Werden wir bald alle blind?

Verena Elson
Immer mehr junge Menschen sind kurzsichtig, zeigen Studien
Immer mehr junge Menschen sind kurzsichtig, zeigen Studien © iStock/eclipse_images

Unter jungen Europäern breitet sich eine Kurzsichtigkeitsepidemie aus, darauf deuten Studien hin. Sind unsere Smartphones schuld daran – und wie kann ich mich schützen?

Beim Frühstück Mails checken, in der Bahn online Nachrichten lesen, im Büro am Bildschirm arbeiten und abends vor dem Fernseher entspannen – so sieht der typische Tagesablauf vieler junger Deutscher aus. An so einem Tag wird den Augen etwas Wichtiges vorenthalten: der Blick in die Ferne. Denn dieser schützt uns vor Kurzsichtigkeit.

 

Je jünger, desto kurzsichtiger

Eine 2015 veröffentlichte Erhebung zeigte, dass unter jungen Europäern geradezu eine Sehschwächen-Epidemie um sich greift. Demnach leiden 47 Prozent der 25-Jährigen an Kurzsichtigkeit – unter den 55-Jährigen sind es nur 28 Prozent und unter den 70-Jährigen 14 Prozent. Nach Ansicht der Forscher liegt das daran, dass junge Menschen heute deutlich mehr Zeit an Bildschirmen verbringen als die Generationen vor ihnen – und weniger Zeit in Umgebungen, wo der Blick in die Ferne schweifen kann. 

Eine Studie der Universität Mainz zeigt außerdem, dass das Risiko für Kurzsichtigkeit mit dem Bildungsgrad steigt. Auch das erklären sich die Wissenschaftler mit der mangelnden Gelegenheit in die Ferne zu blicken: Die Schul- und Universitätsausbildung geht mit dem jahrelangen Lernen drinnen und am Bildschirm einher. Dazu kommt, dass Akademiker dazu neigen, einen größeren Teil ihrer Freizeit mit dem Lesen von Büchern zu verbringen als Menschen mit einem niedrigeren Bildungsstand – und auch dabei ist der Blick nur in die Nähe gerichtet. Doch wie führt das „nahe“ Sehen eigentlich dazu, dass man kurzsichtig wird?

 

Wie Smartphones uns kurzsichtig machen

In den meisten Fällen ist die Ursache der Kurzsichtigkeit ein zu langer Augapfel. Während der Augapfel bei der Geburt in der Regel noch etwas zu kurz ist (d.h. Neugeborene sind leicht weitsichtig), wird er in den folgenden Jahren immer länger. Er wächst so lange, bis er seine optimale „Arbeitsentfernung“ erreicht hat – das Wachstum richtet sich also auch (neben erblichen Faktoren) nach dem „Bedarf“ des Auges.

Blickt eine Person hauptsächlich in Bücher oder auf Bildschirme, geht der Augapfel davon aus, dass die „Arbeitsentfernung“ eine kurze ist und wächst entsprechend immer weiter. Die Folge: In der Ferne liegende Objekte werden nur noch verschwommen wahrgenommen. Halten wir uns dagegen viel im Freien auf und blicken häufig in die Ferne, stoppt das Wachstum des Augapfels früher.

 

Die beste Vorbeugung: in die Ferne blicken

Die beste Strategie zur Vorbeugung liegt auf der Hand: Die am Smartphone und anderen Bildschirmgeräten verbrachte Zeit möglichst verringern und häufig in die Ferne blicken. Eine 2014 veröffentlichte Studie zeigte, dass Kinder ein deutlich geringeres Risiko haben, kurzsichtig zu werden, wenn sie wöchentlich mindestens 14 Stunden im Freien verbringen. Der Grund dafür liegt laut Annahme der Forscher neben dem häufigeren Blick in die Ferne in vom Sonnenlicht ausgelösten Stoffwechselprozessen, die einer Verformung des Augapfels entgegenwirken.

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