Wie der Darm das Herz schützen kann

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Frauenbauch mit Händen, die ein Herz formen
Unsere Darmflora beeinflusst unsere Herzgesundheit, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

US-Forschern ist es gelungen, Darmbakterien so umzuprogrammieren, dass sie das Herz vor Erkrankungen schützen. So funktioniert das neue Verfahren.

Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle im Organismus. Darmbakterien unterstützen das Immunsystem, regulieren das Gewicht und schützen sogar das Gehirn. Doch einige Bakterien haben auch negative Eigenschaften – besonders für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen. Wissenschaftlern der Cleveland Clinic ist es jetzt gelungen, diese Darmbakterien so „umzuprogrammieren“, dass sie dem Herz nicht mehr schaden, sondern es stattdessen schützen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht.

 

Wie der Darm dem Herz schaden kann

Bei der Verdauung eines bestimmten Nährstoffes, dem sogenannten Cholin (beispielsweise in Fleisch, Lachs und Brokkoli enthalten), produzieren die Darmbakterien einen bestimmten Stoff (TMA), der sich in ein Molekül namens TMAO verwandelt. TMAO wiederum drosselt den Abbau von Blutfetten. Die Folge: Immer mehr Fett lagert sich in den Arterien ab und kann zu einer Verengung der Gefäße führen, einer sogenannten Arteriosklerose.

Das von den US-Forschern entwickelte Medikament (genannt DMB) unterdrückt einige der Enzyme, die die Darmbakterien benötigen, um TNA zu produzieren. In der Folge entsteht weniger TNA – und weniger Arteriosklerose, wie sich in Versuchen mit Mäusen zeigte: Die Forscher fütterten Tiere mit einer genetischen Veranlagung für eine Arteriosklerose mit cholinreicher Nahrung. Normalerweise führte das zur Verengung ihrer Arterien. Doch bekamen sie über ihr Trinkwasser DMB verabreicht, blieb dieser Effekt aus.

 

Wirkstoff verändert Darmbakterien, ohne sie zu zerstören

Der Wirkstoff, der laut der Studienleiter natürlich in einigen Rotweinsorten und Olivenölen vorkommt, hatte auch nach vier Monaten Behandlung keine negativen Nebenwirkungen. Besonders interessant für die Forscher: Obwohl die Darmbakterien verändert wurden, wurden sie nicht zerstört. Das ist wichtig, weil eine gesunde Darmflora das Immunsystem unterstützt und der Bildung von Medikamentenresistenzen vorbeugt.

Allerdings ist die Bildung von Resistenzen auch bei diesem Medikament nicht ausgeschlossen. Denn einige Darmbakterien verwenden TMA als Energiequelle – sie könnten neue Wege finden, um den Stoff zu produzieren.

Bevor die Therapie bei Menschen angewendet werden kann, sind weitere Untersuchungen notwendig. Dabei soll auch nach weiteren Methoden gesucht werden, Darmbakterien medikamentös zu manipulieren.

Hamburg, 18. Dezember 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.