Wie gut ist Dr. App wirklich? Gesundheits–App statt Arzt

Redaktion PraxisVITA
Mann nutzt Gesundheits-App
Bevor Sie eine Gesundheits-App verwenden, sollten Sie die Angaben des Herstellers hinsichtlich Funktionalität, Verlässlichkeit und Finanzierung prüfen © istock/cyther5
Inhalt
  1. Chancen und Risiken einer Gesundheits-App
  2. Den Arztbesuch kann eine Gesundheits-App nicht ersetzen
  3. Welche Gesundheits-App tut gut?

Ein Blick aufs Smartphone und wir wissen, wie es uns geht. Das wäre schön! Wir zeigen, was Ihre Gesundheits-App tatsächlich kann und wann Sie lieber die Finger davon lassen sollten.

Bekomme ich Migräne? Ist mein Muttermal bedenklich? Oder mein Blutzucker zu hoch? Eine Gesundheits-App gibt Ihnen die Antwort. Brauchen wir also nicht mehr endlos in Wartezimmern ausharren, wenn wir den digitalen Taschenarzt fragen können? So einfach ist es nicht, weiß Gesundheits-App-Experte Dr. Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn: „Ob ein Mediziner mit fundiertem Wissen oder ein Laie die Anwendung erstellt hat, kann der Patient nicht sofort erkennen.“ Das Problem: In Deutschland bestehen für Gesundheits-Apps noch keine offiziellen Qualitätskontrollen oder Prüfsiegel.

 

Chancen und Risiken einer Gesundheits-App

Dennoch gibt es ein paar seriöse Angebote. Als erste Orientierung gilt: Eine Gesundheits-App die zur Prävention bestimmter Krankheiten dient, wird von Experten wie Dr. Albrecht als sinnvoll erachtet. Anwendungen, die Blutdruck- oder Blutzuckerwerte oder Kopfschmerzen protokollieren, an die Einnahme von Tabletten oder Messungen erinnern, zählen ebenfalls zu den empfohlenen.

Spezieller zu betrachten sind Gesundheits-Apps, die Krankheiten diagnostizieren. Sie gelten in Deutschland als Medizinprodukt und brauchen ein CE-Kennzeichen. „Grundsätzlich vorsichtig sollte man bei Gesundheits-Apps sein, die vorgeben, eine Diagnostik durchführen zu können, aber nicht als Medizinprodukt gekennzeichnet sind“, sagt Dr. Albrecht. Auch bei dem Versprechen, eine therapeutische Leistung anbieten zu können, etwa Depressionen zu lindern, sollte man die Gesundheits-App vorab gründlich prüfen.

 

Den Arztbesuch kann eine Gesundheits-App nicht ersetzen

„Den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden wird eine Gesundheits-App nie ersetzen können“, so Dr. Albrecht. Verlassen sich Nutzer zu sehr auf die Ergebnisse der Anwendung, kann es schlimmstenfalls zu spät zu einer Diagnose oder Behandlung kommen. „Zur Information, Vorsorge und Dokumentation sowie begleitend oder anleitend können die Gesundheits-Apps aber großen Nutzen haben.“

 

Welche Gesundheits-App tut gut?

Laut Gesundheits-App-Experte Dr. Urs-Vito Albrecht sind einige Medizin-Apps durchaus sinnvoll, um gesund zu bleiben oder besser mit seiner Erkrankung umgehen zu können. Diese drei Anwendungen können Sie guten Gewissens nutzen!

Gesundheits-App Nr. 1: Hörtest für zu Hause

Mimi Hörtest (gratis): Höre ich wirklich schlechter oder bilde ich mir das nur ein? Der Test soll es beantworten. Die Gesundheits-App spielt Töne in unterschiedlichen Frequenzen ab, die lauter werden. Sobald der Benutzer einen Ton auf dem rechten oder linken Ohr hört, muss er auf der entsprechenden Seite aufs Display drücken. Das Ergebnis zeigt das Hörvermögen präzise an. Danach wissen Sie, ob ein Termin beim HNO-Arzt nötig ist.

Gesundheits-App Nr. 2: Hautkrebs-Check

MySkinPal Muttermal Tracker (2,99 €): Sah das Muttermal schon immer so aus? Bis zum nächsten Hautkrebs-Screening kann die Gesundheits-App Ihnen weiterhelfen. Der Benutzer fotografiert seine Hautflecken alle 23 Tage mit dem Smartphone und lädt die Bilder hoch. Im zeitlichen Vergleich lässt sich dann eine Veränderung feststellen. Im Zweifel werden sie noch von einem Dermatologen analysiert. Gute Ergänzung zum Hautarzt-Check!

Gesundheits-App statt Hautscreening
Mit der Gesundheits-App MySkinPal Muttermal Tracker lassen sich Hautveränderungen erkennen© istock/ChesiireCat

Gesundheits-App Nr. 3: Migräne-Tagebuch

Migräne-App der Schmerzklinik Kiel (gratis): Die Anwendung begleitet den persönlichen Behandlungsverlauf, damit Betroffene schon im Vorwege einer Attacke aktiv werden können. Nach jedem Anfall füttern Anwender sie dazu mit Daten: Intensität, Dauer, Arznei-Dosis, Begleitsymptome. Die Gesundheits-App empfiehlt Entspannungsübungen und erinnert den Benutzer täglich daran. Diese Gesundheits-App macht Sie zum Experten für Ihre Erkrankung!

Gesundheits-App Yoga
Die Migräne-Gesundheits-App der Schmerzklinik Kiel empfiehlt Entspannungsübungen und erinnert den Nutzer täglich daran © istock/shironosov

Wie erkenne ich eine seriöse Gesundheits-App?

Besonders, wenn eine Gesundheits-App verspricht, eine Diagnose stellen oder eine Therapie anbieten zu können, sollten wir sie genau unter die Lupe nehmen. Ein gutes Merkmal für Seriosität ist laut Dr. Albrecht die Transparenz des Herstellers über sein Produkt. Fehlen Angaben zum Zweck der Gesundheits-App, Ihrer Funktionalität, über die Verlässlichkeit ihrer Inhalte, Quellen und Finanzierung sowie – ganz wichtig – zum Datenschutz, sollte man die Finger davon lassen. Zudem gibt es Internetportale wie etwa www.healthon.de, auf denen kostenlose Testberichte zu finden sind. Stiftung Warentest hat vor Kurzem Verhütungsapps geprüft. Nur 3 von 23 wurden mit „gut“ bewertet.

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