Wie Omega-3 bei Corona das Sterberisiko senkt

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Ein hoher Omega-3-Spiegel im Blut könnte bei einer Corona-Infektion tatsächlich das Sterberisiko senken. Das fanden amerikanische Forscher heraus. Warum diese Fettsäure eine besondere Rolle bei der Bekämpfung von COVID-19 haben könnte? Die Fakten und alles Wissenswerte über Omega-3!

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Inhalt
  1. Corona-Studie: Omega-3 verhindert Todesfälle
  2. Wie senkt Omega-3 den Zytokinsturm?
  3. Omega-3 richtig ergänzen
  4. Omega-3-Kapseln: welche und wie einnehmen?

Wie kann eine Fettsäure wie Omega-3 das Corona-Sterberisiko vermindern und Komplikationen vermeiden? Omega-3-Fettsäuren spielen in der Ernährung eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Blutgefäße, des Gehirns und des Herzens. Der Organismus kann diese Fettsäuren nicht selbst herstellen, sie müssen über die Nahrung zugeführt werden. Fetter Seefisch, Samen, Nüsse und Öle enthalten Omega-3.

Eine aktuelle Studie des Cedars-Sinai Medical Centers in Los Angeles liefert überraschende Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen einem hohen Omega-3-Index im Blut und dem COVID-19-Sterberisiko. 

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Corona-Studie: Omega-3 verhindert Todesfälle

Das Forscherteam bestimmte bei der Krankenhausaufnahme von 100 COVID-19-Patienten den Omega-3-Index und beobachtete deren Krankheitsverlauf. 75 Patienten wiesen einen niedrigen Index mit weniger als 5,7% auf, 25 Betroffene hatten einen hohen Spiegel mit über 5,7%. Zum Ende der stationären Behandlung waren 13 Patienten aus der Gruppe mit dem niedrigen Omega-3-Wert verstorben. Aus der anderen Beobachtungsgruppe erlag nur ein Patient der COVID-19-Infektion.

Auch wenn die Studie nur mit einer kleinen Teilnehmergruppe durchgeführt wurde, sind die Erkenntnisse von hohem Wert. Gerade Länder mit einem niedrigen durchschnittlichen Omega-3-Index wie Großbritannien, USA oder Brasilien haben besonders unter der Corona-Pandemie zu leiden. Im Gegensatz zu Ländern wie Süd-Korea, die einen hohen Omega-3 Wert aufweisen. 

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Als Grund für die Wirkung des Omega-3-Index auf die Sterblichkeit bei einer Corona-Infektion vermuten die Wissenschaftler die antientzündlichen Wirkmechanismen der Bestandteile dieser Fettsäure. Das sind EPA und DHA, die Entzündungen schneller auflösen und die gefährliche Zytokinreaktion (Zytokinsturm) bei schwer verlaufenden Corona-Infektionen verhindern können.

 

Wie senkt Omega-3 den Zytokinsturm?

Omega-3-Fettsäuren sind für den Organismus so wertvoll, dass sie nicht zu Energie verbrannt werden. Sie werden vielmehr direkt in die Zellmembranen geschleust, wo sie auf ihren Einsatz warten. Bei einer schweren SARS-CoV-2-Infektion fährt das Immunsystem alle Abwehrsysteme hoch. Botenstoffe und freie Radikale werden ausgeschüttet, um das Virus zu bekämpfen.

„Schüttet der Organismus keine oder nicht genügend antientzündliche Gewebshormone aus, droht das Immunsystem überzuschießen.“, erklärt Andreas Jopp, Bestsellerautor und Gesundheitscoach und ergänzt: „Omega-3 ist der Schlüssel, bei einem Mangel ist der Körper nicht in der Lage, den Off-Schalter des Immunsystems umzulegen. Ein Zytokinsturm kann die Folge sein, der im schlimmsten Fall zum Organversagen führen kann.“

Das Risiko für eine solche überschießende Immunantwort liegt laut Jopp 4 Mal höher, wenn der Omega-3-Index unter 5,7% liegt. Eine Zufuhr dieser essentiellen Fettsäuren lohnt sich also. 

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Omega-3 richtig ergänzen

Omega-3 ist nicht gleich Omega-3. Da diese essenzielle Fettsäure nicht vom Körper selbst hergestellt werden kann und nicht gespeichert wird, muss sie regelmäßig zugeführt werden.

Die meisten Menschen denken, dass sie keinen Mangel haben. Ein Bluttest kann Aufschluss über den Omega-3-Index geben. Theoretisch kann jeder Arzt den Wert abnehmen. Doch laut Experte Andreas Jopp wird meist falsch gemessen. Das Omega-3 muss in den roten Blutkörperchen gemessen werden, nur dort sei der Wert zuverlässig.

Spezielle Labors wie Omegametrix, die alle großen Studien in Europa auswerten, bieten eine solche Analyse auch für Privatpersonen an. Sie messen den sogenannten HS-Omega-3-Index und spiegeln den Anteil der Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexansäure (DHA) in den wichtigen Organen wie dem Herzen wider. Ein Omega-3-Index zwischen 8 und 12 % gilt als optimal. 

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Über die Nahrung, also über den Verzehr von zum Beispiel fettreichem Lachs mindestens zweimal pro Woche, schafft es kaum ein Mensch, diesen Spiegel zu erreichen. Die Einnahme von Omega-3-Kapseln ist eine Alternative, pflanzliche Öle wie Leinöl hingegen reichen nicht aus. Sie sind nicht langkettig genug. 

 

Omega-3-Kapseln: welche und wie einnehmen?

Haben Sie schon einmal Omega-3-Kapseln genommen? Hatten Sie im Anschluss fischiges Aufstoßen? Das ist nicht nur eklig, sondern ein Zeichen für ein falsches und verdorbenes Produkt. Bei einem Test von 32 Produkten in einer neuseeländischen Studie enthielten 80% der Produkte ranzige Öle. Nur 3 Produkte waren in Ordnung.

„Omega-3 ist hochverderblich und oxidiert schnell. Das ist auch der Grund, warum Fisch so schnell schlecht wird. Billig-Produkte kommen aus Fischfarmen mit hohem Antibiotika-Einsatz und weiteren Chemikalien. Davon kann ich nur abraten!“, sagt Andreas Jopp.

Worauf müssen Sie beim Kauf achten? Die besten Tipps des Bestseller-Autors:

  • Achten Sie auf den Omega-3-Anteil. Minimum sind 300-500 mg
  • 1.000 mg Fischöl? Glauben Sie nicht daran! Das meiste ist Fischfett und nicht Omega-3
  • Omega-3 sollte unter Vakuum gepresst sein, damit es nicht oxidiert
  • Antioxidantien sollten dem Produkt beigefügt sein, um das „Ranzig-Werden“ zu stoppen
  • Gute Produkte enthalten Vitamin E oder das 40-fach stärkere Oregano-Öl 
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Wichtig bei der Einnahme der Omega-3-Kapseln sei laut Andreas Jopp, dass sie zu einer fettreichen Mahlzeit eingenommen würden. So kämen 40 % mehr der wertvollen Bestandteile in die Blutbahn.

Für Vegetarier und Veganer ist Algenöl eine Alternative zu den Fischkapseln.

Omega-3 senkt nachweislich das Risiko für Herzerkrankungen und den plötzlichen Herztod. Auch Depressionen und Stimmungsschwankungen lassen sich über einen höheren Omega-3-Index positiv beeinflussen.

Die Bestandteile EPA und DHA haben unterschiedliche Wirkorte. So wirkt EPA in erster Linie antientzündlich während DHA einen positiven Einfluss auf das Gehirn ausübt. Bei regelmäßiger Einnahme von hochwertigem Omega-3 lassen sich Blutfettwerte, die Fließeigenschaften des Blutes und der Blutdruck verbessern. Wie Omega-3 bei Corona das Sterberisiko senkt, untersuchen Wissenschaftler zurzeit in einigen Studien.

Unser Experte ist Andreas Jopp. Der Bestseller-Autor und Gesundheitscoach hat zahlreiche Bücher zu Eiweißen und Abnehmen, Vitamine und Mineralien, Fette und Gesundheit veröffentlicht. Gerade erschien sein neues Buch „On / Off Gesundheit. Den Körper neu erschaffen durch Ernährung“.

Quellen:

Blood omega-3 fatty acids and death from COVID-19: A pilot study, in: plefa.com

Andreas Jopp, On / Off Gesundheit, 2021, Consult Media Verlag, Köln

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