Wer langsam geht, stirbt früher

Verena Elson

Unsere Gehgeschwindigkeit sagt mehr über unsere Lebenserwartung aus als unser Gewicht – das haben britische Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden.

Eine Frau geht schnell
Ein flotter Gang weist auf eine hohe Lebenserwartung hin, besagt eine aktuele Studie Foto:  stock-eye/iStock

Wissenschaftler des National Institute for Health Research (NIHR) Leicester Biomedical Research Centre werteten die Daten von 474.919 Personen aus, die im Rahmen der Langzeitstudie UK Biobank erfasst wurden.

Das vorrangige Ergebnis der Studie: Wer sich mit flottem Schritt bewegt, hat eine höhere Lebenserwartung als Personen, die eher gemächlich unterwegs sind. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu: 2018 kamen australische Forscher in einer Studie zur Gehgeschwindigkeit zu dem Ergebnis, dass eine mittlere bis hohe Gehgeschwindigkeit (also etwa fünf bis sieben km/h) das Risiko eines frühzeitigen Todes verringert.

 

Neue Studie berücksichtigt Gehgeschwindigkeit und BMI

Als möglichen Zusammenhang vermuteten Mediziner unter anderem das Körpergewicht: Wer langsam läuft, hat häufig auch einen hohen BMI (Body Mass Index) – in Wahrheit könnte demnach auch das hohe Körpergewicht hinter dem erhöhten Sterberisiko stecken.

In der neuen Laufstudie gingen die Forscher um Prof. Tom Yates darum einen Schritt weiter und untersuchten, ob die Gehgeschwindigkeit auch unabhängig vom BMI Auswirkungen auf die durchschnittliche Lebensdauer hat. Ihre Auswertung ergab: Durch alle BMI hindurch steigt die Lebenserwartung mit der Gehgeschwindigkeit – das Gewicht kann also nicht allein für den Zusammenhang verantwortlich sein. Die Gehgeschwindigkeit der Probanden stuften die Forscher basierend auf deren Angaben ein; sie bezeichneten sich selbst entweder als schnelle oder langsame Geher.

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Besonders schlecht für die Lebenserwartung: untergewichtig und langsam

Ein Ergebnis der Studie war besonders bemerkenswert: Die geringste Lebenserwartung haben Menschen, die langsam gehen und einen BMI unter 20 haben, also untergewichtig sind. Bei ihnen beträgt die durchschnittliche Lebensdauer 72,4 Jahre (Frauen) beziehungsweise 64,8 Jahre (Männer). Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebensdauer von schnellen Gehern liegt bei 86,7 bis 87,8 Jahren (Frauen) beziehungsweise 85,2 bis 86,8 Jahren (Männer).

„Unsere Erkenntnisse können dazu beitragen klarzustellen, welche relative Bedeutung die körperliche Fitness im Vergleich zum Körpergewicht für die Lebenserwartung von Individuen hat“, so Yates. „In anderen Worten: Die Ergebnisse legen nahe, dass körperliche Fitness ein besserer Indikator für die Lebenserwartung ist als der Body Mass Index (BMI) und dass die Motivation der Menschen, ihre Gehgeschwindigkeit zu erhöhen, ihr Leben um Jahre verlängern könnte.“

Quellen:
Stamatakis, E. et al. (2018): Self-rated walking pace and all-cause, cardiovascular disease and cancer mortality: individual participant pooled analysis of 50 225 walkers from 11 population British cohorts, in: British Journal of Sports Medicine.

Yates, T. et al. (2018): Comparative Relevance of Physical Fitness and Adiposity on Life Expectancy, in: Mayo Clinic Proceedings.

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