Wie die Masern fast die französische Königsfamilie auslöschten

König Ludwig XIV
König Ludwig XIV verlor beinahe seine komplette Familie durch die Masern: Die Krankheit löschte fast das gesamte französische Königshaus aus © Fotolia

Der rote Ausschlag ist nicht so harmlos wie viele denken: In der Vergangenheit gab es immer wieder Masern-Epidemien – eine davon löschte fast das gesamte französische Königshaus aus. Wir erklären, wie gefährlich das Virus wirklich ist.

Für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV (1638 - 1715) war das Alter alles andere als vergnüglich. Denn gleich reihenweise starben ihm seine Thronfolger weg. Zunächst verlor er seinen ältesten Sohn, den sogenannten Grand Dauphin, an die Pocken. 1712 schließlich wurde zu einem wahren Schreckensjahr. Gleich mehrere Familienmitglieder wurden von einer Krankheit dahingerafft, die auch damals meist als Kinderseuche verharmlost wurde, nun aber ausgewachsene Männer und Frauen befiel: die Masern!

 

Masern: Mehr gefürchtet als die Pocken

Als Erstes erkrankte die schöne Kronprinzessin Marie-Adelaide. Nach einer „besonders grausamen Behandlung mit siedend heißen Bädern und wiederholten Aderlässen" starb die Unglückliche nach wenigen Tagen. Die Schwägerin des Sonnenkönigs, Liselotte von der Pfalz, war – wohl zu Recht – davon überzeugt, „dass die Doktoren diese arme Prinzessin ums Leben gebracht haben.“ Kurz darauf wurde auch Kronprinz Louis von Fieberanfällen geschüttelt. Er folgte seiner Frau in den Tod. Doch war er keineswegs das letzte Opfer dieser Epidemie im französischen Königshaus. Denn auch der neue, gerade einmal fünfjährige Thronfolger starb an den Masern. Wieder einmal hatten die Ärzte keine andere Therapie gekannt als Aderlässe und Brechmittel. Nur dem beherzten Eingreifen einer Hofdame war es zu verdanken, dass dem ebenfalls erkrankten jüngeren Bruder des verstorbenen Thronfolgers eine solche Behandlung erspart blieb. Er wurde nur „hübsch warmgehalten" und überlebte! Später sollte er König Ludwig XV werden.

 

Immer wieder Masern-Epidemien

Heute wird leicht vergessen, dass die angeblich harmlosen Masern immer wieder schwere Epidemien verursachten. Schon im 9. Jahrhundert schrieb ein persischer Arzt, die Masern seien „mehr gefürchtet als die Pocken.“ Als die Europäer Amerika eroberten, schleppten sie neben anderen Krankheiten auch die Masern ein. Da die Indianer überhaupt nicht immunisiert waren, starben sie wie die Fliegen. Das Gleiche geschah auf der Insel Hawaii, auf der 1848 eine Masernepidemie ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte.

 

Schon kurzer Kontakt ansteckend

„Die Masern sind eine Krankheit, die nie durch sich selbst tötet, sondern es sind die Komplikationen, welche entweder während des Ausbruchs oder nachher den Tod herbeiführen." Dieser Satz eines Arztes aus dem 19. Jahrhundert kann auch heute noch so unterschrieben werden. Die Masern werden durch einen hoch ansteckenden Virus ausgelöst. Schon ein kurzer Kontakt mit einem Erkrankten reicht dazu aus. Von 100 infizierten Personen erkranken 99!

 

Masern-Symptome in zwei Phasen

Die Krankheit verläuft in zwei Phasen. In der ersten Phase treten Symptome wie bei einer Grippe auf: Müdigkeit, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, dazu kommen Schnupfen, Halsschmerzen und bellender Husten. Die Mund- und Rachenschleimhaut rötet sich, der Kranke wirkt aufgedunsen, verheult, verschwollen. Er bekommt Fieber, das nach vier Tagen aber wieder zu sinken beginnt. Mit einem zweiten, diesmal dramatischen Fieberanstieg kündigt sich die zweite Phase der Krankheit an. Vom Kopf breitet sich über den ganzen Körper ein großfleckiger dunkelroter Hautausschlag aus. Sobald dieser Hautausschlag nach ein paar Tagen abklingt, erholt sich der Kranke wieder.

 

Schwere Komplikationen bei Masern

Hat der Patient aber ein geschwächtes Immunsystem, kann es zu schweren Komplikationen wie einer Lungenentzündung oder einer Gehirnentzündung mit Bewusstseinstrübung, epileptischen Anfällen oder Lähmungen kommen. Bakterielle Infektionen können zu einer Mittelohrentzündung oder einer Hornhautentzündung mit möglicher Erblindung des Auges führen. Es sind diese Komplikationen, die die Masern so gefährlich machen.

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