Wie lernt mein Kind den Pinzettengriff?

Redaktion PraxisVITA

Der Pinzettengriff ist elementar für die Entwicklung des Kindes. Doch wie und ab welchem Alter beherrschen Babys diesen?

Babyhand mit Schnuller
Der Pinzettengriff ist wichtig für die Entwicklung des Babys Foto:  istock/fotoduets
Inhalt
  1. Das Greifen mit dem Pinzettengriff
  2. Ab welchem Alter beherrscht ein Baby den Pinzettengriff?
  3. Wie entwickelt sich der Pinzettengriff?
  4. Die Entwicklungsstufen bis zum kontrollierten Pinzettengriffs des Babys
 

Das Greifen mit dem Pinzettengriff

Das Greifen und Festhalten von Gegenständen ist für Erwachsene selbstverständlich. Diesen komplexen Vorgang muss der Mensch jedoch erst lernen. Ein wichtiger Schritt in der feinmotorischen Entwicklung ist der Pinzettengriff. Hat das Baby ihn erlernt, kann es kleine Gegenstände gezielt greifen.

Der Pinzettengriff heißt so, weil er an die Funktion einer Pinzette erinnert: Ärzte verstehen darunter die Fähigkeit, einen Gegenstand mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger zu fassen. Mit dem Pinzettengriff erweitert sich der Handlungsspielraum des Babys deutlich. Gegenstände jeder Art werden jetzt ausgiebig untersucht – egal, ob es sich dabei um Staubflusen, Bindfäden oder kleine Spielsteine handelt.

 

Ab welchem Alter beherrscht ein Baby den Pinzettengriff?

Ein Baby ist etwa im Alter von etwa neun bis elf Monaten in der Lage, den Pinzettengriff auszuführen. Diese Zeitangabe ist jedoch nur ein Richtwert. Manche Babys beherrschen den Pinzettengriff früher, bei anderen dauert es etwas länger.

Wenn das Baby am ersten Geburtstag noch nicht perfekt greifen kann, ist das daher kein Grund zur Sorge. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) wird der Kinderarzt prüfen, ob das Baby den Pinzettengriff beherrscht. In der Regel ist dies in der sechsten Vorsorgeuntersuchung (U6) der Fall, wenn sich das Kind im zehnten bis zwölften Lebensmonat befindet. Stellt der Arzt eine Entwicklungsverzögerung fest, wird er gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlassen, um zum Beispiel eine neurologische Störung auszuschließen.

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Wie entwickelt sich der Pinzettengriff?

Kaum ist das Kind auf der Welt, kann es bereits den Finger der Mutter oder des Vaters umklammern. Diese Art des Greifens ist allerdings kein erlernter Mechanismus, sondern ein angeborener Reflex. Er wird ausgelöst, sobald die Handinnenfläche des Babys berührt wird. Im Laufe der nächsten Lebensmonate bildet sich dieser Reflex zurück – und das willentliche Greifen tritt zunehmend in den Vordergrund.

 

Die Entwicklungsstufen bis zum kontrollierten Pinzettengriffs des Babys

In den ersten Wochen ist allein der Reflex zu beobachten. Gezielt greifen kann das Baby nicht.
Mit etwa vier bis fünf Monaten ist ein Baby in der Lage, mit der ganzen Hand nach einem Gegenstand zu greifen und diesen mit beiden Händen kurz zu halten. Der Greifreflex nimmt langsam ab.
Mit etwa einem halben Jahr kann das Baby Spielzeug packen und in einer Hand halten. Außerdem ist es in der Lage, den Gegenstand von einer Hand in die andere zu legen und ihn zu drehen.
Mit etwa sieben bis acht Monaten erlernt das Baby eine Vorstufe des Pinzettengriffs: den Scherengriff. Es kann nun kleine Gegenstände zwischen den unteren Teilen von Daumen und Zeigefinger greifen und halten – zum Beispiel eine Schnur. Aus dem Scherengriff entwickelt sich schließlich der Pinzettengriff. Nun greift das Baby so geschickt, dass die Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger kleinste Gegenstände fassen können, zum Beispiel Krümel.

Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in: kindergesundheit-info.de
  • Görtner, L. & Meyer, S. (2018): Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart
  • Largo, R. (2016): Babyjahre. Piper, München
  • Lohaus, A., Vierhaus, M. (2013): Entwicklungspsychologie. Springer, Berlin
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