Wie erkenne ich, ob mein Kind Heuschnupfen hat?

Dr. med. Nadine Hess

Endlich Frühling! Lange haben wir darauf gewartet, dass die Sonne wieder warme Strahlen sendet, die Bäume zartgrüne Blätter bekommen und hier und da etwas herrlich blüht. Alle zieht es nach draußen – nur die Allergiker unter uns, die sehen mit gemischten Gefühlen auf die Explosion, die sich gerade in der Natur ereignet.

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „In vielen Fällen ist eine Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen möglich und erfolgversprechend. Bei Kindern ist das ab dem Alter von fünf Jahren durchführbar.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Insbesondere die Menschen mit einer Allergie gegen Frühblüher wie Birke, Haselnüsse, Erle, Weide und Buche klagen teilweise schon im Januar/Februar über erste Symptome. Und jetzt, wo wirklich alles in der Natur frisch ausschlägt und die Sonne scheint,  sind sie teilweise schwer betroffen. Bei Regen sind die Heuschnupfen-Beschwerden geringer, da die Pollen nicht so gut fliegen können – klar, sie werden nass und landen auf dem Boden. Allerdings kann es zu Anfang eines Regengusses sogar zu verschlimmerten Symptomen kommen, da dann die Pollen aus den oberen Luftschichten nach unten gelangen.

 

Wie entsteht Heuschnupfen bei Kindern?

Bei einer Allergie kommt es im Grunde zu einer Fehlfunktion des Immunsystems. Der Körper erkennt beispielsweise unschädliche Pollen als bekämpfenswerte Eindringlinge und versucht ihnen entsprechend zu begegnen. Insbesondere Kinder aus Familien, in denen ein oder gar beide Elternteile Allergiker sind, haben ein höheres Risiko, selbst an einer Allergie zu erkranken: nämlich 40 bis 60 Prozent. Leiden beide Eltern an der gleichen Allergie, steigt das Risiko sogar bis auf 80 Prozent, dass das Kind ebenfalls daran erkrankt.

 

Wie unterscheidet man Heuschnupfen von einem banalen Infekt?

Gerade bei Kindern im Kitaalter kann sich die Frage stellen: Ist das jetzt eine Allergie wie bei mir? Oder hat der Sprössling nur wieder den nächsten Infekt erwischt? Eine Allergie wie auch ein Infekt kann mit einer laufenden Nase einhergehen, mit roten Augen und auch Husten. Je schlimmer die Allergie ist, desto stärker ist auch das allgemeine Befinden gestört. Man kann sich manchmal richtig krank fühlen, obwohl der Grund dafür „nur“ die störenden Pollen sind. Der wichtigste Hinweis, dass es sich um Heuschnupfen handelt, ist der, dass Juckreiz vorliegt – Augen, Nase, Rachen, manchmal auch Ohren kitzeln den ganzen Tag unangenehm und führen zu Husten, klarem Schnupfen und roten Augen.

Familie mit Pusteblume
Heuschnupfen bei Kindern: Das Risiko ist höher, wenn einer oder beide Elternteile ebenfalls Allergien haben© Fotolia

Bei einem Infekt besteht in der Regel kein Juckreiz (Windpocken etc. einmal ausgeschlossen). Das Sekret in Nase und Augen ist klar, es kommt also nicht zu gelblich-grünem Schnupfen oder eitrigem Schleim an den Augen. Beides ist Hinweis auf eine bakterielle Ursache und sollte Sie oder Ihr Kind zum Arzt führen.

 

Welche Medikamente sind geeignet, um Heuschnupfen bei Kindern zu bekämpfen?

Bei Heuschnupfen stehen verschiedene antiallergische Medikamente zur Verfügung, die mittlerweile auch gut verträglich sind – früher haben sie sehr müde gemacht. Am günstigsten ist es, mit einer lokalen Heuschnupfen-Behandlung zu starten: Wenn vor allem die Augen betroffen sind und jucken, sollte man auf antiallergische Augentropfen zurückgreifen. Juckt eher die Nase, nehmen Sie ein antiallergisches Nasenspray. Bei schwereren Symptomen sind dann Tabletten gegen Heuschnupfen die nächste Stufe, manchmal muss zusätzlich auch mit einem Kortisonnasenspray behandelt werden, um eine Linderung zu erreichen.

Bei Patienten mit einem allergischen Asthma mit entsprechenden Sprays. Früher hat man Kortison gespritzt oder hochdosiert als Tabletten gegeben, wenn die Symptome besonders stark waren. Das macht man heute aufgrund der mittlerweile weiterentwickelten und hochwirksamen Antiallergika und der starken Nebenwirkungen, die Kortison systemisch (also nicht lokal – beispielsweise als Augentropfen – gegeben, sondern als Tablette oder Spritze) in hohen Dosen hat, eigentlich nur noch in Fällen, wo es in Richtung allergischer Schock geht.

Wenn Sie unsicher sind, welches Medikament für Sie oder Ihr Kind geeignet ist, wenden Sie sich an Ihren Haus- oder Kinderarzt. Ausgeprägte Beschwerden sollten mit Hilfe eines Allergologen in Angriff genommen werden, in vielen Fällen ist eine Hyposensibilisierung möglich und erfolgversprechend. Bei Kindern ist das ab dem Alter von fünf Jahren durchführbar.

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