Wer braucht unsichtbare Tattoos?

Sarah Schwiete Medizinredakteurin
Die neu entwickelte fluoreszierende Tinte markiert zu behandelnde Stellen bei Hautkrebspatienten
Die neu entwickelte fluoreszierende Tinte markiert zu behandelnde Stellen bei Hautkrebspatienten © IStock

Im medizinischen Bereich kommen Tätowierungen häufiger vor als gedacht. Doch bleiben diese Markierungen dauerhaft unter der Haut? In Zukunft vielleicht nicht mehr, denn US-Wissenschaftlern ist eine unglaubliche Erfindung gelungen. Entdecken Sie hier die spannenden Hintergründe.

Besonders in den warmen Monaten, wenn die Kleidung kürzer wird, kommen sie wieder zum Vorschein – die kunstvollen Tattoos auf Armen, Schultern und Beinen. Allein in Deutschland ist bereits fast jeder Vierte unter 30 Jahren tätowiert. Inzwischen werden Tattoos aber nicht mehr nur als Körperschmuck eingesetzt. Auch im medizinischen Bereich kommen Tätowierungen immer häufiger vor.

 

Tätowierungen zur Hautkrebs-Markierung

Ärzte verwenden Tätowierungen oft bei Patienten, um den Bereich für eine künftige Behandlung zu kennzeichnen. Dies ist gerade bei Hautkrebsbehandlungen, vor allem bei einem sogenannten Basalzellkarzinom, der Fall. Bei Patienten, die mit dieser Hautkrebs-Form diagnostiziert werden, vergeht meist eine Zeit von bis zu drei Monaten zwischen der Entnahme der Gewebeprobe und Behandlung. Damit die Ärzte die zu behandelnde Stelle nach dieser Zeit sicher wiederfinden, wird sie mit Kohlenstoff-Graphit, Indischer Tinte oder fluoreszierenden Farbstoffen markiert. Das Problem bei diesen Tinten: Sie können gesundheitliche Probleme, wie Allergien hervorrufen. Außerdem bleiben die Markierungen dauerhaft unter der Haut und können nur per Laser oder durch einen chirurgischen Eingriff wieder entfernt werden.

 

Tinte verschwindet vollständig

Nun haben US-Wissenschaftler eine neue Tinte erfunden, die nur unter bestimmten Lichtverhältnissen leuchtet und nach einer gewissen Zeit vollständig verschwindet.

Die Forscher entwickelten ein zeitlich begrenztes Pigment, bei dem sich fluoreszierende und sogenannte supramolekulare Nanopartikel mit einem Polymer verbinden. Unter normalem Tageslicht ist diese Tinte unsichtbar, wodurch unerwünschte Markierungen in der Haut des Patienten vermieden werden. Jedoch leuchtet dieses Pigment unter einem Licht, das eine Wellenlänge von 465 Nanometern hat. Mithilfe einer speziellen Lampe sind Ärzte so in der Lage, diese Markierungen „sichtbar“ zu machen. Tests bei Mäusen zeigten, dass Tattoos, die mit dieser Tinte erzeugt wurden, keine Entzündung oder Allergien verursachten und etwa drei Monate lang hielten.

 

Fluoreszierendes Tattoo als Party-Accessoire?

Wer nun gehofft hat, sich ein Tattoo stechen zu lassen, dass zeitlich begrenzt ist und eventuell bei Schwarzlicht in Diskotheken zum Eyecatcher wird, der muss leider enttäuscht werden. Schwarzlicht hat eine Wellenlänge von 315-380 Nanometer, die fluoreszierenden Nanopartikel der neu entwickelten Tinte werden aber erst bei einer Wellenlänge von 465 Nanometer sichtbar.

Dauerhafte Tattoos, die mit fluoreszierender Farbe gestochen werden, sind jedoch nichts Neues. In Deutschland sind diese Tätowierungen auch als sogenannte „UV-Tattoos“ bekannt. Bei Tageslicht sind die Körperbilder nicht sichtbar, erst bei Schwarzlicht kommen sie jedoch zum Vorschein. Diese Form der Tätowierung ist ideal für Personen, die beispielsweise im Berufsleben keine Tattoos tragen dürfen oder die ihre Tätowierungen für andere „unsichtbar“ machen wollen. Jedoch bleibt diese Tinte, wie farbige Tinten auch, dauerhaft unter der Haut.

Wer kein bleibendes Tattoo möchte, muss trotzdem nicht auf den Körperschmuck verzichten. Hier die temporären Alternativen:

 

Airbrush

Ein Airbrush-Tattoo ist völlig schmerzfrei – denn es wird lediglich auf die Haut aufgesprüht. Mithilfe einer Schablone und hautverträglicher Farbe entsteht so innerhalb von ein bis zwei Minuten ein Tattoo, das bis zu sieben Tage hält.

 

Henna

Henna, auch Mehndi bzw. Mehendi, ist ein rötlicher Pflanzenfarbstoff, mit dem kunstvolle Ornamente auf die Haut gemalt werden. Die Farbe ist grundsätzlich unbedenklich. Aber aufgepasst: Um das Tattoo nicht rötlich, sonders schwarz zu färben, wird die Farbe mit PPD versetzt. Dieser Stoff kann schwere Allergien auslösen und Hautverletzungen verursachen. Teilweise treten die Symptome erst nach 14 Tagen auf. Henna-Tattoos halten bis zu zwei Wochen.

 

Klebetattoos

Temptu, Einmal-Tattoo, Klebetattoo, Fake Tattoo – für die Bildchen zum Aufkleben gibt es viele Namen. Sie sind in der Drogerie oder Online erhältlich und werden mithilfe einer Folie und etwas Wasser auf die Haut geklebt. Sie halten etwa vier bis sechs Tage.

 

Bio-Tattoo

Der Name ist irreführend – „bio“ ist an diesem Tattoo nichts. Die Methode: Die Tinte wird zwar in die Haut gestochen, allerdings nur in die oberen Hautschichten. Die Theorie: Hier baut sich die Farbe mit der normalen Hautregeneration wieder ab. Aber Vorsicht: Ein Tattoo wirklich nur in die oberen 0,3 Millimeter der Haut einzubringen, ist so gut wie unmöglich und kann von keinem seriösen Tätowierer garantiert werden!

 

Tattoo-Stifte

Spezielle Tattoostifte sehen aus wie normale Filzstifte. Mit ihnen lassen sich Motive freihändig oder mit einer Schablone auf die Haut aufmalen. Die Farbe hält ca. 1-2 Tage und kann mit Make-up-Entferner einfach wieder abgewischt werden.

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