Pflege-Finanzierung Wie hoch sind die Pflegeheim-Kosten?

Stephanie Pingel
Pflegeheim-Kosten
Die Pflegeheim-Kosten sollten genau ermittelt werden, ehe man sich für ein entsprechendes Heim entscheidet © wutwhanfoto/iStock

Wenn unsere Lieben allein zuhause nicht zurechtkommen und Pflege daheim nicht oder nicht mehr möglich ist, wird es Zeit, über einen Umzug in ein Pflegeheim nachzudenken. Wir erklären, wie hoch die Pflegeheim-Kosten sind und was Sie alles beachten sollten.

Bevor man sich mit Pflegeheim-Kosten auseinandersetzt, wird geprüft, ob der betroffene Angehörige Anspruch auf Pflegeleistungen hat. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen überprüft die Hilfebedürftigkeit persönlich vor Ort und teilt einen sogenannten Pflegegrad zu. Anschließend können Leistungen über die Krankenkasse beantragt werden. Über den Grad muss innerhalb von insgesamt fünf Wochen entschieden werden.

 

Wie hoch sind die Pflegeheim-Kosten?

Pflegeheim-Kosten
In den Pflegeheim-Kosten sind Posten wie Wäsche- und Putzdienste enthalten © CasarsaGuru/iStock

Mehrere Komponenten fließen in die Pflegeheim-Kosten ein. Dazu zählen die Pflege generell, die Zimmermiete, Verpflegung und die sogenannten Investitionskosten. Darunter versteht man Zuschläge wie beispielsweise Instandhaltungskosten oder benötigte Zusatzleistungen wie Versorgungsartikel bei Inkontinenz. Zusammen können diese Posten monatlich je nach Pflegeheim rund 1.500 Euro kosten – sofern ein anerkannter Pflegegrad vorliegt. Die Pflegeversicherung übernimmt dann einen Teil dieser Kosten:

  • Pflegegrad 1: 125 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro

Kann der Pflegebedürftige die monatlichen Pflegeheim-Kosten nicht durch seine Rente und eigenes Vermögen selbst aufbringen, greift der sogenannte Elternunterhalt – allerdings haften die Kinder nur bis zur Selbsterhaltungsgrenze. Hat der Unterhaltspflichtige beispielsweise einen Ehepartner und ein Kind, stehen ihm monatlich mindestens 3.105 Euro zum Selbsterhalt zu, bei Alleinstehenden sind es rund 1.600 Euro. Eine eigene Immobilie und angemessene Altersrücklagen (monatlich dürfen bis zu fünf Prozent des Bruttogehaltes zurückgelegt werden) zählen außerdem zum sogenannten Schonvermögen, das nicht für die Begleichung von Pflegeheim-Kosten herangezogen werden kann.

 

Wie wird der Elternunterhalt berechnet?

Vom Nettogehalt werden zunächst verschiedene Belastungen abgezogen:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Kraftfahrzeug- und Haftpflichtversicherung
  • Unterhaltungsverpflichtungen
  • Kosten für krankheits- oder berufsbedingte Anschaffungen
  • Berufsbedingte Aufwendungen
  • Kreditaufwendungen

Nach Abzug dieser Posten bleibt das sogenannte bereinigte Nettogehalt. Davon wird der Betrag zur Selbsterhaltung abgezogen – der Rest gilt als übersteigertes Einkommen. Davon werden wiederum 50 Prozent als Elternunterhalt fällig. Ein Rechenbeispiel für eine alleinstehende Person:

Nettogehalt: 2.000 Euro

- Belastungen: 300 Euro

= Bereinigtes Nettoeinkommen: 1.700 Euro

- Selbsterhalt: 1.600 Euro

= Übersteigertes Einkommen: 100 Euro

= Elternunterhalt (50 Prozent der Summe): 50 Euro

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Durch den sogenannten Selbsterhalt sollen Kinder finanziell geschont werden, wenn die Eltern ins Pflegeheim müssen  © Geber86/iStock
 

Wann springt das Sozialamt ein?

Reichen die Unterhaltsleistungen nicht aus, um den Heimplatz zu finanzieren, kann ein Antrag beim Sozialamt auf „Hilfen zur Pflege“ gestellt werden. Das Amt bewertet zunächst noch einmal, ob alle Möglichkeiten des Elternunterhalts ausgeschöpft sind und ob es andere Vermögenswerte gibt, die zur Deckung der Pflegeheim-Kosten herangezogen werden können. Ist das nicht der Fall, hat der Antrag zur Kostenübernahme sehr gute Chancen. Zusätzlich kann für den Pflegebedürftigen ein Taschengeld in Höhe von mindestens 109,08 Euro beantragt werden. Tipp: Falls das Sozialamt den Antrag ablehnt, kann es sich lohnen, die Unterlagen von einem Juristen prüfen zu lassen – bei der Berechnung werden häufig Fehler gemacht. In diesem Fall kann die Entscheidung angefochten werden.

 

Ins Pflegeheim ohne Pflegegrad?

Es ist durchaus möglich, auch ohne einen anerkannten Pflegegrad ins Pflegeheim umzuziehen – allerdings ist das sehr teuer. Durchschnittlich belaufen sich die Pflegeheim-Kosten in Deutschland dann auf rund 3.000 Euro pro Monat, die selbst finanziert werden müssen. Weder die Pflegeversicherung noch das Sozialamt beteiligen sich dabei. Hier sollte ein Gespräch mit der Heimleitung erfolgen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Aufnahme möglich ist.

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