Wie eine Schwangerschaft mein Blut verändert

Redaktion PraxisVITA
Blutabnahme bei schwangerer Frau
Eine Schwangerschaft verändert das Immunsystem und das Blut einer Frau für immer, zeigt eine aktuelle Studie © iStock

Um eine optimale Versorgung des ungeborenen Kindes sicherzustellen, finden im Körper einer schwangeren Frau zahlreiche Umstellungen statt. Eine niederländische Studie fand nun heraus, dass einige dieser Veränderungen sogar permanent sind.

Wissenschaftler um Rutger Middelburg vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden führten eine Studie zum Thema Blutspenden durch. Hierbei fanden sie heraus, dass besonders junge Männer unter 50 Jahren häufiger nach Blutspenden einer Frau sterben, die schon einmal ein Kind geboren hat. Das Risiko ist um 13 Prozent höher als bei einer Transfusion von einem Mann oder einer Frau, die noch nie schwanger war. Das Blut einer Mutter hat sich demnach nicht nur während der Schwangerschaft, sondern anhaltend verändert – wie kann das sein?

 

Körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft

Spürbare Veränderungen an Herz und Kreislauf können bei einer schwangeren Frau schon relativ früh auftreten. Der Körper stellt sich darauf ein, einen weiteren Menschen zu versorgen und neues Leben zu schaffen. Die Durchblutung nimmt zu, Gefäße erweitern sich, der Puls wird härter und stärker.

Während der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Bedarf des Organismus an Wachstums- und Baustoffen, da das Kind versorgt werden muss und es ausreichend Stoffe für die eigene Blutbildung benötigt. Man spricht von einer natürlichen Schwangerschaftsanämie. Das Blutvolumen nimmt zu und der Anteil an weißen Blutkörperchen steigt, während sich die Menge an Hämoglobin im Blut  verhältnismäßig um rund acht Prozent verringert, was ein Grund für die Ergebnisse der Studie sein könnte. 

Auch die Veränderungen des Immunsystems während der Schwangerschaft könnten die Ergebnisse begründen. Der Embryo ist ein Produkt väterlicher und mütterlicher Gene und somit zur Hälfte mit „fremden“ Merkmalen ausgestattet. Das mütterliche Immunsystem erkennt diese Merkmale und würde normalerweise Angriffe dagegen starten, entwickelt jedoch während der Schwangerschaft eine Toleranz. Die generelle Abwehr wird dadurch jedoch nicht geschwächt. Außerdem ist das Kind auf den Schutz durch das mütterliche Immunsystem bis nach der Geburt angewiesen. Antikörper werden über die Plazenta und später über die Muttermilch an das Neugeborene weitergegeben. Seine eigene Abwehr ist erst im Alter von vier bis sechs Jahren komplett ausgereift.

Die werdende Mutter entwickelt bestimmte Antikörper in ihrem Blut, um das Kind vor Infektionen zu schützen. Diese verbleiben auch nach der Geburt im Kreislauf der Frau und könnten bei einer Blutspende im Körper des Mannes Probleme verursachen. 

Forscher sind sich über die genauen Ursachen des Phänomens noch uneinig. Bis weitere Studien die genauen Auslöser belegen können, sollte an den bisherigen Kriterien bei der Blutspende nichts verändert werden, glauben Experten. Fest steht jedoch: eine Schwangerschaft verändert das Leben für immer.

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