Wie kann ich meinem Kind beim Abnehmen helfen?

Dr. med. Nadine Heß

Jedes fünfte deutsche Kind ist zu dick – und viele dieser Kinder tragen ihr Übergewicht auch als Erwachsene noch mit sich herum. Wie man als Elternteil ein dickes Kind zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung motivieren kann, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess. „Damit ein zu dickes Kind erfolgreich abnehmen kann, sollte die ganze Familie die Ernährung umstellen.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Hat Ihnen auch schon einmal gesagt, Ihr Kind sei für sein Alter recht pummelig? Und haben Sie sich antworten hören: Das ist nur Babyspeck, der verwächst sich noch? Viele Eltern fühlen sich sofort angegriffen, wenn andere Leute sie darauf aufmerksam machen, dass sie ein augenscheinlich zu dickes Kind haben. Dabei sollten die Interessen des übergewichtigen Nachwuchses im Vordergrund stehen – denn viele dicke Kinder werden auch zu dicken Erwachsenen, wenn das Gewichtsproblem nicht frühzeitig angegangen wird. Und dieses Übergewicht kann im schlimmsten Fall später Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen.

Wenn Sie unsicher sind, ob ihr Kind wirklich nur noch etwas Babyspeck hat oder schlichtweg zu dick ist, sollten Sie das beim Kinderarzt ansprechen. Vielleicht steckt eine ernsthafte Erkrankung hinter dem Übergewicht. Oder es besteht sogar ganz im Gegenteil die Chance, dass der überflüssige Speck durch den nächsten Wachstumsschub von alleine verschwindet. Ist das nicht der Fall, kann der Arzt in Absprache mit Ihnen einen gesunden Ernährungsplan ausarbeiten.

 

Ein dickes Kind muss motiviert werden

Dann sind Sie als Eltern gefragt: Die richtige Motivation ist für ein zu dickes Kind extrem wichtig, um erfolgreich abzunehmen. Erklären Sie Ihrem Kind anschaulich, zu welchen Problemen Übergewicht führen kann – vermeiden Sie es dabei aber, diese Probleme als Druckmittel zu verwenden. Das kann dazu führen, dass der Nachwuchs sich zurückzieht und aus Trotz sogar noch mehr isst. Helfen kann in diesem Fall der Kontakt zu anderen Kindern mit Gewichtsproblemen, denen sich der Nachwuchs mit seinen Sorgen anvertrauen kann.

 

Kleine Veränderungen bringen oft schon große Erfolge

Sie müssen nicht von heute auf morgen die komplette Ernährung umstellen: Oft hilft es bereits, nach und nach einzelne Veränderungen einzuführen. Starten Sie am besten damit, süße Getränke vom Speiseplan zu streichen. Statt Säften und Cola sollte das Kind vor allem viel Wasser trinken, zu den Mahlzeiten eignen sich auch kalorienarme Fruchtschorlen. Nach dieser Umstellung können Sie damit anfangen, Weißmehlprodukte mit der Vollkornvariante auszutauschen. Verzichten Sie außerdem auf Fertigprodukte. Grenzen sind vor allem im Bereich Süßigkeiten wichtig: Erlauben Sie Ihrem Nachwuchs beispielsweise nur einmal pro Woche eine Hand voll Gummibärchen oder ein süßes Getränk. So lernt das Kind, dass diese Speisen und Getränke keine Sattmacher sind, sondern etwas Besonderes.

Kind blickt auf Süßigkeiten
Sie brauchen Süßigkeiten nicht vollständig vom Speiseplan zu streichen. Führen Sie aber feste Regeln ein, wann das Kind etwas Süßes essen darf – eine Hand voll Gummibärchen reicht!© Fotolia

Generell gilt: Ziehen Sie als Familie an einem Strang. Ein zu dickes Kind wird nicht einsehen, warum es sich gesund ernähren soll, wenn Vater und Mutter abends beim Fernsehen in die Chipstüte greifen. Gehen Sie also mit gutem Beispiel voran und setzen Sie die Ernährungsumstellung gemeinsam um. Kochen Sie mit dem Kind und nehmen Sie die Mahlzeiten zusammen ein – Essen bekommt so eine neue, besondere Bedeutung für das Kind.

 

Der richtige Sport für ein dickes Kind

Genauso wichtig wie die Ernährung ist für eine erfolgreiche Abnehme die Bewegung. Auch hier können bereits kleine Veränderungen helfen: Ist das Kind beispielsweise bisher immer mit dem Bus zur Schule gefahren, könnte es künftig das Rad nehmen. Fragen Sie den Nachwuchs außerdem, ob Interesse an einer bestimmten Sportart besteht. Einige übergewichtige Kinder scheuen Teamsportarten, weil Sie Angst haben, gehänselt zu werden. Gibt es trotzdem Interesse an Fußball, Basketball oder ähnlichen Teamsportarten, sprechen Sie mit dem Trainer und vereinbaren Sie ein gemeinsames Probetraining. Ihr Kind wird so schnell merken, ob es sich in der Gruppe gut aufgenommen und wohlfühlt.

Wenn der kleine Patient unsicher ist, welcher Sport infrage kommt, lassen Sie ihn einige austesten. Letztendlich ist die Chance, dass das Kind motiviert bleibt, dann am höchsten, wenn es sich auch wirklich für die jeweilige Sportart begeistert.

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