Wie gut helfen rezeptfreie Mittel gegen Harnwegsinfektionen?

Frau mit Harnwegsinfektion auf der Couch
Welche Mittel helfen, welche bewirken sogar Schaden? © Alamy

Die Zeitschrift Ökotest hat freiverkäufliche Mittel gegen Blasenentzündungen getestet. Das Ergebnis: enttäuschend bis beunruhigend. Nur zwei Präparate schnitten gut ab.

Blasenentzündungen sind mehr als nur lästig. Ein normaler Alltag ist mit einer entzündeten Blase kaum noch denkbar. Nicht nur dass Betroffene mehrmals die Stunde auf die Toilette müssen. Das Harnlassen brennt auch noch unangenehm. Um die in die Blase eingedrungenen Bakterien abzutöten und so die Infektion schnell in den Griff zu bekommen, verschreiben Ärzte meist ein Antibiotikum. Viele Patientinnen – es sind größtenteils Frauen, da bei ihnen die Harnröhre und somit der Weg zur Blase kürzer ist – fürchten allerdings zu Recht eine Antibiotika-Resistenz, besonders bei wiederkehrenden Infekten. Viele greifen daher lieber zu rezeptfreien Mitteln, etwa natürlichen Präparaten aus der Apotheke oder freiverkäuflichen Blasen-Tees.

 


Natürliche Mittel – natürliche Pflanzengifte


Unter diesen Mitteln hat die Zeitschrift „Öko-Test“ 21 Blasen- und Nierentees, 13 rezeptfreie Arzneimittel sowie zwei D-Mannose-Präparate (Zuckerart, die Bakterien in der Blase binden soll) getestet. Dabei wurden die Präparate und Tees nicht nur auf ihre Wirksamkeit geprüft, sondern auch mögliche Schadstoffe und problematische Nebenwirkungen untersucht. Die meisten Mittel schnitten dabei sehr schlecht ab. Von den 36 getesteten Antibiotika-Alternativen erhielten 22 die Note „ungenügend“ (darunter 17 Blasentees), vier Präparate bekamen ein „mangelhaft“. Das schlechte Gesamtbild bei den Nieren- und Blasentees rührt vor allem von der hohen Schadstoffbelastung, die in vielen Tees gemessen wurde. Sie enthielten zum Teil erhöhte bis sehr stark erhöhte Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden (PA). Die Pflanzengifte zeigten in Tierversuchen krebserregende und erbgutschädigende Wirkungen und können langfristig die Leber in Mitleidenschaft ziehen. Betroffen waren unter anderen die Tees der Marken Bad Heilbrunner, Altapharma (Rossmann), Das gesunde Plus (dm) und Kneipp.

 

Viele Mittel haben schlechte Wirksamkeit

Und nicht nur natürliche Pflanzengifte wurden gefunden, auch die gefundenen Rückstände von Pestiziden überschritten teilweise deutlich den gesetzlich zugelassenen Grenzwert. Notenabzüge gab es außerdem bei Produkten, die für Kinder zugelassen waren und dennoch Alkohol enthielten. Neben problematischen Inhaltsstoffen waren die Tester auch von der Wirksamkeit der Präparate nicht überzeugt. Sie bemängeln, dass für kaum eine der verwendeten Heilpflanzen wissenschaftliche Studien zugrunde liegen, die eine Wirksamkeit bestätigen. Die Wirkung der Mittel könne deshalb im Idealfall als unterstützend oder ergänzend angesehen werden. 

 

Zwei Testsieger

Doch nicht alle Präparate schnitten schlecht ab. Testsieger wurden die Trockenextrakte Aqualibra (Medice) und Ardeynephron (beide aus der Apotheke). Die als Filmtablette bzw. Hartkapsel eingenommenen Präparate enthalten Substanzen aus Orthosiphonblättern. Die auch als Katzenbart bekannte Heilpflanze hat eine harntreibende Wirkung, die auch wissenschaftlich gut belegt ist. Im Präparat Aqualibra sind zudem Extrakte aus Goldrutenkraut und Hauhechelwurzel enthalten, somit verbreitert sich das Wirkspektrum. Außerdem stachen sowohl Aqualibra als auch Ardeynephron durch eine vorbildliche Angabe aller Inhaltsstoffe und das Fehlen jeglicher Schadstoffe und Pflanzengifte hervor.

Hamburg, 09. Oktober 2016

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