Wie riecht Parkinson?

Verena Elson Medizinredakteurin
Joy Milne mit ihrem Ehemann
Joys Ehemann Les verstarb Anfang des Jahres – zu Beginn seiner Parkinson-Erkrankung bemerkte sie eine Veränderung seines Geruchs © BBC

Joy Milne (65) aus Schottland kann riechen, ob ein Patient an Parkinson leidet oder nicht. Die Entdeckung dieser Fähigkeit könnte einen Durchbruch für die Parkinson-Forschung bedeuten.

Vor über 20 Jahren bemerkte Joy Milne aus dem schottischen Perth bei ihrem Mann Les: „Sein Geruch veränderte sich, es war schwer zu beschreiben“, berichtet sie gegenüber BBC. „Es passierte nicht auf einmal. Es war sehr dezent – ein moschusartiger Geruch.“ Was Joy Milne da roch, war die Parkinson-Erkrankung ihres Mannes – davon sind Wissenschaftler inzwischen überzeugt. Sie selbst verband den Geruch erst mit der Erkrankung ihres Mannes, als sie einer Wohltätigkeitsorganisation für Parkinsonpatienten beigetreten und mit anderen Betroffenen zusammengekommen war.

Als die Schottin einen Vortrag über Parkinson an der University of Edinburgh besuchte, erwähnte sie ihre Beobachtung gegenüber dem vortragenden Wissenschaftler, Dr. Tilo Kunath. Dieser war sofort interessiert und wollte herausfinden, ob Joy Milne auch bei anderen Patienten Parkinson „erschnüffeln“ konnte.

 

Experiment: Joy Milne kann Parkinson riechen

In einem ersten Experiment machte sie den Geruchstest bei zwölf Testpersonen – sechs davon hatten Parkinson, sechs nicht. Sie roch an T-Shirts, die Probanden für einen Tag getragen hatten. Dabei lag sie scheinbar bei elf der zwölf Teilnehmer richtig, erzählt Dr. Kunath BBC: „Sie identifizierte die sechs Parkinson-Patienten, aber sie war felsenfest davon überzeugt, dass auch ein Teilnehmer der Kontrollgruppe Parkinson hatte.“ Die Mediziner waren dennoch beeindruckt von ihrer Erfolgsrate. Und acht Monate später folgte die Überraschung: Es stellte sich heraus, dass bei dem fraglichen Patienten inzwischen ebenfalls Parkinson diagnostiziert worden war.

Die Wissenschaftler beschlossen, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. In einer größer angelegten Studie mit 200 Probanden soll jetzt an Universitäten in Edinburgh, Manchester und London eingehender geprüft werden, ob Parkinson über den Geruch diagnostiziert werden kann.

 

Wie entsteht die „Duftmarke“ von Parkinson?

Doch wie kommt es zu dem speziellen Geruch von Parkinson-Patienten? Die Theorie der schottischen Wissenschaftler lautet: Die Krankheit bewirkt eine Veränderung im Hauttalg, einer öligen Substanz in der Haut, die einen Duft produziert, der nur von Menschen mit einem besonders starken Geruchssinn wahrgenommen werden kann.

Der Gedanke der Forscher: Wenn der Parkinson-Geruch von einzelnen Menschen identifiziert werden kann, ist es auch möglich, die Hautveränderungen per Testverfahren zu ermitteln. Damit wäre etwas geschaffen, wonach Mediziner seit Jahren suchen: Ein Verfahren zur Frühdiagnostik von Parkinson. Denn bisher lässt sich die Diagnose ausschließlich anhand von Symptomen wie dem für die Krankheit typischen Zittern stellen – in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein „Dufttest“ würde eine Diagnose ermöglichen, bevor sich die ersten Symptome zeigen, oder wenn Krankheitsanzeichen auftreten, die noch nicht eindeutig auf Parkinson zurückzuführen sind.

Hamburg, 22. Oktober 2015

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