Unterleibskrämpfe ohne Periode: Welche Ursachen stecken dahinter?

Daphne Sekertzi

Viele Frauen haben sich an wiederkehrenden Unterleibskrämpfen gewöhnt, denn sie gehören zu den häufigsten und dazu auch noch unvermeidbaren Menstruationsbeschwerden. Doch Schmerzen im Unterleib können auch ohne Periode auftreten. Welche Ursachen hinter Unterleibskrämpfen stecken können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Eine Frau liegt mit einer Wärmflasche auf dem Bauch mit angezogenen Beinen im Bett
Unterleibskrämpfe können auf eine Vielzahl von Erkrankungen hinweisen, aber oft sind die Ursachen harmlos Foto:  istock_Carlo107
 

Unterleibskrämpfe – die häufigsten Ursachen

Unterleibskrämpfe können sich auf verschiedene Weise äußern: durch Schmerzen, Stechen oder Ziehen. Die Beschwerden können einseitig sein oder sich über den ganzen unteren Bauchbereich zwischen Bauchnabel und Leisten erstrecken. Man unterscheidet dabei zwischen akuten und chronischen Unterleibsschmerzen. 

Wenn man während der Periode Schmerzen im Unterleib hat, ist die Ursache schnell ausgemacht. Bei Unterleibskrämpfen jedoch, die unabhängig von der Regelblutung auftreten, ist die Verunsicherung groß: Wodurch werden die Krämpfe verursacht, wenn Menstruationsbeschwerden als Auslöser wegfallen?

Bei Unterleibskrämpfen ohne Periode kommen folgende Ursachen in Frage

  • Schwangerschaft: Sowohl die Einnistung der Eizelle als auch die ersten Wochen der Schwangerschaft können von Schmerzen und einem Ziehen im Unterleib begleitet sei.
  • Eierstockzysten: Zysten an den Eierstöcken machen sich erst dann durch Unterleibskrämpfe bemerkbar, wenn sie so groß sind, dass sie auf benachbarte Organe drücken.
  • Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft: Bleibt die Periode aus und bestehen die Unterleibkrämpfe über einen längeren Zeitraum, können das Anzeichen dafür sein, dass sich eine Eizelle im Eileiter oder in der Bauchhöhle eingenistet hat.

Frau liegt mit Wärmflasche, Schockolade und Tagebuch auf dem Bett
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  • Mittelschmerz: Manche Frauen spüren ihren Eisprung durch leichtes Ziehen oder Schmerzen im Unterbauch. Die Beschwerden zeigen sich etwa 14 Tage vor Beginn der Periode und können einige Sekunden, Minuten bis hin zu mehreren Tagen anhalten.
  • Endometriose: Schleimhautzellen, die sich sonst nur in der Gebärmutter finden, wachsen außerhalb des Organs. Wenn die Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation wächst und blutet, schwellen auch diese Zellen an. Eine Entzündung der betroffenen Organe ist die Folge, was sich durch starke Unterleibkrämpfe äußert.
  • Entzündungen der Eierstöcke oder Eileiter: Bakterielle Infektionen der Geschlechtsorgane können von vielen Beschwerden begleitet werden – Unterleibskrämpfe gehören dazu. Sollte ein Verdacht auf eine Infektion bestehen, muss diese medikamentös behandelt werden, damit die Entzündung nicht chronisch wird.
  • Blasenentzündungen: Unterleibskrämpfe in Verbindung mit Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen können Hinweise auf eine Blasenentzündung sein.
  • Blinddarmentzündung: Unterleibskrämpfe ohne Periode können Anzeichen einer Blinddarmentzündung sein, wenn sich die Schmerzen auf der rechten Seite des Unterbauchs beschränken.
 

Unterleibskrämpfe nach dem Sex

Nicht immer muss eine Erkrankung hinter den Unterleibsschmerzen stecken. In manchen Fällen kann auch Geschlechtsverkehr zu unangenehmen Krämpfen führen, etwa, wenn es zu einer zu starken Stimulation des Gebärmutterhalses und infolge dessen zu Kontraktionen kommt. Zudem kann auch eine unbewusste Verkrampfung des Beckenbodens und Trockenheit der Vagina die Schmerzen im Unterbauch auslösen.

Foto: iStock
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Als Erste-Hilfe-Maßnahmen für Unterleibskrämpfe nach dem Sex helfen Wärmflaschen und Tees, da Wärme krampflösend wirkt. Wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erst gar nicht entstehen? Andere Sexpositionen und ein bewusstes Entspannen der Beckenbodenmuskulatur können Abhilfe schaffen und Unterleibskrämpfen vorbeugen. 

 

Unterleibskrämpfe in der Schwangerschaft 

Auch in der Schwangerschaft können Unterleibskrämpfe auftreten. In den meisten Fällen ist die dahinterliegende Ursache harmlos. Das gilt vor allem in der Frühschwangerschaft. Tritt hin und wieder in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln ein Unterleibskrampf auf, kann das an dem sogenannten Dehnungsschmerz liegen: Die Gebärmutter dehnt sich und mit ihr alle Muskeln und Bänder. Im letzten Drittel der Schwangerschaft können Unterleibskrämpfe auf die bevorstehende Geburt hinweisen. Dann handelt es sich um Senk- oder Geburtswehen. 

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Bei starken Unterleibskrämpfen in den ersten und zweiten Trimenon sollten Betroffene sofort handeln. In diesen Fällen kann es sich um eine Frühgeburt, die Ablösung des Mutterkuchens oder um eine Schwangerschaftsvergiftung handeln.

 

Behandlungmöglichkeiten von Unterleibskrämpfen? 

Die Behandlung von Unterleibskrämpfen richtet sich nach den Ursachen. Schmerzen, die von Infektionen oder Entzündungen ausgelöst werden, werden in der Regel medikamentös behandelt. Bei schweren Blasenentzündungen kommen meist Antibiotika zum Einsatz.

Zysten und eine Endometriose erfordern hingegen eine hormonelle Therapie. Wenn diese nicht infrage kommt oder die Entzündungsherde und Zysten zu groß sind, sollten diese operativ entfernt werden: Bei der Bauchspiegelung können die betroffenen Bereiche mittels Laser, elektrischem Strom oder einem speziellen Hitze-Verfahren blutungsarm herausgeschnitten und verödet werden. 

Leichte Unterleibskrämpfe, denen keine Erkrankung zugrunde liegt, lassen sich auch mit Hausmitteln in den Griff bekommen – Sitzbäder, Wickel und Kräutertees können die Schmerzen schnell lindern.

Quellen:

Unterleibsschmerzen, in: msdmanuals.com

Menstruationskrämpfe, in: msdmanuals.com

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