Wie Leinöl Kinder zahm macht

Verena Elson Medizinredakteurin
Leinöl enthält fast 20 mal mehr Omega-3-Fettsäuren (59 g/100 g) als die reichhaltigsten Fischsorten wie Lachs oder Thunfisch (bis zu 3 g/100 g)
Leinöl enthält fast 20-mal mehr Omega-3-Fettsäuren (59 g/100 g) als die reichhaltigsten Fischsorten wie Lachs oder Thunfisch (bis zu 3 g/100 g) Foto:  Halfpoint/iStock

Wenn Kinder ein auffällig aggressives Verhalten an den Tag legen, kann eine Vielzahl von Ursachen dahinterstecken. Doch unter Umständen führt bereits eine kleine Umstellung in der Ernährung zu einer deutlichen Verhaltensänderung.

Ist besonders aggressives Verhalten bei Kindern in sozialen Faktoren begründet oder gibt es dafür körperliche Ursachen? „Es ist natürlich beides“, sagt Jill Portnoy. „Biologie und soziales Umfeld interagieren in einer komplexen Weise miteinander, die wir gerade erst zu verstehen beginnen.“

Gemeinsam mit ihrem Team an der University of Massachusetts Lowell erforscht Portnoy den Einfluss, den bestimmte Ernährungsweisen auf das Verhalten von Kindern haben können. In ihrer aktuellen Untersuchung beschäftigte sie sich mit Omega-3-Fettsäuren – denn diese sind wichtige Bausteine in der Entwicklung des Gehirns, das zu 97 Prozent aus Fettsäuren besteht.

 

Tägliche Omega-3-Fettsäuren machen Kinder „friedlicher“

Die US-Forscher gaben verhaltensauffälligen Kindern täglich entweder einen Omega-3-Fettsäuren enthaltenden Fruchtdrink oder das gleiche Getränk ohne zugesetzte Omega-3-Fettsäuren. Weder die Kinder und ihre Eltern noch die Forscher wussten, welches Kind welches Getränk bekam.  

Nach sechs Monaten berichteten die Eltern oder Betreuer der Kinder in der Omega-3-Gruppe von einem deutlichen Rückgang des aggressiven Verhaltens. Das hatte Auswirkungen auf das gesamte Familienleben: Auch die Eltern stritten sich seltener und verhielten sich weniger aggressiv.

Bereits frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die tägliche Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren Kinder „friedlicher“ stimmt. So konnte eine 2016 veröffentlichte Studie einen entsprechenden Effekt bereits nach drei Monaten belegen. Allerdings zeigte diese Studie auch, dass die Fettsäuren dauerhaft eingenommen werden müssen, um nachhaltig zu wirken: Bei diesem Experiment bekamen die Kinder sie nur für sechs Monate – danach stellte sich ihr ursprüngliches aggressives Verhalten wieder ein.

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Wie kann man Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung aufnehmen?

Leinöl gilt als einer der besten Lieferanten von Omega-3-Fettsäuren. Ein Esslöffel Leinöl enthält bereits deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren als der in der Studie verwendete Fruchtdrink – und lässt sich ganz einfach in den täglichen Speiseplan integrieren: z.B. in Salatdressings oder einem Müsli mit Quark und Leinöl.

Quellen:
Portnoy, Jill, et al. (2018): Reductions of intimate partner violence resulting from supplementing children with omega‐3 fatty acids: A randomized, double‐blind, placebo‐controlled, stratified, parallel‐group trial, in: Aggressive behavior.

Raine, Adrian, et al. (2016): Nutritional supplementation to reduce child aggression: a randomized, stratified, single‐blind, factorial trial, in: Journal of child psychology and psychiatry.

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