Wie gefährlich ist eine Lungenentzündung bei Kindern?

Dr. med. Nadine Hess

Ihr Kind hat Fieber, atmet schneller und angestrengter als sonst und klagt über Schmerzen im Brustbereich? Dann leidet es möglicherweise an einer Lungenentzündung. Expertin Dr. Nadine Hess erklärt, wie eine Lungenentzündung bei Kindern erkannt und behandelt wird.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine Lungenentzündung bei Kindern kann extrem gefährlich sein und wird daher häufig im Krankenhaus behandelt.“ © Fotolia
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Eine Lungenentzündung, auch als Pneumonie bekannt, wird häufig erst spät diagnostiziert, da sich die Krankheit auf Kinder unterschiedlich auswirken kann: Einige der kleinen Patienten klagen über Unwohlsein, verweigern das Essen und Trinken und haben Fieber, andere spielen einfach weiter, als wären sie vollkommen gesund. Da die Symptome so unterschiedlich sind, sollten Eltern das Verhalten des Kindes daher genau beobachten. Das erste und meist deutlichste Anzeichen einer Lungenentzündung bei Kindern ist starker Husten, der auch nach mehreren Tagen nicht abklingt. Klagt das Kind außerdem über Schmerzen im Brustbereich, hat Schwierigkeiten mit der Atmung und eine Temperatur über 38,5 Grad, sollten Sie zum Kinderarzt fahren.

Doch was passiert bei einer Lungenentzündung eigentlich und wie wird sie übertragen? Sie entsteht, wenn sich das Lungengewebe und die Atemwege im Brustraum des Kindes entzünden. Kleinkinder sind besonders anfällig dafür: Bedingt durch das gemeinsame Spielen im Kinderkarten oder in der Schule sowie das vergleichsweise schwache Immunsystem der Kleinen kann sich die Entzündung durch eine Tröpfcheninfektion leicht ausbreiten. Tatsächlich handelt es bei der Lungenentzündung um eine recht häufige Atemwegserkrankung im Kindesalter.

 

Wie wird eine Lungenentzündung bei Kindern diagnostiziert?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Lungenentzündung bei Kindern zu diagnostizieren. Stellt der Arzt beim Abhören Rasselgeräusche in der Atmung fest, ist das für gewöhnlich ein deutlicher Hinweis auf die Krankheit. Aber auch eine Blutuntersuchung kann Aufschluss geben: Beispielsweise ist eine erhöhte Anzahl der weißen Blutkörperchen Anhaltspunkt für eine Entzündung. Dabei lässt sich auch unterscheiden, ob es sich um eine virale oder bakterielle Lungenentzündung handelt. Bei der viralen sind die Entzündungszeichen in der Regel nicht erhöht und es kann auf Antibiotika verzichtet werden. Da die Abgrenzung zwischen einer Bronchitis und einer Lungenentzündung manchmal schwierig ist, wird oft auch eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht, um einschätzen zu können, wie stark sich die Entzündung ausgebreitet hat.

 

Für welche Kinder ist die Krankheit besonders gefährlich?

Aufpassen sollten Eltern, wenn ihr Kind unter einer Atemwegserkrankung wie beispielsweise Asthma leidet oder es bereits häufig eine Bronchitis hatte. Auch bei Frühchen ist die Lungenentzündung sehr gefährlich, da sie extrem belastend für die kleinen Körper ist. Generell gilt: Je jünger das Kind, desto wahrscheinlicher ist es, dass es im Krankenhaus behandelt werden muss, da gerade Kleinkinder bei Lungenentzündungen erhebliche Schwierigkeiten beim Atmen haben können.

Kind hat Fieber
Nicht alle Kinder fühlen sich bei einer Lungenentzündung schlapp. Deshalb sollten Eltern besonders auf mögliche Symptome wie Fieber und einen rasselnden Atem achten© Fotolia
 

Wie behandle ich eine Lungenentzündung bei Kindern?

Bei einer Lungenentzündung muss mit Bronchien-erweiternden Inhalationen gearbeitet werden, die es auch schon für Kinder gibt. Ist der Schleim sehr zäh, kann der Kinderarzt eine höherprozentige Kochsalzlösung für ein Inhahaltionsgerät verschreiben, was zusammen mit brochienerweiternden Mitteln inhaliert wird und den Schleim flüssiger und leichter abhustbar macht. Bei einer Lungenentzündung darf auf gar keinen Fall ein Hustenstiller gegeben werden, auch wenn der Husten noch so nervt und teils den Schlaf raubt. Der Schleim kann sonst nicht mehr abgehustet werden und schlimmstenfalls drohen echte Atemprobleme durch Verlegung der Luftwege mit Schleim. Insbesondere im Schlaf kann das sehr gefährlich werden.

Antibiotika sind bei einer bakteriellen Lungenentzündung unverzichtbar, bei viralen Pneumonien hingegeben braucht man sie nicht. Das Medikament wird über mindestens sieben Tage verabreicht. Säuglinge erhalten das Antibiotikum meist über eine Infusion. Gegen das Fieber kann der Arzt fiebersenkende Mittel verschreiben: Es gibt Säfte für Kinder, die mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol versetzt sind. Aspirin sollte nicht verabreicht werden – im schlimmsten Fall kann das Kind dadurch am lebensgefährlichen Reye-Syndrom erkranken.

Wie lange die Krankheit dauert, hängt häufig vom Typ des Erregers und dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand des Kindes ab. Liegen keine zusätzlichen Erkrankungen vor, kann eine Lungenentzündung bei Kindern innerhalb von sieben bis zehn Tagen auskuriert werden. Allerdings sollte sich das Kind auch dann noch bis zu einem Monat nach der Erkrankung schonen – durch die Entzündung können die Atemwege noch mehrere Wochen geschwächt sein und sind so anfälliger für Infekte.

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