Wie ein einfacher Sehtest Ihr Schlaganfallrisiko vorhersagt

Einfacher Sehtest sagt Schlaganfallrisiko voraus
Forscher können mithilfe einer speziellen Fotoapparatur bluthochdruckbedingte Schäden im Augapfel darstellen. Diese sogenannten hypertensiven Schäden wiederum ermöglichen eine Vorhersage darüber, wie groß das Risiko einzelner Personen ist, einen Schlaganf © Fotolia

Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, das mithilfe eines einfachen Sehtests das Schlaganfallrisiko vorhersagen kann. Der Test kann bei jedem Augenarzt vorgenommen werden und kostet nicht mehr als 25 Euro. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Eine Forscherteam der National University of Singapore zeigte in einer kürzlich veröffentlichten Studie den Zusammenhang zwischen bestimmten Schäden an der Netzhaut und einem erhöhten Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Dazu entwickelten sie einen einfachen Sehtest, bei dem mit einem sogenannten Low-Power-Mikroskop und angekoppelter Kamera die Struktur der Netzhaut fotografisch abgebildet werden kann. Anhand dieser Netzhautfotos lässt sich schließlich von einem Augenarzt – je nach Beschädigungsgrad der Netzhaut – diagnostizieren, ob ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht.

 

Schäden auf der Netzhaut verraten das Schlaganfallrisiko

Der Sehtest untersucht den lichtempfindlichen Zellenbereich an der Rückseite des Augapfels auf eine hypertensive Retinopathie – eine Beschädigung der Netzhaut, die durch Bluthochdruck ausgelöst wird. Dabei treten durch hohen Blutdruck Defekte an Blutgefäßen im Auge – wie z.B. Engstellung der Netzhaut-Arterien oder Veränderungen der Gefäßreflexe – auf. Diese Schäden können von einem Augenarzt aufgrund der charakteristischen Schwellungen und Blutungen auf der Netzhaut eindeutig identifiziert und mit der Spezialoptik fotografisch abgebildet werden.

Die in der Fachzeitschrift Journal der American Heart Association veröffentlichen Ergebnisse konnten nun eine direkte Verbindung zwischen der einzelnen Ausprägung der Netzhaut-Schäden und dem jeweiligen Schlaganfallrisiko aufzeigen.

Patienten, die unter Bluthochdruck leiden und blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, haben ein deutlich höheres Schlaganfallrisiko
Patienten, die unter Bluthochdruck leiden und blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, haben ein deutlich höheres Schlaganfallrisiko© IStock
 

Blutdruckmedikamente erhöhen das Schlaganfallrisiko

Konkret belegt die Studie, dass bei Personen mit einer leichten hypertensiven Retinopathie das Schlaganfallrisiko um 35 Prozent erhöht ist – bei Personen mit einer mittleren bis stark ausgeprägten Netzhautbeschädigung besteht dagegen bereits ein Risiko, das im 137 Prozent gesteigert ist.

Für den Versuchsaufbau der Studie wurden auch andere Faktoren für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko – wie Alter, Gewicht, Größe, Ernährungsweise, Rauchen und Medikamente – berücksichtigt. Dabei stellte sich heraus, dass Personen, die nicht nur an einem erhöhten Blutdruck leiden, sondern auch blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, ein deutlich höheres Schlaganfallrisiko besitzen. Demnach war das Risiko bei diesen Patienten und mit leichter Netzhautschädigung um 96 Prozent und mit mittlerer bis starker hypertensiven Retinopathie um 198 Prozent erhöht.

 

Jeder zweite Schlaganfall könnte verhindert werden

Die Langzeitstudie berücksichtigte Netzhautbilder von beinahe 3.000 Probanden. Über 13 Jahre wurden dabei der Grad der hypertensiven Schädigung der Blutgefäße im Auge dokumentiert und bewertet. Nach Aussagen Studienautor Professor Mohammad Kamran Ikram gibt es kaum verlässliche Vorhersagemethoden für ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Der Wissenschaftler schätzt, dass die jährliche Anzahl an Schlaganfällen halbiert werden könnte, wenn das neue Vorhersageverfahren zumindest bei Personen mit bereits diagnostizierten Bluthochdruck angewendet werden würde.

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