Wie reagiere ich bei einer Norovirusinfektion richtig?

Dr. med. Nadine Hess

Hat das Kind Magen-Darm-Beschwerden, fällt der erste Verdacht der Eltern oft auf Noroviren. Doch wie häufig ist das Virus wirklich schuld am Infekt? Dr. Nadine Hess erklärt, warum Noroviren für die Eltern oft schlimmer sind als für den Nachwuchs.

Kinderärztin Dr. Hess
Expertin Dr. Hess: „Oft trifft das Norovirus die Erwachsenen schlimmer als die Kinder.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

In diesen Tagen kommen wieder sehr viele Kinder mit Magen-Darm-Infektionen in die Kinderarztpraxis. Mindestens jede zweite Mutter fragt: „Kann das auch „Noro“ sein?“

Mit „Noro“ sind Noroviren gemeint, die wahrscheinlich bekanntesten Erreger für Magen-Darm-Infektionen, denn über sie wird immer wieder in der Presse berichtet. Die Viren gelten als gefährlich, weil sie zu schweren Brechdurchfällen führen können und zudem höchst ansteckend sind. Sicherlich erinnert sich beinahe jeder an einen oder zwei Berichte von unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffen, weil an Bord die Hälfte der Passagiere und Besatzung an einer Norovirusinfektion leidet.

Noroviren sind Viren aus der Gruppe der Caliciviren. Sie kommen auf der ganzen Welt und in sehr vielen verschiedenen Varianten vor, so dass man leider mehrfach daran erkranken kann. Laut Robert-Koch-Institut sind sie für 30 Prozent aller Magen-Darm-Infekte bei Kindern und bei bis zu 50 Prozent der Fälle bei Erwachsenen verantwortlich. Bei Kindern ist das Norovirus nach den Rotaviren der häufigste Erreger von unangenehmen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

 

Eltern trifft es meist schlimmer als den Nachwuchs

Allerdings muss ich aus meiner Erfahrung sagen: Die Kinder erkranken oft weniger schlimm als die Eltern. Während der Nachwuchs nur an einer kurzen und oft auch gar nicht mal so heftigen Durchfallepisode leidet, sind die Erwachsenen häufig für einen bis zwei Tage völlig ausgeknockt. Denn es müssen nur wenige Viruspartikel aus dem Stuhl oder dem Erbrochenem eingeatmet werden, um sich anzustecken. Gerade bei Wickelkindern ist es für Eltern daher beinahe unmöglich, sich nicht zu infizieren, selbst, wenn man peinlichst genau auf Händehygiene achtet.

Sechs Stunden bis zweieinhalb Tage nach der Ansteckung kommt es – zumindest bei den Erwachsenen – von jetzt auf gleich zu schwallartigem Erbrechen, das sich kaum in den Griff bekommen lässt, gefolgt von ausgeprägten Durchfällen. Nach 24 bis 48 Stunden ist das Schlimmste meist überstanden. Allerdings wird das Norovirus noch mehrere Tage lang mit dem Stuhl ausgeschieden, so dass auch noch eine gewisse Zeit nach der Erkrankung auf gute Hygiene zu achten ist.

Leider kann man weder für das Kind noch für sich viel tun – das Wichtigste ist, dass der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird. Dafür eignen sich Elektrolytpulver, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Geben Sie Ihrem Kind davon schluckweise immer wieder etwas. Bitte nicht alles auf einmal, denn das wird das Kind nicht bei sich behalten können.

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Möhrensuppe ist bei einem Magen-Darm-Effekt besonders gut als Mahlzeit geeignet. Sie sollten vorsichtig testen, ob Sie die Suppe bei sich behalten können© Fotolia
 

Was kann ich bei Brechdurchfall essen?

In der schlimmsten Phase sollten Sie auf Essen verzichten, es belastet den Magen zu sehr. Ist aber schon eine bis zwei Stunden kein Erbrechen mehr zu verzeichnen gewesen und Flüssigkeit in Form von Elektrolytlösungen, Wasser oder Tee ist drin geblieben, können Sie es vorsichtig wieder mit fester Nahrung versuchen. Am besten mit trockenem Brot, Salzstangen oder in Salzwasser gekochten und pürierten Möhren.  Auch sehr hilfreich gegen den möglicherweise noch länger andauernden Durchfall ist die Möhrensuppe nach Moro. Dabei handelt es sich um ein nach dem Kinderarzt Ernst Moro benanntes Rezept. Kochen Sie dafür 500 Gramm geschälte Karotten mit einem Liter Wasser für eine Stunde auf und pürieren Sie sie anschließend. Der Brei wird erneut mit einem Liter Wasser aufgefüllt und mit drei Gramm Kochsalz gewürzt. Diese Suppe sollten Patienten mit Magen-Darm-Infekt mehrfach täglich in kleinen Portionen verzehren.

Alle Eltern haben Angst vor den Noroviren, dabei gibt es noch einige andere Erreger, die Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern auslösen können: Adeno-, Astro- oder Rotaviren beispielsweise. Auch Campylobacter oder Salmonellen können mal verantwortlich sein, wenngleich auch viel seltener. Insgesamt muss man sagen, dass bei Kindern viele Infekte für Beschwerden im Bauchbereich sorgen können. Wir Erwachsene bekommen nur Schnupfen oder ein bisschen Halsweh, die Kleinen kriegen aber nicht nur das, sondern noch Erbrechen oder Durchfall dazu.

 

 

 

 

Am meisten hilft Geduld

Meistens ist wie gesagt nach wenigen Stunden das Schlimmste überstanden und mit viel Flüssigkeit und Geduld kriegt man in der Regel schnell wieder die Kurve. Wenn Ihr Kind aber über mehrere Stunden nicht aufhört zu erbrechen, gar nichts bei sich behalten kann, ganz schlapp wird und Ihnen nicht mehr gefällt, suchen Sie einen Kinderarzt auf. Manchmal ist leider eine Infusionsbehandlung im Krankenhaus unvermeidlich, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Ihr Kinderarzt wird Ihnen sagen, ob das nötig ist oder Sie weiter zu Hause versuchen können, den Nachwuchs wieder aufzupäppeln.

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