Wie schlimm ist es, wenn ich beim Schwimmen Wasser verschluckt habe?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Mann beim Schwimmen im Wasser
Beim Schwimmen Wasser verschluckt? Das müssen Sie beachten. © Alamy

Chlor, Salz, Viren, Algen, Bakterien – das Wasser unserer Meere, Flüsse, Seen und Badeanstalten enthält gefährliche Substanzen. Darauf sollten Sie achten...

Kaum jemand würde beim Schwimmen im Meer, See oder Swimming Pool freiwillig Wasser herunterschlucken. Doch aus Versehen passiert es häufiger, als man denkt. Gerade durch unerwartet hohe Wellen im Meer und beim Tauchen kann man unabsichtlich Wasser verschlucken. Kinder, die gerne im Wasser herumtollen, sind besonders betroffen. Doch wie gefährlich ist das verschluckte Wasser für die Gesundheit?

 

Welche Menge? Welches Wasser?

Die Antwort auf diese Frage hängt vor allem von der Art des Wassers und der Menge ab. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass nur wenige Schlücke Wasser fast nie ein Problem darstellen. Ein Brennen im Hals – besonders bei Salzwasser – und leichter Husten gehen meist schnell wieder vorbei. Doch ab wann treten Gefahren auf?

 

Im Meer

Salzwasser brennt nicht nur in der Kehle, sondern auch in den Augen, bei offenen Wunden und gereizter Haut. Da Salzwasser für den menschlichen Körper giftig ist, sollte es auf keinen Fall getrunken werden. Sobald das Wasser aufgenommen wird, entzieht es dem Körper nämlich Wasser, ein sehr starker Durst und anschwellende Gliedmaßen sind die Folge. Schuld daran ist die sogenannte Osmose. Da der Salzgehalt in den menschlichen Zellen geringer als der Salzanteil des Meerwassers ist, streben beide physikalischen Systeme einen Ausgleich an. Die Flüssigkeit menschlicher Zellen hat einen bestimmten Salzgehalt, der geringer als der des Meerwassers ist. Kommt die Zellwand mit salzigerem Wasser in Berührung, so zieht dies die Flüssigkeit aus der Zelle heraus. Das Gehirn registriert durch speziell Osmoserezeptoren sofort den veränderten osmotischen Druck und sendet das Signal zum Ausgleich: Durst. Diesem Signal sollten Sie auch folgen, wenn Sie aus Versehen Meerwasser verschluckt haben: Viel Frischwasser trinken, denn so gleichen Sie den Flüssigkeitsverlust in den Zellen sofort wieder aus. Auch das durchs Salz verursachte Brennen in der Kehle wird so gelindert.

Frau beim Schwimmen im Meer
Hat man viel Salzwasser beim Schwimmen im Meer verschluckt, hilft es, mit Frischwasser nachzuspülen.© Alamy
 

Milde Ostsee – Extremes Totes Meer

Der Salzgehalt in den Meeren ist übrigens sehr unterschiedlich. Am mildesten ist dabei die Ostsee mit gerade mal 0,3 – 1,8 Prozent Salz pro Kilogramm Wasser. Nordsee und Mittelmeer schmecken mit bis zu 3,7 Prozent schon deutlich salziger. Spitzenreiter bei den Meeren ist das Tote Meer mit 29 Prozent Salzgehalt. Wer also in Israel oder Jordanien schwimmen geht, sollte auf keinen Fall untertauchen. Auch kleinere Wunden können höllisch brennen, wenn sie mit dem hochkonzentrierten Salzwasser in Berührung kommen. Schuld daran sind nicht nur das Salz, sondern auch Mineralien. Gerät die Salzsole durch Verschlucken in die Lunge, explodieren die Lungenbläschen förmlich. Innerhalb von einer halben Stunde droht der Tod in Folge von multiplem Organversagen. Deshalb sollten Kinder im Toten Meer niemals unbeaufsichtigt schwimmen. Für unverletzte Haut hat das Wasser des Toten Meeres übrigens einen gegenteiligen Effekt: Es heilt zahlreiche Erkrankungen, wie etwa Neurodermitis und Akne.

 

Im See

Aus dem Ruderboot in den Badesee gesprungen und dabei nicht richtig aufgepasst, schon hat man eine ganze Ladung Seewasser heruntergeschluckt. Schmeckt vermutlich nicht allzu gut aber ist es auch gefährlich? Immerhin befinden sich in einem Schluck Seewasser über eine Million Bakterien. Und nicht nur das: Kleinstlebewesen wie tierisches und pflanzliches Plankton, giftige Algen wie die Blaualge und Amöben, finden sich in heimischen Gewässern. 

undefined
Seewasser schmeckt nicht, ist aber meistens völlig ungefährlich.© Alamy

Stark gesundheitsgefährdend ist zum Glück keiner der Seebewohner. Unangenehm können sie trotzdem werden, aber nur für die Haut: Bestimmte Parasiten können nämlich eine sogenannte Badedermatitis verursachen. Dabei dringen die wurmähnlichen Organismen in die Haut ein, woraufhin sich kleine juckende Pusteln bilden. Beim Verschlucken von Seewasser gilt wie im Meer: Viel Frischwasser hinterhertrinken, um das Seewasser herauszuspülen. Solange sich nicht unmittelbar Durchfall oder Bauchschmerzen einstellen, muss man sich keine Sorgen machen. Ansonsten ab zum Arzt und mögliche Magen-Darm-Infektionen abklären lassen.

 

Im Schwimmbad

Auch wenn das Wasser in Swimming Pools im Vergleich mit See- und Meerwasser am klarsten und saubersten aussieht, ist hier die Gefahr, mit Keimen in Berührung zu kommen, am höchsten. Zwar tötet Chlor, das übrigens für den typischen Schwimmbad-Geruch sorgt, viele Erreger ab. Dennoch überleben viele Bakterien, Pilze und Parasiten die Chemie-Kur. Da ein Schwimmbecken erheblich kleiner als ein See oder Ozean ist, ist hier das Verhältnis von Keimen zu Menschen viel höher. Die meisten Bakterien und Parasiten kommen dabei durch das Schlucken von Wasser in den Körper. Aber auch über die Ohren, Nase oder die Genitalöffnungen ist die Aufnahme von Erregern möglich. Ebenso besteht die Gefahr, dass man Keime über die feuchte Luft einatmet.

Tauchen im Swimming Pool
Im Swimming Pool lauern Parasiten und Bakterien. Deshalb möglichst kein Pool-Wasser schlucken.© Alamy

Häufigster Erreger ist dabei der Parasit Cryptosporidium. Dieser Erreger kann Chlor, wenn es relativ niedrig dosiert ist, nicht viel anhaben. Verschluckt man Cryptosporidium-verseuchtes Poolwasser aus Versehen drohen starker Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Fieber. Gesunde Menschen erholen sich davon meist schnell wieder wieder, bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können die Symptome aber lebensbedrohlich werden. Experten raten, nach einer Durchfallerkrankung Schwimmbäder und Pools für ein paar Tage meiden. Zum einen, um andere Badbesucher vor ihren Keimen zu schützen und zum anderen, weil ein geschwächtes Immunsystem empfindlicher ist für andere Infektionskrankheiten. Diese reichen von grippeähnlichen Beschwerden, Durchfall und Übelkeit bis zu Hautausschlag, Ohreninfektionen und Fußpilz.

Hamburg, 15. August 2016

© by WhatsBroadcast

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.