Carnivore-Diät: Wie gefährlich ist es, nur Fleisch zu essen?

Redaktion PraxisVITA

Die Carnivore-Diät wird hierzulande immer beliebter, dabei könnte sie gefährlich sein, warnen Ernährungsexperten. Was passiert, wenn man nur Fleisch isst? Und welche Folgen kann das haben?

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Kein Getreide, kein Obst, kein Gemüse – nur Fleisch: Kann so eine Ernährung beim Abnehmen helfen und vor allem gut für den Körper sein oder ist die sogenannte Carnivore Diät gefährlich? In den USA hat sie sich schon längst zu einem echten Trend entwickelt. Und auch in Deutschland erlangt sie immer mehr Bekanntheit. Ernährungsexperten beobachten diese Entwicklung mit Besorgnis – denn die Fleisch-Diät kann mitunter schwerwiegende Folgen haben.

 

Carnivore-Diät soll Nährstoffversorgung abdecken

Das Prinzip der Carnivore-Diät (englisch „Fleischfresser-Diät) ist nicht neu: Von einem Lebensmittel oder einer Lebensmittelgruppe – in diesem Fall Fleisch – wird ganz viel gegessen, von anderen nur wenig oder gar nicht. Anhänger der Fleischdiät sind davon überzeugt, dass Fleisch alle Nährstoffe besitzt, die der Körper braucht. Proteine, Eisen, Magnesium, Kalzium Vitamin D und Zink stehen ganz oben auf der Nährstoff-Tabelle. Die restlichen Vitamine und Mineralstoffe sind durch die Diät hingegen nicht abgedeckt.

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Carnivore-Diät – so gefährlich ist die Ernährung nur aus Fleisch

Einseitige Ernährungsformen wie die Carnivore-Diät versprechen einen schnellen Gewichtsverlust. Die gesundheitlichen Effekte fallen dabei oft unter den Tisch, ganz nach dem Motto: Abnehmen zu jedem Preis. Doch während Diäten wie die Kartoffeldiät oder die Kohlsuppendiät eine Menge Nährstoffe liefern und der Gesundheit nicht schaden, kann es gravierende Folgen haben, wenn man über einen längeren Zeitraum nur Fleisch isst. Das macht die Diät so gefährlich:

 

Vitamin-C-Mangel durch Fleischdiät

Während unterschiedliche Fleischsorten tatsächlich den Großteil der Vitamine abdecken, die wir zum Leben brauchen, fehlen doch einige – dazu gehört Vitamin C, das wir nur über Obst und Gemüse aufnehmen können. Fehlt der Nährstoff komplett auf dem Speiseplan, entwickelt sich ein Vitamin-C-Mangel mit Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschwäche, Glieder- und Gelenkschmerzen.

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Wird der Vitamin-C-Bedarf des Körpers über Wochen oder Monate nicht gedeckt, kann es zu der früher unter Seeleuten gefürchteten Erkrankung Skorbut kommen. Aufgrund eines ausgeprägten Vitamin-C-Mangels (Seeleute hatten kaum Zugang zu Vitamin-C-Quellen und ernährten sich hauptsächlich von Fisch) färbt sich die Haut gelblich-grau, Wunden heilen schlechter, das Zahnfleisch entzündet sich und blutet, bis zum Zahnausfall. Dazu kommen Symptome wie hohes Fieber, Durchfall, Gelenkentzündungen, Schwindel und Herzschwäche.

 

Ernährung nur aus Fleisch bringt die Verdauung ins Stocken

Obst und Gemüse sind darüber hinaus reich an Ballaststoffen, die die Verdauung unterstützen und dafür sorgen, dass wir nach einer Mahlzeit länger satt bleiben. Wer zu wenig Ballaststoffe zu sich nimmt, hat häufig mit Verdauungsproblemen und Verstopfung zu kämpfen. Auch die Darmflora leidet nachweislich an einem hohen Fleischkonsum. Aggressive Bakterien können sich vermehren und es entstehen immer wieder kleine Entzündungen im Darm, die Darmkrebs auslösen können.

 

Hoher Fleischkonsum lässt das Krebs-Risiko steigen

Doch ein hoher Fleischkonsum kann also nicht nur zu einem Nähstoffmangel führen, er begünstigt auch die Entstehung von Krebs. Dafür gibt es zahlreiche wissenschaftliche Belege. Der Verzehr von rotem Fleisch über 35 Gramm pro Tag wurde in mehreren Studien mit einem um 20 bis 30 Prozent erhöhtem Risiko für Darmkrebs in Verbindung gebracht. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) – eine Organisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – stuft rotes Fleisch daher als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

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Noch schlimmer ist verarbeitetes Fleisch wie Salami, Schinken oder Würstchen: Sie sind den Krebsexperten zufolge eindeutig krebserregend. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, wöchentlich nicht mehr als 600 Gramm Fleisch(waren) zu verzehren. Mit der Carnivore-Diät nimmt man jedoch alleine an einem Tag so viel Fleisch zu sich.

 

Diät nur aus Fleisch – die große Unbekannte

Was passiert noch mit dem Körper, wenn die Ernährung nur aus Fleisch besteht? Das weiß niemand. Denn zu der Carnivore Diät gibt es noch keine Studien. Mediziner raten daher von einer Diät, die nur aus Fleisch besteht, ab.

Auch positive Effekte der Ernährungsform sind bisher nicht belegt. Nach Meinung von Experten handelt es sich bei den Berichten von Anhängern wie Mikhaila Peterson um persönliche Erfahrungen, die nicht mit der Ernährung in Zusammenhang stehen müssen. Zudem sind keine Details über ihre Ernährung bekannt – ob sie etwa Vitamin-C-Präparate einnimmt, um einem Mangel vorzubeugen. Allgemeine Schlüsse auf eine gesundheitsfördernde Wirkung lassen sich aus solchen Einzelberichten aus Sicht von Medizinern nicht ziehen. Die Carnivore Diät muss somit auch weiterhin als gefährlich eingestuft werden.

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Quellen:
Aykan, Nuri Faruk (2015): Red meat and colorectal cancer, in: National Center for Biotechnology Information

WHO: Verarbeitetes Fleisch krebserregend?, in: Verbraucherzentrale

Wie beeinflusst die Ernährung die Krebsentstehung?, in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

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