Wie fühlt sich Liebe an? Auf diese Merkmale kommt es an!

Verena Elson Medizinredakteurin

Wir Menschen haben das große Glück, etwas zu können, dass keine andere Tierart fertigbringt: Wir können uns verlieben. Doch wie fühlt sich Liebe an? Es gibt eindeutige Zeichen, die darauf hinweisen, dass der ganze Organismus „auf Liebe programmiert“ ist.

„Ich bin verrückt nach ihm!“ Dieser Satz trifft das Gefühl der Verliebtheit ziemlich gut, denn verliebte Menschen sind tatsächlich ein bisschen verrückt. Sie befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand, indem die Hormone verrücktspielen. Und wenn die Explosion der Glückshormone nach einiger Zeit allmählich nachlässt, macht sie Platz für etwas Neues: die Liebe. Doch wie fühlt sich Liebe an? Und woran erkenne ich, ob ich meinen Partner wirklich liebe?

 

Der Unterschied zwischen Lieben und Verliebtsein

Der größte Unterschied zwischen Lieben und Verliebtsein ist tatsächlich körperlicher Natur.  Verliebtsein ist ein physischer Zustand, der für die „Betroffenen“ mit heftigen körperlichen Symptomen verbunden ist. Dafür sorgt eine Flut des Glücks- und Suchthormons Dopamin. Es sorgt dafür, dass verliebte Menschen geradezu besessen von ihrem Partner sind und an nichts anderes mehr denken können. Der Körper ist dabei in einem Zustand der Daueraufregung und des chronischen Glücklichseins.

Dieses „Unter Strom stehen“ dauerhaft durchzuhalten, wäre vermutlich zu anstrengend für den Körper. Nach 18 Monaten bis drei Jahren wird die Verliebtheit darum zu Liebe. Dieses Gefühl ist nicht weniger schön, aber ein bisschen weniger aufregend. Die körperlichen Symptome fallen jetzt weg. Liebe äußert sich in einer starken Bindung, die von tiefem Vertrauen und Nähe geprägt ist.

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Wie fühlt es sich an verliebt zu sein?

Wer noch nie zuvor verliebt war, ist meist überwältigt von der Heftigkeit der Emotionen und körperlichen Empfindungen. Nichts anderes scheint plötzlich mehr eine Relevanz zu haben – alles, was zählt, ist die Sehnsucht nach dem neuen Partner. Mit diesen Anzeichen macht sich Verliebtheit bemerkbar:  

  • Wie besessen: Der Partner scheint plötzlich das einzig Interessante zu sein, was es auf der Welt gibt. Verliebtsein ist wie eine Obsession – alle Gedanken drehen sich nur noch um diese eine Person.
  • Chronisch gute Laune: Das Gras ist grüner, der Himmel ist blauer und Ärgernisse des Alltags sind plötzlich weniger schlimm. Wer verliebt ist, sieht alles in einem positiveren Licht. Es ist ein bisschen so, wie wenn die Welt im Frühling ganz neu erscheint und schon das Einatmen der Frühlingsluft glücklich macht – daher stammt wohl auch der Begriff „Frühlingsgefühle“. Äußerlich erkennt man frisch Verliebte an dem ständigen Lächeln, dass ihr Gesicht gar nicht mehr verlassen will.
  • Körperlicher Alarmzustand: Bei der Begegnung mit dem oder der Angebeteten gerät der Körper regelrecht in Stress: Das Herz fängt wie wild an zu klopfen, der Atem geht schneller, es kribbelt im Bauch. Schuld ist das Stresshormon Cortisol, das bei Verliebten vermehrt ausgeschüttet wird.
  • Appetitlosigkeit: Von Luft und Liebe zu leben, scheint tatsächlich zu funktionieren – zumindest kommt es bei frisch Verliebten häufig vor, dass sie keinen Bissen herunterbekommen. Der Körper ist in einem solchen Aufruhr, dass er die Nahrungsaufnahme schlicht verweigert.
  • Schlaflosigkeit: Nächtelanges Wachliegen ist ebenso ein typisches Symptom des Verliebtseins. Der Kopf ist viel zu sehr mit Gedanken an den Partner beschäftigt und damit, gemeinsam erlebte Situationen gedanklich noch einmal durchzuspielen, als das an Schlaf zu denken wäre.
  • Sexuelle Anziehung: Die sexuelle Anziehung ist in der Phase der Verliebtheit am stärksten. Frisch Verliebte können ihre Finger nicht voneinander lassen – und sich gar nicht vorstellen, dass dieses Gefühl irgendwann nachlassen wird.
  • Größeres Selbstbewusstsein: Bei frisch Verliebten bekommt das Selbstbewusstsein ganz automatisch ein Upgrade: Sie fühlen sich schöner, attraktiver und begehrenswerter als je zuvor.
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Wie fühlt sich Lieben an? Wahre Liebe erkennen

Wenn die Verliebtheit langsam abklingt, stellt sich ein anderes, neues Gefühl der Zuneigung und Verbundenheit ein. Der körperliche Stresszustand lässt jetzt nach, man wird in der Gegenwart des Partners entspannt und geborgen – viele fühlen sich wie „zu Hause angekommen“. Da die Liebe nicht wie das Verliebtsein mit körperlichen Symptomen verbunden ist, fragen sich manche Menschen, ob das Gefühl, das sie für ihren Partner empfinden, Liebe ist. Diese Anzeichen zeigen, dass sich Partner wirklich lieben:

  • Vertrauen: Zwischen sich liebenden Partnern herrscht ein tiefes Vertrauen, das bei Verliebten in der Regel noch nicht existiert – denn dafür kennen sie sich noch nicht lange genug. Partner, die sich lieben, fühlen sich beieinander geborgen und haben die Gewissheit, dass sie keine noch so schwierige Lebenssituation allein bewältigen müssen.
  • Bereitschaft, Schwächen zu zeigen: Während Verliebte eher darum bemüht sind, sich vor ihrem Partner stets von ihrer besten Seite zu zeigen, können Menschen in einer liebevollen Partnerschaft ganz sie selbst sein. Sie wissen: Wenn sie sich mit Kummer, Unsicherheit oder Ängsten ihrem Partner anvertrauen, wird ihnen Verständnis, Trost und Unterstützung entgegengebracht. Sie haben das nötige Vertrauen und die Gewissheit, dass sie keine Fassaden aufrechterhalten müssen, um geliebt zu werden.
  • Fürsorge: Liebe äußert sich auch in der Bereitschaft und dem Wunsch, Verantwortung für den Partner zu übernehmen und sich um ihn zu kümmern, wenn es ihm schlecht geht. Suppe und Zwieback am Krankenbett und der Urlaubstag, um die Liebste zu einem schwierigen Termin zu begleiten, sind eindeutige Indizien der Liebe zwischen Partnern.
  • Konfliktfähigkeit: Partner, die sich lieben, können es gut aushalten, unterschiedlicher Meinung zu sein. Ob sie sich leidenschaftlich streiten oder ruhig und überlegt diskutieren, ist Persönlichkeitssache. Was in beiden Fällen bleibt, ist die Gewissheit der gegenseitigen Verbundenheit – trotz aller Meinungsunterschiede.
  • Verständnis ohne Worte: Sich liebende Partner können sich häufig gut ohne Worte miteinander verständigen. Kummer oder schlechte Laune können sie nicht mehr voreinander verbergen – sie kennen sich so gut, dass ihnen Körperhaltung und Gestik auch beim besten „Pokerface“ des Partners seine Stimmung und Emotionen sofort verraten.
  • Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit: Liebende Partner verspüren vielleicht nicht mehr die körperliche Sehnsucht nacheinander wie in der ersten Phase der Verliebtheit. Doch eines hat sich nicht geändert: das Bedürfnis, zusammen zu sein. Die Möglichkeit, dem Partner die Ereignisse des Tages zu erzählen, sich trösten oder ermutigen zu lassen oder einfach den Alltag miteinander zu teilen, erhöht ihre Lebensqualität, macht sie glücklicher und zufriedener.
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So fühlt sich Liebe an

Wie fühlt sich Liebe an? Die Antwort auf diese Frage kann unterschiedlich ausfallen – jedes Paar würde sie vermutlich unterschiedlich formulieren. Doch egal ob sie lautet „wie ein Drogenrausch“ in der ersten Phase oder „nach zu Hause und Geborgenheit“ bei längeren Beziehungen – beide Gefühle machen glücklich und verschönern das Leben.

Quellen:

Liebe und Verliebtsein, in: uol.de

Love, Actually: The science behind lust, attraction, and companionship, in: harvard.edu

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