind oft im gleichen Zustand wie die eines 45-Jährigen, der seit zehn Jahren raucht, erklärt Forschungsleiter John Timberlane. Die gute Nachricht: Bei Kindern kann Arteriosklerose durch gesunde Ernährung und sportliche Aktivität rückgängig gemacht werden. Bereits nach sechs Wochen (1200-Kalorien- Diät plus 30 Minuten Sport täglich) verbessert sich die Gefäßelastizität um etwa acht Prozent.

 

Lebensretter der Zukunft: Impfung gegen hohen Blutdruck

Bluthochdruck-Impfung
Soll vor Herzinfarkten schützen: Eine Impfung, die den Blutdruck senkt© Fotolia

Fakt ist: Etwa 170.000 Deutsche, darunter immer mehr Frauen, erliegen jährlich einem Infarkt – oft aus heiterem Himmel. Fakt ist aber auch: Das Herz wird nicht von heute auf morgen krank. Dem geht ein jahrelanger Prozess voraus mit vielen Weichenstellungen.

Als wichtigste Vorsorgemaßnahme gilt in der Kardiologie die Senkung des Blutdrucks. In Deutschland verordnen Ärzte bei Werten über 140/90 mmHG Blutdrucksenker. Das ist nach Meinung von US-Ärzten zu spät. Bereits ab 130/90 sollte man einschreiten. Jeder Wert darüber ist eine unnötige Belastung fürs Herz, meint die US-Kardiologin Dr. Tina Burns. Schweizer Forscher haben jetzt einen Impfstoff gegen hohen Blutdruck entwickelt. Er wird unter die Haut gespritzt und regt das Immunsystem an, Abwehrstoffe gegen das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin II zu bilden. Folge: Sie blockieren das Hormon, der Blutdruck sinkt sofort. Der Impfstoff wirkt besonders stark in den frühen Morgenstunden. Das ist die extrem kritische Phase, in der sich Schlaganfälle und Herzinfarkte häufen.

Wer den Blutdruck auf sanfte Weise drücken möchte, kann es mit einem Tee aus Ölbaumblättern probieren. In einer neuen Studie zeigte sich, dass sich der entscheidende systolische Wert durch das tägliche Trinken von zwei Tassen Tee nach und nach regulierte auf jugendliche Top-Werte nach bereits acht Wochen. Und: Wissenschaftler der Berliner Charité stellten fest, dass Behandlungen mit UV-Licht den Ruhe- wie auch den Belastungsblutdruck deutlich senken können.

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