Wespe: Geflügelter Gangster

Wespen weglocken vom Esstisch
Stellen Sie ein leeres Marmeladenglas drei Meter vom Esstisch entfernt hin, um die Wespe dorthin zu locken © Fotolia

Wespen – Im Sommer bleibt praktisch niemand von den schwarzgelben Schmarotzern verschont. Oft endet die Begegnung mit einem Insektenstich. Erfahren Sie hier mehr über die unbeliebten, aber eigentlich nützlichen Insekten.

Der Steckbrief des Störenfrieds: Summen, brummen, in die Haare fliegen, auf den Kuchen krabbeln, in die Cola-Gläser plumpsen und leider auch mal stechen. Eine Wespe hat bedauerlicherweise den gleichen Geschmack wie wir: Sie liebt Süßes, aber auch Grillfleisch, sie süffelt gern Limonade, aber auch Bier – kurz: Alles, was unsere Gaumen erfreut, zieht auch die lästige Nahrungskonkurrenz aus der Luft magisch an.

 

Echte Wespe: 11 verschiedene Arten

Europaweit gibt es die sogenannte Echte Wespe in elf Arten. Am erfolgreichsten sind die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe, die Staaten mit bis zu siebentausend Einwohnern gründen. Beide haben einen kurzen Kopf, lange Fühler, einen kleinen Vorderkörper und einen großen Hinterleib, dazwischen die typische Wespentaille und natürlich die schwarzgelben Streifen.

Den Unterschied erkennen auch Experten nur am Nestbau: Die Gemeine Wespe zerkaut dazu wie ihre große Schwester, die Hornisse, am liebsten morsches, verfallenes Holz von verrotteten Baumstämmen. Die Deutsche Wespe bevorzugt dagegen verwittertes Totholz von alten Zäunen und Weidepfählen. Stabilität garantieren beide Bauweisen: Die Papierwände sind elastisch, die Verankerung aber sturmfest, und das Innere gegen Wasser und Kälte geschützt.

 

Darum ist die Wespe nützlich

Dort wachsen die Larven heran, und die brauchen Proteine. Eine Wespe liebt zwar Süßigkeiten, aber viel wichtiger ist eiweißhaltige Kost, und die findet sie im Flug: Mücken, Fliegen und andere Insekten. Deshalb sind Wespen nicht nur nützlich, sondern sogar naturgeschützt: Ein großes Volk vertilgt am Tag ein Pfund Insekten, das ist ebenso viel, wie sechs Meisenfamilien schaffen!

Wespen summen seit 65 Millionen Jahren auf Erden, viel länger als wir Menschen. Manche wurden in der Eiszeit von Baumharz erwischt und bis in unsere Gegenwart als Bernstein-Einlage konserviert. Der griechische Philosoph Aristoteles rühmte sie als besonders arbeitsame Tiere, schon die alten Römer fürchteten ihre Aggressivität.

 

Eine Wespe sticht immer wieder zu

Je mehr die moderne Wissenschaft über die sausenden Süßkramschnorrer herausfindet, desto vernünftiger ist es, die entsprechenden Ratschläge zu befolgen. Denn anders als die Biene hat die Wespe keinen Widerhaken am Stachel, kann also immer wieder zustechen. Und jeder Stich setzt, ebenso wie der Tod einer Wespe, Alarmpheromone frei. Die Geruchsmoleküle verbreiten sich rasend schnell durch die Luft und locken weitere Wespen herbei. Schlimmer noch: Die neuen Angreifer sind bereits vorgewarnt und entsprechend angriffslustig. Findet also eine Wespe den Weg zu Ihrem Kirschkuchen, warten Sie am besten erst mal ruhig ab. Bleibt sie der einzige ungebetene Gast, wird sie bald satt sein und ganz von allein wieder abziehen. Erst wenn mehrere auftauchen, empfehlen sich Abwehrmaßnahmen.

 

Wespen als Indikatior für die Umwelt

Außerdem sind Wespen auch ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer Umwelt: Solange es noch Igel, Dachse und Spitzmäuse gibt, solange noch Bienenfresser und Wespenbussard durch unseren Himmel kreisen, werden Wespenplagen die Ausnahme bleiben.

 

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