Wie ein Liter Cola Asthma auslöst

Verena Elson
Colaflaschen im Supermarkt
Wenn Schwangere täglich einen Liter Cola trinken, erhöht sich das Risiko ihres Kindes, Asthma oder Allergien zu entwickeln, drastisch © iStock

Ein hoher Zuckerkonsum in der Schwangerschaft erhöht das Risiko des Babys, später an Asthma oder Allergien zu leiden, zeigt eine aktuelle britische Studie. Aber wie viel Zucker ist zu viel?

Wissenschaftler der Queen Mary University of London werteten im Zuge der Langzeitstudie „Avon Longitudinal Study of Parents and Children" (ALSPAC) Daten von knapp 9.000 Mutter-Kind-Paaren aus, die seit den frühen 1990er Jahren begleitet werden. Sie wollten herausfinden, ob der Zuckerkonsum der Schwangeren Einfluss auf die Neigung des Kindes zu Allergien und Asthma hat. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift European Respiratory Journal veröffentlicht.

Während der Schwangerschaft füllten alle Frauen detaillierte Fragebögen zu ihrer Ernährung aus. Die britischen Forscher interessierten sich für den Anteil von freiem Zucker darin, also von Zucker, der Speisen und Getränken entweder zugesetzt wurde oder natürlich in Fruchtsäften, Fruchtsaftkonzentraten, Honig und Sirup enthalten ist.

Schließlich beurteilten die Wissenschaftler den Gesundheitszustand der Kinder im Alter von sieben Jahren und achteten gezielt auf das Auftreten von Asthma, Heuschnupfen, auffälliger (pfeifender) Atmung, der Bildung von Hautekzemen und der sogenannten Atopie. Darunter verstehen Mediziner die Neigung dazu, mit allergischen Reaktionen auf eigentlich harmlose Substanzen zu reagieren. Zur Diagnose wird ein sogenannter Atopie-Patch-Test durchgeführt, bei dem mögliche Allergene auf den Rücken aufgetragen werden und die Reaktion der Haut in den folgenden 72 Stunden beobachtet wird.

 

Diese Kinder sind gefährdet

Die Wissenschaftler konnten bei zwei der fünf Diagnosen einen Zusammenhang zum Zuckerkonsum der Mutter während der Schwangerschaft feststellen: Asthma und Atopie. Verglichen mit Kindern von Müttern mit dem niedrigsten Zuckerkonsum (34g täglich oder weniger) fiel der Atopie-Test bei Kindern von Müttern mit dem höchsten Zuckerkonsum (82,4g oder mehr) um 38 Prozent häufiger positiv aus.

Bei Asthma zeigte sich nur bei der allergischen Form der Erkrankung ein Zusammenhang mit dem mütterlichen Zuckerkonsum. In der Gruppe der Kinder von Müttern mit dem höchsten Zuckerverbrauch trat allergisches Asthma doppelt so häufig auf wie in der Gruppe der Kinder von Müttern mit dem niedrigsten Verbrauch.

Wie der Zusammenhang zwischen mütterlichem Zuckerkonsum und allergischen Erkrankungen beim Nachwuchs zustande kommt, wurde in der Studie nicht untersucht. Die Autoren vermuten aber, dass die von der Mutter aufgenommene Fruktose der Verursacher ist: Der Fruchtzucker, aus dem auch Haushaltszucker zur Hälfte besteht, könne bei dem Kind eine Immunreaktion hervorrufen, die zu einer allergischen Entzündung in den sich entwickelnden Lungen führe.

 

Eine Flasche Cola reicht aus

Zur Gruppe mit dem höchsten Zuckerkonsum gehörten Mütter, die täglich 82,4 Gramm oder mehr Zucker zu sich nahmen. Das hört sich nach viel an, denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den täglichen Zuckerverzehr auf höchstens 25 Gramm zu beschränken. Aber: In einem Liter Cola stecken 90 Gramm Zucker – dieser würde also schon ausreichen, um das Risiko des Ungeborenen, später an Asthma oder Allergien zu leiden, maximal zu erhöhen.

Der Verzicht auf zuckerhaltige Softdrinks lohnt sich nicht nur für Schwangere – er hat viele Vorteile für Herz, Knochen und Gehirn, lässt die Pfunde purzeln und verlangsamt den Alterungsprozess. Wie sich der Verzicht auf die Süßgetränke auszahlt, erfahren Sie hier.

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