Wichtige Tipps bei Nasenbluten – Gefahren einer unterschätzten Volkskrankheit

Nasenbluten nicht unterschätzen
Nasenbluten betrifft jeden von Zeit zu Zeit. Aber viele wissen nicht, dass in rund 20 Prozent der Fälle eine erhöhte Gesundheits- und sogar Lebensgefahr bestehen kann © Shutterstock

Die meisten Deutschen leiden mindestens einmal im Leben an Nasenbluten. Manche Menschen leiden kurz, manche häufiger und heftiger an den Blutungen. Zumeist sind die gesundheitlichen Konsequenzen unbedenklich. Doch immer wieder werden gerade deswegen die Gefahren unterschätzt, die durch starkes Nasenbluten entstehen können. Praxisvita zeigt Ihnen häufige Irrtümer, unterschätzte Gefahren und die wichtigsten Tipps zum Thema Nasenbluten.

Eine aktuelle Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery veröffentlicht wurde, zeigt, dass drei von fünf Menschen im Laufe ihres Lebens an einer mehr oder weniger stark blutenden Nase leiden. Der Großteil des in Fachkreisen als Epistaxis bekannten Phänomens verläuft für die Betroffenen ungefährlich. Nur zehn Prozent der Personen, die unvermittelt Nasenbluten bekommen, begeben sich überhaupt in ärztliche Behandlung. Ein medizinisches Eingreifen durch die Ärzte war selbst in solchen Fällen nur bei rund 38 Prozent der Patienten überhaupt notwendig. In allen anderen Fällen lassen die Blutungen ohne Behandlung nach.

 

Wenn Nasenbluten gefährlich wird

Entscheidend ist, wo die Blutungen in der Nase entstehen. Laut der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde blutet in etwa 80 Prozent der Fälle der vordere Abschnitt – auch Locus Kiesselbachi genannt – der Nasenscheidenwand. Die Blutung kann zwar auch in diesen Fällen stark sein, da dieser Bereich zu den am besten durchbluteten Körperteilen gehört, ist aber in der Regel ungefährlich. Ein weiterer Grund, wieso es vornehmlich im vorderen Abschnitt der Nase blutet, ergibt sich aus der Lage der dort verlaufenden Blutgefäße. Die liegen nämlich sehr nah unter der Hautoberfläche und sind deswegen besonders leicht zu verletzen.

Nasenbluten ernst nehmen
Wenn man wegen einer blutenden Nase zu viel Blut verschluckt, können die Folgen fatal sein: Lungenentzündung und Atemstillstand enden nicht selten in lebensgefährlichen Situationen© Fotolia

In einem von fünf Fällen stark blutender Nasen sind aber die Arterien im hinteren Teil der Nase Ausgangspunkt für die Blutung. In diesem Fall besteht Gefahr für die Gesundheit und sogar das Leben des Betroffenen. Die Blutmengen, die bei einer Arterienverletzung aus der Nase laufen, sind erheblich höher, als im vorderen Nasenbereich.

 

Die unterschätzten Gefahren einer blutenden Nase

Eine naheliegende und dennoch häufig nicht ernstgenommene Gefahr ist die des Verblutens. Das passiert zwar selten, ist aber eine Arterie im hinteren Nasenbereich verletzt, kann so viel Blut verloren gehen, dass es zu einer lebensgefährlichen Hypovolämie – einem Mangel an zirkulierendem Blut in den Gefäßen aufgrund starken Blutverlusts – kommen kann.

Neben der Gefahr des Verblutens besteht ein Risiko durch das Verschlucken oder Einatmen des Blutes. Schluckt man zu viel Blut, kann das zu Übelkeit und Erbrechen führen. Kommt Blut über die Nase in die Lunge, kann das lebensbedrohliche Konsequenzen, wie Atemstillstand oder schwere Lungenentzündungen, auslösen.

 

Nasenbluten: Warnsignal des Körpers

Kommt es zu regelmäßigem Nasenbluten, kann dies ein Hinweis auf andere, zum Teil ernsthafte Erkrankungen sein, die bisher in anderer Weise noch nicht in Erscheinung getreten sind. So kommen beispielsweise Tumoren in den Nebenhöhlen sowie stark ausgedehnte Polypen als Auslöser für starkes Nasenbluten in Frage. Ebenso sind Nasenblutungen ein Warnsignal dafür, dass der Blutgerinnungsfaktor bei dem Betroffenen gestört ist.

Neben äußerlichen Einwirkungen auf die empfindlichen Blutgefäße in der Nase tritt Nasenbluten oft mit Erkrankungen im Nebenhöhlenbereich – vor allem  aufgrund von trocknen Schleimhäuten bei Erkältungen – auf. Aber auch die Einnahme von Medikamenten, die den Blutgerinnungsfaktor verringern – wie z.B. Aspirin – , sind Auslöser blutender Nasen. Zudem kann eine stark blutende Nase durch Leberschäden, Hepatitis, Diabetes oder einen gesundheitsbedrohlichen Mangel an Vitamin K, B12 oder Folsäure hervorgerufen werden.

Trockne Luft oder Druckschwankungen sind weitere äußerliche Faktoren für Nasenbluten, die aber in der Regel keine Gesundheitsgefährdungen nach sich ziehen.

 

9 Tipps gegen Nasenbluten

1) Wenn Ihre Nase blutet, sollten Sie niemals den Kopf in den Nacken legen, sondern eine nach vorn gebeugte Körperhaltung einnehmen. Viele Menschen legen, in der Hoffnung so die Blutung stoppen zu können, den Kopf nach hinten. Der Gedanke, dass das Blut aufhört zu laufen, wenn es nicht mehr ablaufen kann, ist ein gefährlicher Irrtum. Verhindern Sie das Ablaufen des Blutes aus der Nase, indem Sie den Kopf nicht nach hinten neigen. Anderenfalls kann das Blut in die Lunge oder den Magen gelangen. Außerdem wird die Blutung auf diese Weise nicht gestoppt.

2) Vermeiden Sie es, wenn es Ihr Befinden zulässt, sich mit einer blutenden Nase hinzulegen. Es entsteht dabei ein ähnlicher Effekt, wie beim Kopf in den Nacken legen. Das Blut kann nicht ablaufen und im schlimmsten Fall in Ihre Lunge oder den Magen gelangen. Setzen Sie sich aufrecht hin und lassen Sie das Blut ‚nach vorne’ ablaufen.

3) Auch wenn es im ersten Augenblick logisch erscheint: Stecken Sie sich bei Nasenbluten nichts – wie z.B. Watte oder Taschentücher – in die Nase. Dadurch wird nicht nur das Ablaufen des Blutes aus der Nase und den Nebenhöhlen verhindert, es besteht auch die Gefahr, dass beim Herausziehen des Pfropfens die Wunde in der Nase wieder aufgerissen und sogar vergrößert wird.

Nichts in die Nase stecken
Wenn Sie Nasenbluten haben, neigen Sie den Kopf nach vorne und lassen Sie das Blut abfließen. Stecken Sie sich nichts in die Nase, was den Blutausfluss hindern könnte© Corbis

4) Um die Blutung zu stoppen, empfehlen Experten, sich einen kalten Umschlag oder Kühl-Akku in den Nacken zu drücken. Dadurch verengen sich die Blutgefäße in der Nase und die Blutung endet von selbst.

5) Bei besonders starker Nasenblutung – wie zum Beispiel nach einer äußerlichen Einwirkung – können Sie kurzfristig die Nasenflügel mit den Fingern zudrücken, um die Blutung zu stoppen. Achten Sie aber darauf, dass Sie kein Blut verschlucken oder einatmen. Im Zweifel das Blut laufen lassen.

6) Ein Geheimtipp bei Nasenbluten ist der sogenannte „Papiertrick“: Legen Sie dafür ein kleines, saugfähiges Stück Papier unter die Zunge. Der so ausgelöste Reiz, lässt die Gefäße verengen und die Blutung endet.

7) Vermeiden Sie Nasensprays – auch nach dem Abklingen der Nasenblutungen. Das gilt vor allem für Sprays, die Oxymetazolin, Tramazolin oder Kortison enthalten. Diese Stoffe verdünnen die Schleimhäute in der Nase, sodass Blutungen wieder auftreten oder heftiger ausfallen können.

8) Besondere Vorsicht sollten auch Schwangere walten lassen. Durch die schwangerschaftsbedingte Veränderung des Hormonhaushalts sind die Blutgefäße in der Nase geweitet. Das birgt ein größeres Risiko für Nasenbluten und lässt die Nase oft auch heftig bluten.

9) Grundsätzlich gilt aber, dass irgendwann ein Arzt aufgesucht werden sollte. Wenn sich nach zehn bis 15 Minuten die Blutung nicht stoppen lässt, sollten Sie sich in ärztliche Behandlung begeben. Gleiches gilt bei außergewöhnlich starken Blutungen, die mit den beschriebenen Maßnahmen von vornherein nicht behandelt werden konnten.

Weitere Informationen darüber, wie Sie Nasenbluten vorbeugen können, finden Sie hier.

Hamburg, 19. Mai 2014

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