Wie eine Diät die Leber stresst und warum genau das gut für uns ist

Eine Frau steht auf einer Waage
Beim Fasten gerät die Leber unter Stress und reguliert dadurch den Stoffwechsel. © Alamy

Wenn wir hungern, schaltet unser Körper den Notfall-Modus ein. Im besten Fall wird der Stoffwechsel reguliert und wir nehmen ab. Forscher konnten jetzt herausfinden, wie uns unsere Leber dabei behilflich ist.

Jeder, der schon einmal eine kalorienreduzierte Diät gemacht hat, kennt das Problem: den Jojo-Effekt. Kaum hat man sich mühsam ein paar Kilos runtergehungert, sind sie nach zwei Wochen wieder drauf, manchmal sogar mit Extra-Pfunden. Schuld daran ist der Stoffwechsel. Der Körper setzt alles daran, die Kilos zu behalten oder zurückzugewinnen. Das war in der Frühgeschichte der Menschheit sinnvoll, damit der Körper, die durch harte Arbeit erbeuteten Kalorien nicht direkt wieder verbrannte und im Notfall auf Fettreserven zurückgreifen konnte. Da heute aber eher ein Überangebot von Essen herrscht, empfinden wir unseren effizienten aber dadurch langsamen Stoffwechsel oft als lästiges Steinzeit-Relikt.

 

Was passiert in der Leber bei einer Diät?

Die Leber ist das wichtigste Organ für den Stoffwechsel, sie baut Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße ab. Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun zusammen mit Wissenschaftlern vom Helmholtz Zentrum München und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung herausgefunden, was in der Leber passiert, wenn wir eine Diät machen.

Dazu untersuchten die Forscher Leberzellen bei Probanden, die zuvor auf Diät gesetzt worden waren. Sie beobachteten: Je weniger Nährstoffe die Zellen bekamen, desto häufiger produzierten sie ein Protein. Das sogenannte ‘Growth Arrest and DNA Damage-inducible’ – kurz GADD45β. Das Molekül war bisher eher im Zusammenhang mit der Reparatur von Schäden am Erbgut und dem Zellzyklus bekannt.

Die Versuche der Wissenschaftler zeigen: GADD45β steuert die Fettsäureaufnahme in der Leber. Fehlt das Protein, entwickelt sich leichter eine Fettleber und der Blutzuckerspiegel steigt an. Erhöht man den GADD45β-Spiegel, so normalisiert sich der Fettgehalt der Leber. Auch der Zuckerstoffwechsel verbessert sich. 

 

Stress, der ausnahmsweise nützlich ist

„Der durch das Fasten verursachte Stress auf die Zellen der Leber scheint also die Produktion von GADD45β anzukurbeln, was dann den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst“, fasst Studienleiter Adam J. Rose zusammen. Die Forscher wollen nun herausfinden, wie wir den Fett- und Zuckerstoffwechsel in Zukunft überlisten können: „Wenn wir verstehen, wie das Fasten unseren Stoffwechsel beeinflusst, könnten wir versuchen, diesen Effekt therapeutisch herbeizuführen“, so Rose.

Ein Stoffwechsel, der es uns ermöglicht, so viel zu essen, wie wir wollen, ohne zuzunehmen, klingt vielversprechend. Es ist aber zu vermuten, dass wir auch in Zukunft nicht um ausgewogene Ernährung und viel Bewegung herumkommen werden.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 10. Mai 2016

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.