Wie Hering hilft, mit dem Rauchen aufzuhören

Ein Hering gegen das Rauchen
Würde ein Raucher öfter Fisch essen, dann würde er – ohne es zu merken – auf jede zehnte Zigarette verzichten © Shutterstock

Wer der Zigarettensucht entsagen will, der sollte mehr Hering und Co. essen. Denn Mediziner fanden nun heraus, dass da etwas im Fisch ist, das uns die Lust am Rauchen nimmt. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Tatsächlich fand das Forscherteam um Professor Sharon Rabinovitz Shenkar von der University of Haifa aus Israel in einer aktuellen Untersuchung heraus, dass Omega-3-Fettsäuren (vor allem in Fisch enthalten) das Verlangen nach Nikotin verringern. Raucher senkten so ihr Suchtpotential und rauchten weniger Zigaretten.

 

Keine Nebenwirkungen und sehr effektiv

Zwar gebe es bereits „Medikamente, die eine ähnliche Wirkung auf das Suchtverhalten von Rauchern haben“, z.B. Vareniclin oder Bupropion, aber – so erklärt Professor Rabinovitz Shenkar – seien diese im Vergleich zur Aufnahme von natürlichen Omega-3-Fettsäuren „weniger wirksam und verursachen zum Teil schwere Nebenwirkungen“.

Die Studie habe vor diesem Hintergrund erstmals den Nachweis erbringen können, dass Omega-3-Fettsäuren sehr wirksame sowie für Raucher eine kostengünstige und leicht verfügbare Alternative zu synthetischen Medikamenten darstellt. Nebenwirkungen würden nicht auftreten – ganz im Gegenteil bedeutet, so erklären die Forscher, eine regelmäßige Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren zusätzliche gesundheitliche Vorteile, z.B. für das Herz, die Blutwerte oder die Augen.  

 

Alles eine Frage der Chemie?

Wenn ein Mensch Zigarettenrauch inhaliert schädigt er damit nicht nur sein Herzkreislauf- und Immunsystem, sondern er steigert auch sein Krebsrisiko. Ein weiterer – kaum bekannter – ungesunder Nebeneffekt ist aber, dass der Rauch die Konzentration der Fettsäuren (essentiellen Fettsäuren) im Gehirn verringert, insbesondere die der Omega-3-Fettsäuren. Das stört die Struktur der Nervenzellen und unterbricht die empfindlichen chemischen Abläufe der Neurotransmitter – Botenstoffe, die das Übertragen von Gedanken anregen – genau in den Bereichen des Gehirns, die für die Regulierung von Gefühlen wie Zufriedenheit, Belohnung, Freude oder Verlangen verantwortlich sind. Die Folge: Abhängigkeit.

 

Fisch kann helfen

Um das Verlangen nach einer Zigarette zu verringern eignen sich als grundsätzlich alle Lebensmittel, die Omega-3-Fettsäuren enthalten. Besonders Fische (Heringe, Forellen, Sardinen, Thunfisch, Lachs) sind reich an diesem Stoff. Aber auch pflanzliche Speiseöle – beispielsweise Sonnenblumenöl, Olivenöl, Rapsöl, Walnuss und Leinöl – eignen sich zur Aufnahme der Fettsäuren.

Für die Studie wurden die Probanden (allesamt seit Jahren Raucher) aufgefordert täglich fünf Einheiten Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen. Damit alle Studienteilnehmer immer die gleiche Menge aufnahmen, aßen sie keinen Fisch, sondern schluckten für 30 Tage Omega-3-Kapseln. Eine Kontrollgruppe bekam im gleichen Zeitraum lediglich ein Placebo verabreicht. Teil des Studiensettings war es darüberhinaus, keinen der Teilnehmer dazu aufzufordern, mit dem Rauchen aufzuhören.

Nach 30 Tagen zeigte sich, dass die Raucher, die Omega-3-Fettsäuren zu sich genommen hatten, ihren Zigarettenkonsum um durchschnittlich 11 Prozent gesenkt hatten. Gleichzeitig wurde durch die Behandlung mit den wichtigen Fettsäuren auch das subjektive Bedürfnis – ermittelt mit einem speziellen Fragebogen – deutlich verringert. Besonders das nachlassende Bedürfnis zu rauchen, ist für die Forscher ein wichtiger Ansatzpunkt für eine sanfte Entwöhnung.

Hamburg, 8. November 2014

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