Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub?

Stephanie Pingel
Ultrafeinstaub
Krank durch Ultrafeinstaub? Eine stichprobenartige Luftschadstoffmessung auf einem Kreuzfahrtschiff gibt Anlass zur Sorge © Fotolia

Auf einem Kreuzfahrtschiff wurde eine extrem hohe Ultrafeinstaubbelastung (UFP) gemessen. PraxisVITA erklärt, worum es sich dabei handelt und was den Schadstoff so gefährlich macht.

Bei einer stichprobenartigen Messung auf einem Kreuzfahrtschiff wurde eine extreme Erhöhung von sogenanntem Ultrafeinstaub gemessen. 307.000 Ultrafeinstaubpartikel pro Kubikzentimeter belasteten demnach die Luft. Zum Vergleich: Bei einer Messung an einer Bundesstraße in Stuttgart lagen die Werte zwischen 25.000 und 30.000 Ultrafeinstaubpartikel pro Kubikzentimeter.

 

Was ist Ultrafeinstaub?

Ultrafeinstaub ist eine Mischung aus verschiedenen Stoffen, die unterschiedliche chemische und physikalische Eigenschaften haben. Sie werden durch Verbrennungsprozesse freigesetzt – durch Autoabgase beispielsweise gelangt besonders viel Ultrafeinstaub in die Luft. Aber auch bei typischen Vorgängen im Haushalt wie dem Braten eines Hähnchens oder beim Toasten von Brot entstehen die Partikel. Die Schadstoffe sind unvorstellbar winzig. Sie sind 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Zum Vergleich: Wäre ein Haar so groß wie ein etwa zwei Meter großer Felsen, hätte ein grobkörniger Feinstaubpartikel (bekannt als PM10 und PM2,5) bereits nur noch die Größe eines Fußballs. Ein Ultrafeinstaubpartikel jedoch wäre noch kleiner als ein Stecknadelkopf.

 

Wie unterscheiden sich grober Feinstaub und Ultrafeinstaub?

Grober Feinstaub kann das Risiko für zahlreiche Krankheiten wie chronischen Husten oder Asthma erhöhen. Doch während diese Partikel „nur“ bis in die oberen Atemwege kommen, kann Ultrafeinstaub bis in den Blutkreislauf vordringen. Und an den Partikel haften zahlreiche giftige und krebserregende Stoffe, die so bis zu den Organen gelangen können. Dadurch erhöht sich laut dem Umweltbundesamt beispielsweise das Risiko für Atemwegsentzündungen und Lungenkrebs.

Ultrafeinstaub kann auf zwei Wegen wirken. In den Lungen lösen die Partikel Entzündungen aus, die sich auf den gesamten Körper ausweiten können. Dadurch wird die Regulation der Blutgefäße gestört. Auch erhöht sich das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln – die wiederum je nachdem, wo sie auftreten, zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen können. Auf dem zweiten Weg beeinflusst der Ultrafeinstaub das vegetative Nervensystem: Herzrhythmusstörungen und ein erhöhter Blutdruck können die Folge sein.

Da bisher jedoch keine Langzeituntersuchungen über die Effekte der Partikel vorliegen, gibt es auch noch keine gesetzlichen Grenzwerte für Ultrafeinstaub. Zwar beginnen einzelne Bundesländer wie beispielsweise Hessen aktuell damit, langfristige Messungen vorzunehmen. Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, ist es aber eher unwahrscheinlich, dass über gesetzliche Höchstgrenzen debattiert wird.

 

Kann ich mich vor Ultrafeinstaub schützen?

Besonders wenn man in einer verkehrsreichen Stadt wohnt, ist es kaum möglich, sich gezielt vor Ultrafeinstaub zu schützen: In Ballungsräumen ist die Luftbelastung  durch Abgase besonders hoch. Es gibt auch keine Untersuchungen, die belegen könnten, dass Atemschutzmasken vor den winzigen Partikeln schützen. Auch die Forschung zur Lösung des Problems ist noch nicht sonderlich weit: Bisher gibt es keine Filter, die den Ultrafeinstaub aus den Abgasen beseitigen könnten. Reedereien setzen daher auf Alternativen wie die Umstellung auf Flüssiggas, bei dessen Verbrennung keine Rußpartikel entstehen. Doch eine solche Umstellung kostet viel Zeit und Geld. Und solange es keine gesetzlich geregelten Höchstgrenzen für Ultrafeinstaub gibt, gibt es auch keine Anreize, um die Forschung schneller voranzutreiben.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.