Wie Alltagsbegleiter bei kleinen Herausforderungen helfen

Redaktion PraxisVITA
Alltagsbegleiter
Alltagsbegleiter ermöglichen es durch die Übernahme kleiner Aufgaben älteren Personen, länger in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können © katarzynaBialasiewicz/iStock

Wenn der Tagesablauf für eine ältere Person zunehmend schwerer zu bewältigen wird, kann ein Alltagsbegleiter eine Hilfe sein. Wir erklären, welche Dienstleistungen angeboten werden und was Sie dabei beachten sollten.

Wenn der Haushalt zu viel wird, sich schmutzige Wäsche und Geschirr stapeln, wenn der Arztbesuch zur „Weltreise“ wird, das Kochen nicht mehr klappt und der Kühlschrank leer ist, brauchen alte Menschen Hilfe, um ihren Alltag in den eigenen vier Wänden weiter bewältigen zu können. Für ihre Angehörigen kann es aber schnell zu einer Überbelastung werden, wenn neben dem Kümmern und Versorgen auch noch ein ganzer Haushalt geschmissen werden muss.

Praktische Hilfe vor Ort bieten dann die sogenannten Mobilen Sozialen Dienste (MSD). Unter diesem Begriff werden eine Reihe von Dienstleistungen zusammengefasst, für die die Mitarbeiter als Alltagsbegleiter direkt nach Hause kommen: etwa Fahrdienste, Hilfe im Haushalt, Essen auf Rädern, Besuchs- und Begleitdienste oder auch ein Hausnotruf. Sie können für alle Beteiligten große Entlastung bringen und ein länger selbstständiges Leben ermöglichen. Angeboten werden die MSD vor allem von Wohlfahrtsverbänden und ambulanten Pflegediensten, aber auch private Dienstleister kommen als Alltagsbegleiter infrage.

Alltagsbegleiter
Alltagsbegleiter können beispielsweise beschwerliche Einkäufe für ältere Menschen übernehmen © SolStock/iStock
 

Hilfe von Profis ist kein Luxus

Oft besteht allerdings eine gewisse Scheu, sich Hilfe von außen zu holen. Gerade alte Menschen sehen das oft als „Luxus“ oder möchten keine fremden Personen im Haus haben. Hier ist es an den Angehörigen, Überzeugungsarbeit zu leisten. So erhöht ein ordentlicher, sauberer Haushalt nicht nur die Lebensqualität, eine ausreichende Hygiene ist auch wichtig für die Gesundheit. Dazu können durch Alltagsbegleiter Stürze und viele andere Unfälle vermieden werden, die leicht passieren können, wenn gebrechliche oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Personen anstrengende Arbeiten wie Staubsaugen oder Fensterputzen verrichten.

Von großer gesundheitlicher Bedeutung sind auch regelmäßige, vernünftig zusammengestellte Mahlzeiten. Denn wird zu wenig, zu einseitig oder das Falsche gegessen, kann sich die körperliche Konstitution deutlich verschlechtern. Ist es etwa aufgrund zu großer Entfernungen nicht möglich, den Hilfsbedürftigen täglich mit zu „bekochen“, stellt Essen auf Rädern eine gute Alternative dar. Ein guter Anbieter ist hier besonders wichtig, damit die Speisen auch schmecken und nicht sofort im Müll landen. Wohnen die Angehörigen zu weit entfernt, um häufig nach dem Rechten zu schauen oder im Bedarfsfall schnell vor Ort zu sein, ist außerdem ein Hausnotrufsystem oft sinnvoll. Hierbei kann mit einem kleinen Sender, der wie eine Armbanduhr oder Halskette getragen wird, jederzeit Hilfe gerufen werden. Das gibt viel Sicherheit für alte Menschen, die eigentlich noch gut allein und ohne Hilfe von einem Alltagsbegleiter leben können, aber Angst vor Stürzen oder plötzlichen Erkrankungen haben.

Alltagsbegleiter
Wenn Sie einen Essensdienst in Anspruch nehmen, sollten Sie sich unbedingt bei einem Probeessen von der Qualität der Mahlzeiten überzeugen © ponsulak/iStock
 

Nothilfe per Knopfdruck

Während viele Senioren auch dank solcher Sicherheitssysteme daheim gut zurechtkommen, ist der Aktionsradius außerhalb des Hauses aufgrund von körperlichen Einschränkungen und Ängsten oft sehr klein und der Besuch von Ärzten, Tagesstätten, Geschäften oder auch privaten Veranstaltungen ein großes Problem. Wohlfahrtsverbände bieten deshalb Fahrdienste an – auch für Rollstuhlfahrer. Der Hilfsbedürftige kommt mit ihnen sicher ans Ziel und gewinnt einen Teil seiner Mobilität zurück.

 

Kosten & Finanzierung der Alltagsbegleiter: Entlastungsbetrag nutzen

Ob und für welche Mobilen Sozialen Dienste die Pflegekasse aufkommt, ist regional unterschiedlich. In Regionen, in denen die MSD anerkannt sind, kann der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich für die Bezahlung eines Alltagsbegleiters eingesetzt werden. Für welche Dienstleister das gilt, kann man bei der Pflegekasse erfragen. Sie ist verpflichtet, eine Übersicht der anerkannten Angebote inklusive der Leistungs- und Kostenbeschreibung zur Verfügung zu stellen.

 

Fahrdienste oft kostenlos

Wie bei anderen mobilen Serviceleistungen können die Kosten für Fahrdienste von Anbieter zu Anbieter und auch regional stark variieren. Deshalb ist auch hier Vergleichen angesagt. Teilweise können Wohlfahrtsverbände durch Spenden oder Zuschüsse vom Landkreis Fahrten sogar kostenlos anbieten. In begründeten Fällen übernimmt auch die Pflegeversicherung eine Anzahl von Beförderungen.

 

Checkliste: Haushaltshilfen

  • Kennenlernen: Gibt es ein kostenloses Erstgespräch, idealerweise einen Hausbesuch, bei dem die gewünschten Dienstleistungen genau besprochen werden?
  • Abrechnung: Sind die Preise transparent? Wird pauschal oder nach Zeit bezahlt? Im zweiten Fall sollte im 15-Minuten-Takt abgerechnet werden. Was ist mit Zusatzkosten etwa für die Anfahrt? Gibt es vielleicht sogar ein kostenloses Probearbeiten?
  • Schriftliches: Werden ein detailliertes Angebot erstellt und ein schriftlicher Vertrag aufgesetzt?
  • Personal: Kommt immer dieselbe Person in Haus? Was ist mit der Vertretung im Urlaubs- und Krankheitsfall? Kann der Mitarbeiter gewechselt werden, wenn die „Chemie“ nicht stimmt?
  • Versicherung: Ist der Anbieter gegen Schäden, die bei der Arbeit verursacht werden könnten, ausreichend versichert?
  • Flexibilität: Mit welcher Vorlaufzeit können einzelne Termine kostenlos abgesagt werden? Was ist, wenn der Dienstleister einen Termin absagen muss?
  • Kündigungsfrist: Wie ist die Vertragslaufzeit? Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Grundlaufzeit von maximal zwei Monaten und danach eine Kündbarkeit innerhalb von fünf Werktagen.
  • Erreichbarkeit: Ist ein fester Ansprechpartner vorhanden, der zu den üblichen Geschäftszeiten erreichbar ist?
 

Checkliste: Essen auf Rädern

  • Vielfalt: Es gibt verschiedene Menüs zur Auswahl. Werden regelmäßig Gemüse, Obst und auch Salate angeboten?
  • Spezialkost: Auf besondere Ernährungsansprüche (beispielsweise Diätkost, Vegetarier) kann Rücksicht genommen werden.
  • Kennzeichnung: Die Speisen sind ausreichend gekennzeichnet, mit Angaben zu Kalorien, Nährstoffgehalt, Allergenen, Alkohol und Zusatzstoffen.
  • Abwechslung: Der Speiseplan wiederholt sich frühestens alle drei Monate. Auch Wochenenden und Feiertage sind abgedeckt.
  • Probe-Essen: Es gibt ein kostenloses Probemenü. Geschmack und Verpackung stimmen.
  • Kurzfristige Bestellung: Menüs können kurzfristig – am besten nur einen Tag vorher – bestellt werden, nachträgliche Ab- und Umbestellungen sind ebenfalls möglich. Ab wann entstehen Extra-Kosten?
  • Pünktlichkeit: Die Mahlzeiten können zum gewünschten Zeitpunkt geliefert werden.
  • Ende: Eine kurzfristige Kündigung des Dienstes ist möglich.
  • Ansprechpartner: Es gibt einen gut erreichbaren Ansprechpartner für Fragen und Probleme.
  • Preisrahmen: Die Kosten für eine Mahlzeit liegen etwa bei vier bis sieben Euro.
 

Gesellschaft und Begleitung

Alltagsbegleiter
Bei vielen ehrenamtlichen Sozialen Diensten können auch begleitete Ausflüge wahrgenommen werden © mediaphotos/iStock

Soziale Aktivitäten wie Alltagsbegleiter bei Spaziergängen, Reden und Vorlesen gehören zu den Mobilen Sozialen Diensten. Hier ist es oft sinnvoll, sich nach den zahlreichen ehrenamtlichen Angeboten zu erkundigen, zum Beispiel bei der Kirchengemeinde, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen oder einem Seniorenbüro. Auch von den Wohlfahrtsverbänden werden oft ehrenamtliche Einsätze organisiert. Ob junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr oder engagierte Rentner und Rentnerinnen – oft sind solche Besuche für Pflegebedürftige ein Lichtblick im Alltag.

 

Hausnotruf: So funktioniert es

Ein Hausnotrufsystem besteht aus zwei Komponenten: dem Sender und der Basisstation. Der wasserdichte Sender wird als Brosche, an einem Armband oder einer Halskette vom Nutzer ständig bei sich getragen. Im Notfall – etwa bei einem Sturz oder Unwohlsein – nimmt er auf Knopfdruck über die Basisstation Kontakt mit der Notrufzentrale auf, die 24 Stunden am Tag besetzt ist. Die Mitarbeiter versuchen zunächst, den Hilferufenden über die Wechselsprechanlage zu erreichen und die Lage einzuschätzen. Dann alarmieren sie je nach Dringlichkeit und Absprache die Angehörigen, den Bereitschafts- oder Rettungsdienst. Um den Hausnotruf zu nutzen, muss der Betreffende in der Lage sein, Notsituationen als solche zu erkennen – Menschen mit Demenz ist das oft nicht möglich.

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Hausnotrufe geben Senioren, die generell noch allein leben können, aber Stürze fürchten, mehr Sicherheit geben © PeopleImages/iStock

Die Kosten für einen Basisvertrag bestehen meist aus einer einmaligen Anschlussgebühr (circa 10 bis 50 Euro) und einer monatlichen Gebühr (circa 18 bis 25 Euro). Bei bestehendem Pflegegrad besteht bei anerkannten Anbietern die Möglichkeit einer Übernahme durch die Pflegeversicherung. Diese zahlt dann 10,49 Euro für die Anschlusskosten und monatlich 18,36 Euro. Einige Anbieter haben ihre Preise darauf abgestimmt. Zusatzdienste wie Schlüsselaufbewahrung, Aktivitätsmelder oder die Erinnerung an Medikamenteneinnahme müssen extra bezahlt werden.

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