Wenn die Menschmaschine ausbrennt

Frau ist ausgebrannt
Eine Injektionstherapie mit B-Vitaminen kann die Symptome dauerhafter Erschöpfung lindern © Fotolia

Burn-out - der Zustand größter emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung - entwickelt sich oft schleichend. Dr. Uwe Höller, Direktor des Deutschen Institut für Präventive Medizin in Bergisch Gladbach, erklärt, wie wir aus dem Stress-Teufelskreis ausbrechen können.

 

Herr Dr. Höller, warum geraten so viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen?

Unsere Welt scheint heute nur noch aus Extremen zu bestehen, zwischen denen man sich einordnen muss. Held oder Weichei, Sieger oder Memme. Die Zwischentöne gehen immer mehr verloren. Und wer will schon ein Verlierer sein. Also werden die Zähne zusammengebissen, auch wenn wir bereits am Limit sind.

 

Welche Folgen kann diese dauerhafte Stressbelatung haben?

Unter anderem verliert unser Körper zunehmend lebenswichtige B-Vitamine. Vor allem die Vitamin-B12-Speicher des Körpers werden bis auf den Grund leergesaugt. Die Folge: Man fühlt sich zunehmend schlapp und kraftlos, schon kleinere Anstrengungen erscheinen als Belastung. Konzentrations- und Gedächtnisprobleme treten auf, plötzliche Wortfindungsstörungen sowie eine dauerhafte Tagesmüdigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen.

 

Und das endet dann im Burn-out?

Ja. Bei einem Burn-out handelt es sich um einen Zustand totaler Erschöpfung, der meist eine teilweise oder völlige Arbeitsunfähigkeit mit sich bringt. Das kann bis zur totalen Verweigerung aller sozialen Kontakte gehen. Wer Anzeichen für eine solche massive Erschöpfung bei sich erkennt, sollte etwas dagegen tun, damit ein Burn-out vermieden werden kann.

 

Und was raten Sie in einer solchen Situation?

Manchmal ist einfach ein Gang zum Arzt erforderlich. Hier hat sich eine Injektionstherapie mit B-Vitaminen sehr bewährt. Wir haben in unserem Institut gerade eine Studie durchgeführt, die deren Wirksamkeit und den positiven Einfluss auf die Lebensqualität beweisen konnte.

 

Was für Injektionen sind das?

Zur Behandlung wurde eine spezielle, genau abgestimmte Kombination von B-Vitaminen mittels einer Fertigspritze verabreicht. Sinnvoll sind jeweils zwei Injektionen pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen. Danach wurden die Teilnehmer nochmals befragt. Und die nachgewiesenen positiven Effekte waren eindeutig. So besserte sich das Allgemeinbefinden im Durchschnitt um 88 Prozent, die Leistungsfähigkeit um 84 Prozent und der subjektiv empfundene Gesundheitszustand sogar um 86 Prozent.

 

Und zahlt die Kasse diese Therapie?

Nein. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Eine Packung mit acht Spritzen kostet ungefähr 45 Euro. Hinzu kommen dann noch die Arztkosten.

 

Wäre es nicht wesentlich einfacher, die Vitamine als Tablette einzunehmen?

Nein, eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt funktioniert oft nur unzureichend. Besonders das empfindliche Cobalamin (Vitamin B12) wird sehr häufig nur schlecht in den Blutkreislauf übernommen. Durch eine Injektion in die Vene können wesentlich höhere Blutspiegel erreicht werden, da das Cobalamin ohne Verluste über den Blutkreislauf direkt in die Zellen gelangt.

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