Wie die Tabaksteuer Kinderleben rettet

Verena Elson Medizinredakteurin
Aschenbecher
Rauchen kann tödlich sein – nicht nur für den Raucher selbst. Wenn Frauen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Babys rauchen, ist die Gesundheit des Neugeborenen gefährdet © iStock

Wenn die Zigarettenpreise steigen, sinkt die Säuglingssterblichkeit – das zeigt eine aktuelle Studie Londoner Wissenschaftler. Warum ist Rauchen für Babys so gefährlich?

Seit Anfang der 2000er Jahre wurden die Tabaksteuern EU-weit mehrfach angehoben und die Zigarettenpreise stiegen deutlich an. Während eine Schachtel Zigaretten in Deutschland 2004 im Schnitt noch 3,60 Euro kostete, mussten Raucher 2014 schon 5,40 Euro dafür ausgeben.

Die Preisanstiege hatten zur Folge, dass immer weniger Menschen rauchten. Während in Deutschland im Jahr 2004 täglich noch 306 Millionen Zigaretten geraucht wurden, waren es 2014 nur noch 218 Millionen Zigaretten pro Tag.

 

Preiserhöhungen retteten mehr als 9.000 Kinderleben

Frühere Untersuchungen deuteten bereits auf einen Zusammenhang zwischen Zigarettenpreisen und der Säuglingssterblichkeit in der jeweiligen Region hin. In einer kürzlich veröffentlichten Studie werteten Wissenschaftler am Imperial College London Daten aus 23 EU-Mitgliedstaaten aus um herauszufinden, ob auch die Preisanstiege bei Tabakwaren in den letzten Jahren zur Folge hatten, dass weniger Babys starben.

Die Ergebnisse ihrer Analyse sprechen dafür: Starben 2004 noch 4,4 Säuglinge pro 1.000 Lebendgeburten, gab es im Jahr 2014 nur noch 3,5 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten. Der Rückgang der Säuglingssterblichkeit geht nicht allein auf das Konto der erhöhten Tabaksteuer, doch ein Zusammenhang liegt nahe. Pro zusätzlichem Euro, den eine Schachtel Zigaretten kostete, starben demnach im selben Jahr 0,23 Babys pro 1.000 Lebendgeburten weniger und im Folgejahr noch einmal 0,16 Babys weniger. Nach den Berechnungen der Londoner Forscher rettete die Erhöhung der Tabaksteuer insgesamt rund 9.200 Kindern das Leben.

 

Darum ist Zigarettenrauch für Babys so gefährlich

In diesen Staaten sind Zigaretten am teuersten

1.     Australien (13,60€ pro Schachtel)

2.     Norwegen (11,80€ pro Schachtel)

3.     Neuseeland (11,10 € pro Schachtel)

Wenn eine Frau in der Schwangerschaft raucht, gibt sie alle in der Zigarette enthaltenen Schadstoffe über das Blut an ihr Kind weiter. Die Gebärmutter wird bei rauchenden Frauen schlechter durchblutet – die Folge ist eine schlechtere Nährstoffversorgung des Embryos. Diese kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes massiv stören und führt nicht selten zu Früh- oder Fehlgeburten.

Auch nach der Geburt stellen rauchende Mütter und Väter eine Gefahr für den Säugling dar. Denn die Lunge des Neugeborenen ist noch nicht vollständig ausgereift und kann Giftstoffe schlechter abbauen. Dazu kommt, dass Kinder eine höhere Atemfrequenz haben als Erwachsene und beim Passivrauchen mehr Schadstoffe aufnehmen. Säuglinge, die Tabakrauch ausgesetzt sind, sind darum schlechter vor Lungenentzündungen und anderen Atemwegserkrankungen geschützt.

 

Billigmarken drosseln den positiven Effekt

Doch die Preiserhöhungen allein reichen nicht aus – denn Schlupflöcher in der Gesetzgebung ermöglichen es den Tabakkonzernen, einzelne Billigmarken anzubieten, die den Raucheinstieg erleichtern sollen. Gäbe es diese Billigmarken nicht, hätten noch weitere 3.200 Todesfälle vermieden werden können, sind sich die Autoren der Studie sicher.

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