Wenn im Kopf die Hölle losbricht

Redaktion PraxisVITA
Clusterkopfschmerzen sollten immer ärztlich behandelt werden
Clusterkopfschmerzen sollten immer ärztlich behandelt werden. Hilfreich ist bei einem Anfall medizinischer Sauerstoff, der über eine Gesichtsmaske inhaliert wird © Corbis

Clusterkopfschmerzen: Für Betroffene gibt es nichts Schlimmeres. Entdecken Sie jetzt, wie Ärzte schnell und effektiv helfen.

Die Schmerzattacke traf Sandra Neubauer* völlig unvorbereitet mitten in der Nacht. „Es fühlte sich an, als würde sich ein glühendes Messer in mein Auge bohren. Es war einfach nur schrecklich.“ Die 39-Jährige ist heute noch geschockt, wenn sie von ihrem ersten Clusterkopfschmerzanfall berichtet. Und ihr Bericht ist ganz typisch für das Krankheitsbild. Denn in der Regel versetzt die erste Schmerzattacke die Betroffenen in eine Art Schockzustand, zumal man nicht weiß, was sich da im Kopf abspielt bzw. weil keine geeignete Behandlung greifbar ist.

 

Eine Clusterkopfschmerz-Attacke dauert bis zu drei Stunden

Wenn von Kopfweh die Rede ist, geht es meist um die Migräne und Spannungskopfschmerzen. Eine andere Variante, der Clusterkopfschmerz ist zwar eher selten, von der Schmerzintensität aber um so qualvoller. Das englische Wort „Cluster“ (gesprochen: Klaster) bedeutet Häufung und meint damit, dass die Attacken oft gehäuft um eine bestimmte Jahreszeit auftreten. Der Schmerz selbst wird von den Betroffenen von heftigster Intensität beschrieben, insbesondere, weil die Attacken wie bei Sandra Neubauer abrupt kommen, ohne Vorboten, oft aus dem Schlaf heraus. Meist befindet sich der Schmerz hinter dem Auge und im Bereich der Nasenwurzel und dauert im Schnitt 15 Minuten bis drei Stunden an. Typisch ist auch, dass die Erkrankten im Gegensatz zu Migräne-Patienten, die Ruhe brauchen, häufig unruhig sind. Sie laufen im Zimmer auf und ab, öffnen und schließen die Fenster oder malträtieren vor Schmerz das Gesicht mit der flachen Hand. Begleitet werden die Attacken meist von einem geröteten, tränenden Auge, starkem Schwitzen, einem geschwollenen Augenlid und einer verengten Pupille. Erbrechen wie bei Migräne ist nicht üblich.

 

Die Ursachen für Clusterkopfschmerzen sind noch unklar

Trotz intensiver Forschung ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wie es zu Clusterkopfschmerzen kommt. Die Erweiterung bzw. die Entzündung der Blutgefäße scheint nicht, wie früher vermutet, die Ursache für die Beschwerden zu sein. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen weisen eher auf eine Fehlsteuerung im Hirn hin.

 

Akut-Therapien bei Clusterkopfschmerz für mehr Lebensqualität

Ganz wichtig vorab: Clusterkopfschmerzen müssen ärztlich behandelt werden. Denn herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen, sowie Alternativ-Therapien wie Akupunktur oder Biofeedback sind bei Clusterkopfschmerzen nicht wirksam. Daher sollte man bei Verdacht auf Cluster umgehend ärztlichen Rat einholen. Behandelt wird individuell mit unterschiedlichen Wirksubstanzen. So hilft bei einem Anfall meist medizinischer Sauerstoff, der über eine Gesichtsmaske inhaliert wird. In hoher Konzentration führt er bei den meisten Patienten nach ca. 10 Minuten zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Bei einigen Menschen wirkt der nebenwirkungsfreie Sauerstoff jedoch nicht. Ihnen kann meist mit einem Migräne-Schmerzmittel wie z. B. Zolmitriptan geholfen werden. Reicht das nicht, kann auch der Wirkstoff Sumatriptan injiziert werden.

Zur Prophylaxe werden verschreibungspflichtige Substanzen wie Verapamil empfohlen. Wichtig ist auch das Vermeiden von Auslöserfak toren (z. B. Flackerlicht, bestimmte Gerüche, Lärm). Auch Alkohol (Rotwein, Weizenbier) und diverse Nahrungsmittel (Nüsse, Glutamat) können die Attacken auslösen. Hier hilft es, ein Schmerz-Tagebuch zu führen, um die persönlichen Clusterkopfschmerz-Auslöser dingfest zu machen und zu meiden.

*Name von der Redaktion geändert

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