Wie mache ich meinem Kind Gemüse schmackhaft?

Dr. med. Nadine Hess

Laut einer neuen Studie soll man Kindern Gemüse, das sie nicht mögen, 15 Mal vorsetzen, damit sie lernen, es zu mögen. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, was sie von der Methode hält.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Sofern Sie keinen Druck aufbauen, spricht nichts dagegen, einem Kind testweise das ungeliebte Gemüse immer wieder zu servieren. Wenn es es dauerhaft ablehnt, sollte das aber toleriert werden“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Eltern rund um den Globus dürften das Problem kennen: Es liegt gesundes Gemüse auf dem Teller und das Kind weigert sich, es zu essen. Gutes Zureden hilft da meist nicht. Laut einer neuen Untersuchung soll ein simpler Trick Abhilfe schaffen können: Servieren Sie dem Kind das ungeliebte Gemüse wieder und wieder, nach sieben bis 15 Malen sollte laut den Forschern Salat, Brokkoli und Co. von dem Kind anstandslos verzehrt werden.

Bei einer Kooperation der BBC mit der Coventry University wurden 80 Schulkinder zwischen neun und elf Jahren für 15 Tage beobachtet. 40 von ihnen sollten täglich Grünkohl essen – ein besonders gesundes Gemüse, das die Schleimhäute und damit unsere Schutzbarriere gegen Keime stärkt. Das Problem: Sein bitterer Geschmack macht Grünkohl bei Kindern eher unbeliebt. Eine zweite Gruppe von 40 Schülern bekam nur je zum Anfang und zum Ende Grünkohl vorgesetzt und sollte dann zum Vergleich täglich Rosinen essen.

 

Kinder akzeptierten den Grünkohl von Tag zu Tag mehr

Das überraschende Ergebnis: Der Großteil der Kinder aß nach dem Experiment den Grünkohl auf dem Teller, ohne sich zu beschweren. Zwar gehörte das Gemüse nach wie vor nicht zu den Lieblingsspeisen der Kinder, aber sie waren bereit, es zu essen, wenn es ihnen serviert wurde. In der Kontrollgruppe gab es keine Anzeichen, dass die Kinder Grünkohl mehr oder weniger mochten als zum Start des Experiments. Andere Studien zeigten bereits nach siebenmaliger Gabe eines Lebensmittels eine Toleranz. Die Forscher schließen daraus, dass man Kinder darauf trainieren kann, bestimmte Dinge zu essen. Den Effekt führen sie darauf zurück, dass mehrere Faktoren bestimmen, ob wir einen Geschmack mögen. Nämlich ein kompliziertes Zusammenspiel aus Geschmack, Geruch und der Einschätzung des Gehirns, ob das Lebensmittel überhaupt als essbar und ungefährlich eingestuft werden kann.

Grünkohl
Grünkohl ist extrem nährstoffreich: Er enthält unter anderem jede Menge Vitamin A, C und K sowie Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium© iStock

Ich denke, die Methode der Studie kann bedenkenlos ausprobiert werden. Natürlich sollte man kein Kind zum Essen zwingen – es kommt hier vor allem darauf an, dass man das Lebensmittel freundlich und ohne Druck aufzubauen anbietet. Stellen Sie dem Kind den Teller hin und sagen Sie beispielsweise: „Du sollst nur probieren, wenn es dir nicht schmeckt, darfst du es liegen lassen“, oder Ähnliches. Dann spricht nichts dagegen, dem Kind das Essen immer mal wieder zu servieren und zu schauen, wie es darauf reagiert. Lehnt das Kind das Gemüse aber auch nach vielen Versuchen weiter ab, sollte man das hinnehmen.

 

Super-Taster und Non-Taster

Übrigens wurden die wenigen Kinder aus der ersten Gruppe, die das Gemüse in der Untersuchung nach wie vor verweigerten, als sogenannte Super-Taster identifiziert. Etwa ein Viertel aller Menschen gehören zu dieser Gruppe Menschen, die Bitterstoffe als extrem bitter empfinden. Ein zweites Viertel der Menschen gehört zu den sogenannten Non-Tastern, die Bitterstoffe gar nicht wahrnehmen und die übrige Hälfte empfindet sie als etwas bitter.

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