Wer ist der Vater? Gewissheit schon in der 8. Woche

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
DNA-Test
Vaterschaftstests können inzwischen schon vor der Geburt mit einem einfachen Bluttest durchgeführt werden. © Alamy

Ein neuer DNA-Test bringt schon zwei Monate nach Empfängnis Klarheit über den Vater des Kindes.

Ein neu entwickelter Vaterschaftstest soll in Zukunft durch einen einfachen Bluttest den Vater des Kindes bestimmen, wenn das Baby noch gar nicht geboren ist. Schon zwei Wochen nach Empfängnis lässt sich so nicht nur der leibliche Vater bestimmen, sondern auch das Geschlecht des Babys. 

Der Vorteil: Der Test ist im Gegensatz zu bisherigen pränatalen Erbgutbestimmungen (zum Beispiel Fruchtwasseruntersuchung) völlig ungefährlich für Mutter und Baby.

Um den Test durchzuführen, wird eine Blutprobe der Mutter und eine Speichelprobe des potentiellen Vaters benötigt. Da ab der achten Schwangerschaftswoche bereits genug Zellen des Fötus im Blutkreislauf der Mutter zirkulieren, kann der Test schon zu diesem frühen Zeitpunkt angewendet werden.

 

Pränataler Vaterschaftstest ohne Risiko für den Fötus

Die Firma, die den neuen risikofreien Test produziert, AlphaBiolabs, will den Test in wenigen Monaten auf den britischen Markt bringen. Auch in Holland, Österreich und einigen US-Laboren ist die  nicht-invasive Testmethode bereits möglich. Der Preis liegt bei 800 bis 1500 Euro. Die britische Firma plant jedoch, die Preise bis auf etwa 400 Euro senken zu können. Außerdem bietet sie einen Overnight-Service für besonders ungeduldige Eltern an. AlphaBiolabs will durch die frühe Testmethode auch Männern dabei helfen, keine Bindung zu einem ungeborenen Kind einzugehen, das möglicherweise gar nicht das eigene ist. Dies betrifft viele Väter, die sonst erst nach der Geburt erfahren, dass das Kind nicht von ihnen ist, aber bereits während der gesamten Schwangerschaft eine Bindung zu dem Kind aufgebaut haben.

Einen Nachteil hat der Test allerdings: AlphaBiolabs kann noch keine 100-prozentige Sicherheit des Testergebnisses garantieren. Diese liegt im Moment bei etwa 95 Prozent. Die Firma empfiehlt zweifelnden Paaren deshalb, nach der Geburt noch einen zweiten Test zur Absicherung durchführen zu lassen.

Bisher waren pränatale Vaterschaftstests nur durch aufwendige invasive Verfahren möglich, die immer ein gewisses Risiko für Fehlgeburten tragen. So kann man ab der 11. Schwangerschaftswoche eine Probe aus der Plazenta entnehmen (Chorionzottenbiopsie) um das Erbgut des Fötus’ zu untersuchen. Bei der erst ab der 13. Schwangerschaftswoche möglichen Amniozentese werden fetale Zellen über eine Spritze in den Bauch aus dem Fruchtwasser entnommen.

 

Bald Gesetzesänderung in Deutschland?

Die neue Art der Vaterschaftsbestimmung mittels Bluttest könnte in Deutschland auch Gesetzesänderungen bewirken. Bisher ist es Privatpersonen untersagt, ohne staatsanwaltliche Anordnung pränatale Vaterschaftstests durchführen zu lassen. Der Gesetzgeber, der bisher nur von den risikoreicheren Invasivmethoden ausgegangen ist, will auf diese Weise das Leben der Ungeborenen vor unnötigen Risiken schützen. Die nicht-invasive und somit ungefährliche Methode könnte dieses Verbot kippen.

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Hamburg, 24. Juni 2016

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