Wie gefährlich sind Röntgenaufnahmen wirklich?

Redaktion PraxisVITA
Kind mit Röntgenbild
Anders als bislang vermutet, erhöhen Röntgenstrahlen das Krebsrisiko bei Kindern (und Erwachsenen) nicht © istock

Für gesicherte Diagnosen sind bildgebende Verfahren unverzichtbar. Röntgen ist mit jährlich mehr als 135 Millionen Untersuchungen die am häufigsten angewandte Methode. Doch viele fürchten sich vor Folgeschäden - besonders, wenn Kinder betroffen sind. Zurecht?

Medizinische Röntgenaufnahmen erhöhen das Krebsrisiko nicht – weder bei einem Kind, noch bei einem Erwachsenen. Das geht aus einem im Juni veröffentlichten Artikel des Fachmagazins The Journal of Nuclear Medicine hervor.

Nach Ansicht der Autoren beruht die Annahme, dass auch geringe Strahlendosen, wie sie bei bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgen, Computertomographie) erforderlich sind, das Krebsrisiko erhöhen, auf einer 70 Jahre alten Hypothese, die unnötige Angst und Fehldiagnosen hervorruft.

Die sogenannte lineare Nicht-Schwellen-Hypothese (LNT) wurde 1946 von Nobelpreisträger Hermann Müller entwickelt. Der schweizerische Chemiker behauptete, dass jegliche Strahlung schädlich ist, unabhängig davon, wie niedrig Dosis und Dosisleistung (die pro Zeiteinheit aufgenommene Dosis ionisierender Strahlung) sind.

Jeffry A. Siegel, Präsident und CEO der Nuclear Physics Enterprises, stellt fest, "... ein Großteil des gegenwärtigen Denkens über die Risiken der ionisierenden Strahlung beruht auf gewissen Interpretationen der Hiroshima / Nagasaki Lebensdauer-Studie."

Er beteuert, dass die Studie nicht korrekt interpretiert wurde und weist darauf hin, dass japanische Kinder, die zum Zeitpunkt der Bombardierung am Ende des Zweiten Weltkrieges unter sechs Jahren alt waren und Strahlungen von bis zu 200 mSv ausgesetzt waren, keine deutlichen Unterschiede zur Kontrollgruppe mit Menschen, die Krebs im Erwachsenenalter hatten, aufwiesen. Siegel fügt hinzu, "dass die französische Akademie der Wissenschaften unterstützend berichtete, dass diese Daten keine gültigen Beweise für Schäden unter 100 mGy darstellen."

Radioaktive Strahlen der Nuklearmedizin und CT-Strahlendosen sind niedrig, und Siegel zitiert Studien, die zeigen, dass "anfängliche Strahlen-induzierte Schäden in der Regel selbstständig durch den Organismus behoben werden können." Darüber hinaus haben Kinder ein stärkeres Immunsystem als Erwachsene. "Eine geringe Strahlendosierung stimuliert das Immunsystem und kann die Anzahl der Krebszellen senken,“ so Siegel.

 

Radiophobie: Strahlungsangst schadet mehr als Strahlung

Siegel hebt die Bedeutung der diagnostischen Qualität hervor und erklärt: "Genaue Informationen über niedrig dosierte Strahlung ist der einzige Weg, um die Angst vor bildgebenden Verfahren zu nehmen. Radiophobie ist schädlich für Patienten und Eltern, induziert Stress und führt zu einer Vermeidung von bildgebenden Verfahren. Die Folge sind Fehldiagnosen und Schäden. "

Wann ist Röntgen sinnvoll? Und welche bildgebenden Verfahren gibt es? Lesen Sie hier alles, was Sie über das Röntgen wissen sollten.

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