Wie erziehe ich ein Einzelkind richtig?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Es gibt viele Vorurteile bei einem Einzelkind. Aber wenn Eltern ein paar Dinge in der Erziehung beachten, gibt es nichts zu befürchten.“ © Privat

Fast jedes zweite Kind in Deutschland wächst ohne Geschwister auf. Die richtige Erziehung ist für Eltern bei einem Einzelkind aber oft eine Herausforderung. Was Sie dabei beachten sollten, weiß Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass nicht jedes Einzelkind automatisch zu einem unselbstständigen und egoistischen Erwachsenen wird – solche Vorurteile haben für gewöhnlich nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Denn Eltern können mit der richtigen Erziehung viel Einfluss auf die Entwicklung des Nachwuchses nehmen. Und dabei ist es irrelevant, ob man ein Einzelkind oder ein Geschwisterpaar aufzieht –letztendlich brauchen alle Kinder die richtige Kombination aus Fürsorge, Zuwendung und Strenge. Auch aus gesundheitlicher Sicht gibt es zwischen Einzelkindern und Geschwisterkindern nur wenige Unterschiede – schottische Forscher haben allerdings herausgefunden, dass Einzelkinder eher an Ekzemen leiden als Geschwisterkinder.

 

Welche Vorteile hat es, wenn ich ein Einzelkind erziehe?

Der vielleicht größte Vorteil für ein Einzelkind ist, dass es in den meisten Fällen die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern bekommt. Das zeigt sich zum einen in körperlicher und seelischer Zuwendung: Studien belegen, dass Einzelkinder mehr Körperkontakt zu ihrer Mutter haben und mehr mit ihnen spielen als Geschwisterkinder. Durch die Zuwendung wird das Selbstvertrauen des Kindes gestärkt. Zum anderen werden Einzelkinder eher gezielt gefördert und haben so die Gelegenheit, ihre persönlichen Stärken zu entwickeln sowie Schwächen abzubauen.

Einzelkind
Gerade für ein Einzelkind ist der frühe Kontakt zu Gleichaltrigen wichtig© Fotolia
 

Was sollten Eltern beachten?

Damit ein Einzelkind den Umgang mit Gleichaltrigen lernen kann, ist es wichtig, dass es frühzeitig in die Kita kommt. Nur so kann es begreifen, wie man mit Konflikten und Konkurrenz umgeht und wie man Verantwortung übernimmt. Gleichzeitig entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl, das den Umgang mit anderen erleichtert.

 

Warum gibt es eigentlich so viele Einzelkinder?

Statistisch gesehen lebt in etwa der Hälfte der deutschen Haushalte nur ein Kind. Die Gründe dafür sind zahlreich – lassen sich aber generell in zwei Gruppen einteilen: Während sich einige Eltern bewusst gegen ein zweites Kind entscheiden, wird anderen Paaren die Entscheidung durch höhere Gewalt abgenommen. Dabei spielen beispielsweise Trennungen oder eine schwere Krankheit eine Rolle. Auch sind immer mehr Paare von der sogenannten sekundären Unfruchtbarkeit betroffen: Obwohl die Schwangerschaft und die Geburt des ersten Kindes problemlos verlaufen sind, klappt es mit einem zweiten einfach nicht.

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