Wie Meersalz durch Plastik verseucht wird

Mikroplastik in Meersalz wird es künftig öfter geben
Der Fund von Mikroplastik im Meersalz wird zum globalen Problem, da die Meere weltweit mit Plastik verschmutzt sind © Fotolia

Wenn sich die Natur rächt: In einer chinesischen Studie untersuchten Forscher die Qualität von Meersalz. In den getesteten Produkten fanden sie einen erhöhten Anteil von Mikroplastik – und befürchten nun gesundheitliche Risiken.

Sie sind nur fünf Millimeter groß, können nach Meinung von Experten aber sowohl unsere Gesundheit als auch die Umwelt schädigen: Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik, gelangen durch Plastikflaschen und -tüten tonnenweise ins Meer. Nun kommt der Müll zu uns zurück: Chinesische Forscher am Institute of Estuarine haben einen erhöhten Anteil von Mikroplastik in Meersalz nachgewiesen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Onlinejournal „Environmental Science and Technology“.

 

1.200 Kunststoffteilchen pro Pfund

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler je 15 Sorten Meersalz, Siedesalz und Steinsalz aus unterschiedlichen Supermärkten in China. Mikroplastik konnte in allen Salzsorten nachgewiesen werden, der Anteil im Meersalz war jedoch am höchsten: Die Forscher fanden in den untersuchten Produkten rund 1.200 Kunststoffteilchen pro Pfund.  „Mikroplastik ist gerade aufgrund seiner geringen Größe und seiner Fähigkeit, organische Schadstoffe aufzunehmen, eine Gefahr für lebende Organismen“, so Shi Huahong, der leitende Forscher der Studie.

Zwar wurden für die Studie nur chinesische Produkte getestet, Experten glauben jedoch, dass es sich um ein globales Problem handelt. Sherri Mason, Forscher der Umweltwissenschaften an der State University of New York Fredonia: „Plastik gibt es wahrscheinlich in allen Meeren. Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man Meersalz in einem chinesischen oder amerikanischen Supermarkt kauft, wenn man nach Plastikteilchen sucht.“ Außerdem ist China der weltgrößte Salzhersteller – wird das Meersalz exportiert, sind also auch dadurch andere Länder von dem Problem betroffen.

 

Keine Leitlinie in Deutschland

Deutschland hat keine eigenen Regelungen für Salz, das Deutsche Lebensmittelbuch beruft sich lediglich auf den „Codex Alimentarius“ von 2012. In der europaweit geltenden Sammlung von Normen zur Lebensmittelsicherheit ist Salz als kristallines Produkt beschrieben, das zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid besteht. Zusätzlich sind die Höchstgrenzen für gesundheitsschädliche Stoffe wie Arsen, Kupfer oder Blei vorgeschrieben.

Meersalz ist nicht gesünder als Speisesalz
Auch wenn viele Rezepte heutzutage Meersalz verlangen – einen gesundheitlichen Nutzen haben Sie nicht davon© Fotolia
 

Meersalz ist nicht gesünder als Speisesalz

Viele Hobby-Köche schwören inzwischen auf Meersalz, weil es angeblich besser schmecken und gesünder sein soll als Speisesalz. Doch das ist ein Irrtum: Zwar stecken in Meersalz mehr Zusatzstoffe wie Kalium und Magnesium, die Mengen sind aber so minimal, dass sie für unsere Gesundheit keine Rolle spielen. Generell gilt: Je feiner ein Salz ist, desto mehr Natriumchlorid ist enthalten. Da Meersalz vergleichsweise grobkörnig ist, steckt entsprechend weniger Natriumchlorid darin. Außerdem machen gerade die Zusatzstoffe Meersalz bitterer als Speisesalz.

Ernährungsexperten empfehlen statt Meersalz aber ohnehin jodiertes Speisesalz. Gesunde Jugendliche und Erwachsene sollten täglich 180 bis 200 Mikrogramm Jod zu sich nehmen – das gelingt jedoch nur den wenigsten. Besonders häufig sind in Deutschland aber Kinder betroffen: Von ihnen leiden rund 30 Prozent an Jodmangel. Ist die Unterversorgung mit Jod dauerhaft, kann es zu Erkrankungen der Schilddrüse kommen. Jodiertes Speisesalz ist daher eine gute Möglichkeit, um einem Mangel vorzubeugen.

Hamburg, 2. November 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.