Wie gefährlich ist starkes Übergewicht in der Schwangerschaft?

Redaktion PraxisVITA
Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Wenn werdende Mütter bezüglich der Ernährung verunsichert sind, kann eine individuelle Ernährungsberatung helfen.“ © Privat

Laut einer neuen Studie haben Frauen nach einer Magenverkleinerung ein erhöhtes Risiko, untergewichtige Kinder zu gebären. Doch auch starkes Übergewicht während der Schwangerschaft birgt Risiken. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wie Schwangere mögliche Risiken am besten vermeiden können.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Generell treten bei übergewichtigen Frauen Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck häufiger auf. Welchen Einfluss das Gewicht der Mutter auf die Entwicklung des Babys hat, ist allerdings immer noch nicht vollständig geklärt. Eine neue französische Studie legt nun nahe, dass Frauen nach einer Magenverkleinerung durch einen Magenbypass ein erhöhtes Risiko haben, untergewichtige Kinder zur Welt zu bringen. Für die Studie untersuchten die Forscher 56 Neugeborene, deren Mütter nach einem solchen Eingriff mindestens 32 Monate gewartet hatten, ehe sie schwanger geworden waren. Verglichen wurden die Kinder mit ebenfalls 56 Babys aus einer Kontrollgruppe. Das Fazit: Die Kinder in der ersten Gruppe waren um durchschnittlich 700 Gramm leichter als die in der zweiten und hatten daher eher Untergewicht. Außerdem fiel auf, dass die Frauen häufiger eine Mangelversorgung mit Nährstoffen – beispielsweise mit Zink oder Eisen – hatten. Und diese führte dementsprechend auch zu einer Mangelversorgung beim Kind.

Übergewicht und Schwangerschaft
Frauen mit Kinderwunsch sollten diesen Wunsch als Motivation nehmen, um sich gesünder zu ernähren, da normalgewichtige Frauen eher schwanger werden© Fotolia
 

Untergewicht beim Baby durch eine Magenverkleinerung?

Bei einer Magenverkleinerung werden bis zu 90 Prozent des Magens entfernt, sodass nur ein sogenannter Schlauchmagen mit einer Fassmenge von maximal 100 Millilitern überbleibt. Dadurch essen die Patienten natürlich deutlich weniger und nehmen schnell und für gewöhnlich nachhaltig ab. Allerdings ist ein solcher Eingriff nicht ohne Risiken: Da große Teile des Verdauungssystems nach der Operation nicht mehr vorhanden sind, kann es zu Lebensmittelunverträglichkeiten kommen. Viele Patienten leiden nach einer Magenverkleinerung außerdem an einer Mangelernährung, da sie zu wenige Vitamine zu sich nehmen können. Das könnte laut den Autoren der Studie auch einer der Gründe dafür sein, dass die Kinder untergewichtig zur Welt kommen. Ein weiterer Grund ist, dass sich die Patientinnen nach der Magenverkleinerung generell eher unterkalorisch ernähren, wodurch das Kind nicht optimal versorgt werden kann. Ich rate den betroffenen Frauen daher, während der Schwangerschaft eine Ernährungsberatung zu machen, um das Baby nicht zu gefährden. Es wird außerdem empfohlen, nach einer Magenverkleinerung mindestens 18 Monate zu warten, bevor man versucht, schwanger zu werden.

 

Kinderwunsch bei starkem Übergewicht

Frauen mit starkem Übergewicht, die gern schwanger werden möchten, sollten ihren Wunsch als Motivation nehmen, um das Gewicht in normale Bahnen zu lenken. Frauen mit Normalgewicht werden meistens leichter schwanger und können zusätzlich das Risiko für Komplikationen senken. Auch hier kann eine Ernährungsberatung helfen. Generell sollten Sie auf eine ausgewogene, gesunde und frische Ernährung achten: Essen Sie viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte sowie mindestens einmal in der Woche Fisch und Fleisch. Zucker und Fett gehören nur in Maßen auf den Speiseplan, also maximal zweimal pro Woche. Zum Trinken bieten sich in erster Linie Wasser und Tee an.

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