Wer wird Millionär – Kandidatin erzählt von Magersucht

Daniela Dittmann bei „Wer wird Millionär“
Kandidatin Daniela Dittmann erzählte bei „Wer wird Millionär“ von ihrer überstandenen Magersucht © RTL

Gestern Abend berührte eine Kandidatin der Quizshow "Wer wird Millionär" Millionen Zuschauer mit ihrer Geschichte: Sie erzählte, wie sie ihre Magersucht besiegte.

In ihrer Abiturzeit begann Daniela Dittmann eine Diät – und damit startete ihre dramatische Krankheitsgeschichte. Denn die Teenagerin rutschte in eine Magersucht ab, die zehn Jahre lang andauerte. Am Ende wog sie nur noch 29 Kilogramm. „Ich bin tagtäglich zusammengebrochen, ich konnte keine Treppen mehr laufen, ich konnte meinen eigenen Kopf nicht mehr heben, ich konnte nichts mehr. Ich habe quasi nur noch vor mich hin geatmet“, erzählte die Kandidatin am 26. Oktober bei „Wer wird Millionär“.

Es folgten mehrere Klinikaufenthalte, zwei ihrer Freundinnen starben in dieser Zeit an der Magersucht. Doch Daniela Dittmann sah keine Gefahr für sich selbst: „Man sieht sich nicht so, wie man tatsächlich ist.“ Sogar der Moment, als sie in einem Krankenhausbett lag, in dem in der Nacht zuvor ein Mädchen an Magersucht gestorben war, brachte keine Einsicht: „Ich dachte, das passiert mir doch nicht.“

Den Wendepunkt brachte ein ganz bestimmtes Ereignis: Als der Chefarzt zu ihrer Mutter sagte „packen Sie die Taschen, das wird nichts mehr“ und diese weinend auf dem Krankenhausflur zusammenbrach, wusste sie: „Du kannst nicht vor deinen Eltern gehen, du bist ihr einziges Kind.“ Und ihr Kampf gegen die Magersucht begann: „Ich hab mich da rausgekämpft. Ich bin ein Kämpfer.“

In den kommenden zehn Monaten nahm sie 25 Kilogramm zu und konnte ihr Studium beginnen. Heute hält sie Vorträge an Schulen, um ihre Erfahrungen an andere junge Mädchen weiterzugeben. Am Ende konnte die 31-Jährige 32.000 € mit nach Hause nehmen.

 

Wie kommt es zur Magersucht?

Magersucht (Anorexie) trifft vor allem Mädchen und Junge Frauen zwischen zwölf und 21 Jahren. Bei der Entstehung der Krankheit spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. Häufig sind sehr ehrgeizige, pflichtbewusste und perfektionistische Menschen betroffen, die in ihrer Kindheit mit guten schulischen oder sportlichen Leistungen glänzten. Treten dann belastende Situationen in Schule, Familie oder Partnerschaft auf, haben Betroffene das Bedürfnis, die Lage zu kontrollieren. Gelingt ihnen das nicht, übertragen sie das Kontrollbedürfnis auf den eigenen Körper. Auch Schuldgefühle und traumatisierende Ereignisse wie Missbrauch können dazu führen, dass Betroffene sich die Nahrungsaufnahme versagen.

Gerade junge Menschen sind besonders empfänglich für von den Medien propagierte Schönheitsideale – können sie diese nicht erreichen, führt das schnell zu Minderwertigkeitsgefühlen. Kürzlich ergab eine Studie, dass die Modelshow „Germany’s Next Topmodel“ bei der Entwicklung von Essstörungen häufig eine Rolle spielt. Bestimmte Gruppen von Sportlern (z.B. Tänzerinnen, Jockeys) sind zudem besonders gefährdet, weil sie unter dem Druck stehen, ein niedriges Gewicht zu halten. Auch erbliche Faktoren können die Entstehung einer Magersucht begünstigen: Ist ein Elternteil schon einmal an Anorexie oder einer anderen Sucht erkrankt, erhöht dies das Magersucht-Risiko.

 

Ab wann beginnt die Magersucht?

Ein normaler Body-Mass-Index (BMI) liegt bei 18,5 bis 24. Bei einem BMI unter 18 sollten Betroffene, Angehörige und Ärzte hellhörig werden. Weitere körperliche Anzeichen einer Magersucht sind Bauchschmerzen, Haarausfall und das Ausbleiben der Regelblutung.

Die erste Anlaufstelle für Betroffene oder Angehörige ist meist der Hausarzt oder eine Beratungsstelle. Dann folgt eine psychotherapeutische Therapie. Ziele der Behandlung sind die Besserung der Symptome und die gleichzeitige Bekämpfung der Ursache. Je nach Schweregrad der Erkrankung erfolgt die Therapie ambulant oder stationär. Telefonische Beratung erhalten Betroffene bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Hamburg, 27. Oktober 2015

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