Wie eine Transplantation zwei Menschen zueinander führte

Für manche ist eine Herz-Transplantation die letzte Rettung
Wenn das Herz nicht mehr die nötige Leistung bringt, ist eine Herztransplantation die letzte Rettung © iStock

Die Schauspielerin Charlotte Valandrey (44) verliebte sich nach einer Herztransplantation in den Witwer ihrer Spenderin – ohne es zu wissen. Über diese Geschichte diskutiert ganz Frankreich, weil sie so unglaublich klingt.

Hier fanden zwei Menschen zueinander, die sich eigentlich niemals hätten begegnen dürfen. Denn auch in Frankreich unterliegt eine Organspende der Anonymität. Die Ärzte schweigen. Patient und Hinterbliebene erfahren nicht, wer das Transplantat bekommen hat. Bei Charlotte Valandrey jedoch half ein glücklicher Zufall nach...

Rückblende: Nach zwei Infarkten bringt Charlottes Herz nur zehn Prozent seiner Leistung. Die Ärzte befürchten, dass sie nur noch vier Wochen zu leben hat, als ins Hôpital Saint Paul in Paris eine junge Frau eingeliefert wird. Ein Autounfall. Sie ist hirntot. Der Witwer stimmt einer Herztransplantation zu. Die OP wird im gleichen Krankenhaus durchgeführt. Die Presse berichtet später, dass die junge Schauspielerin ein neues Herz bekommen hat. Das ist der Moment, in dem der Witwer eins und eins zusammenzählt: Paris, Unfall, Hôpital Saint Paul ... Charlotte Valandrey muss das Herz seiner Frau bekommen haben.

Viele Monate nach der Operation erhält Charlotte einen Brief: „Ich kenne das Herz, das in Ihnen schlägt. Ich habe es geliebt“, steht dort in Großbuchstaben. Und dass seine Frau Ärztin war und erst 29, als sie sterben musste. Der Fremde schickt ihr noch zwei Briefe. Doch jedes Mal: kein Absender. Nichts. Schließlich hat er unterschrieben, dass auch er strengste Anonymität wahren wird.

 

Neues Herz: Liebe auf den ersten Blick

Charlotte Valandrey: „Mein fremdes Herz“
Charlotte Valandrey: „Mein fremdes Herz“ (12,99 Euro; Pieper Verlag). Frankreichs großer Buch-Hit!© Piper-Verlag

Ein Jahr später spielt Charlotte Theater in Paris. Ein Mann – dunkler Typ, langes Haar, schönes Lächeln – sitzt im Publikum. Er ist jeden Abend da. Schickt ihr Veilchen in die Garderobe. Ohne ein Wort. Sechs Sträuße stehen schon neben dem Make-up-Spiegel. Und irgendwann auch er – schüchtern, mit dem nächsten Strauß. „Diese Begegnung beförderte mich direkt vom Winter in den Sommer“, wird Charlotte sich erinnern, „in die Euphorie“. Liebe auf den ersten Blick. Er heißt Yann, ein Architekt. Er erzählt ihr, dass er geschieden ist. Die beiden werden ein Paar. „Zum ersten Mal in meinem Leben dauert Glück nicht nur einen Moment“, sagt Charlotte, „sondern ist ein Gefühl, das ständig in mir ruht.“ Dass Yann der geheimnisvolle Fremde ist, der ihr die Briefe geschrieben hat, entdeckt sie zufällig.

 

Zweite Chance

Eines Tages findet sie die Sterbeurkunde von Yanns Frau. „4.11.2003, Hôpital Saint Paul“, steht dort. Der Tag ihrer OP und das gleiche Krankenhaus – Charlotte wird schlagartig klar: Sie hat das Herz von Yanns Frau. An diesen Gedanken muss sie sich erst einmal gewöhnen. Und sie ist verletzt, weil Yann nicht ehrlich war.

Zwei Jahre später findet Charlotte dann doch den Mut, ihm eine zweite Chance zu geben. Ja, zunächst habe er seiner toten Frau nahe sein wollen, gibt er zu. Aber dann hat er sich in sie, in Charlotte, verliebt. In ihre Energie, ihre blauen Augen, ihr leuchtendes Lächeln. Die beiden sind bis heute ein Paar. Denn Liebe fragt nicht nach Vorschriften.

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