Wie gefährlich ist Passivrauchen für mein Kind?

Dr. med. Nadine Hess

Tabakqualm ist nicht nur der gefährlichste, sondern auch der eigentlich am einfachsten zu vermeidende Schadstoff, dem Kinder zu Hause ausgesetzt sind. Was Passivrauchen für Kinder so gefährlich macht, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Mit jeder Zigarette erhöhen Sie das Risiko Ihres Kindes, durch Passivrauchen Schäden zu erleiden.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Einer Studie zufolge lebt rund die Hälfte aller deutschen Kinder heutzutage in einem Raucherhaushalt – obwohl sie durch Tabakqualm erheblichen gesundheitlichen Schaden nehmen können. Sie sind gegen die Giftstoffe im Rauch besonders empfindlich, da sich ihr Körper noch in der Entwicklung befindet. So kann die Lunge beispielsweise durch Passivrauchen schon früh Schäden nehmen, weil sie nicht genügend ausgereift ist, um die Giftstoffe abzubauen. Zusätzlich haben Kinder eine erhöhte Atemfrequenz – das führt dazu, dass sie in kurzer Zeit mehr Schadstoffe durch den Rauch aufnehmen als Erwachsene. Zum Vergleich: Innerhalb von einer Stunde atmet ein Kind in einem verqualmten Raum so viele Schadstoffe ein, als würde es selber rauchen.

 

Welche gesundheitlichen Risiken entstehen durch Passivrauchen?

Kinder sind durch Passivrauchen für einige Krankheiten anfälliger als Kinder, die in rauchfreien Haushalten aufwachsen. So leiden sie unter anderem häufiger an Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis sowie Mittelohrentzündungen, die im schlimmsten Fall sogar chronisch werden. Da Tabakrauch das Immunsystem schwächt, können sich entsprechende Krankheitserreger leichter ausbreiten. Auch Konzentrationsstörungen treten bei Kindern aus Raucherhaushalten häufiger auf.

Schwangere Frau
In der Schwangerschaft sollten Sie auf das Rauchen komplett verzichten, da Sie sonst dem ungeborenen Kind erheblich schaden© Fotolia
 

Rauchen in der Schwangerschaft

Mittlerweile hören rund zwei Drittel aller Schwangeren mit dem Rauchen auf, um ihr Baby nicht durch Passivrauchen zu gefährden. Denn das in Zigaretten enthaltene Nikotin gelangt über das Blut direkt zum Embryo – das ist die extremste Form von Passivrauchen. Dadurch wird das Risiko von Fehlgeburten erhöht. Tabakrauch stört außerdem die Hirnentwicklung und kann dafür sorgen, dass Kinder später aggressive Charakterzüge entwickeln.

 

Rauchstopp – und jetzt?

Nicht nur aktives Rauchen lässt Kinder zu Passivrauchern werden, denn der Qualm setzt sich in der gesamten Wohnung fest. Egal ob Vorhänge, Polsterbezüge oder Stofftiere – nach einem  Rauchstopp sollten Sie sich die Zeit nehmen und einen Großputz beginnen. Dabei erfordern gerade Textilien eine intensive Reinigung. Wer ganz sicher gehen will, sollte gleich komplett neu tapezieren. Alle Giftstoffe in einem Zimmer werden Sie zwar auch dadurch nicht beseitigen können, aber Sie minimieren das Risiko für Ihr Kind, durch Passivrauchen Schäden zu erleiden, damit deutlich.

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